Paten unterstützen Menschen seit Jahren

Wie Ehrenamtliche Geflüchteten in Wildeshausen helfen

Stehen gemeinsam für die Integration ein: Sabine Müller, Kristiane Helter, Holger Gudjons (alles Paten), Thorben Kienert („mischMIT!“) und Izabela Cholewa (Migrationssozialarbeiterin, Diakonisches Werk, von links).
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Stehen gemeinsam für die Integration ein: Sabine Müller, Kristiane Helter, Holger Gudjons (alles Paten), Thorben Kienert („mischMIT!“) und Izabela Cholewa (Migrationssozialarbeiterin, Diakonisches Werk, von links).

Schon seit Jahren unterstützen Paten Geflüchtete, die nach Wildeshausen gekommen sind. Dabei stoßen sie immer wieder auf Schwierigkeiten.

  • Seit fünf Jahren unterstützen ehrenamtliche Paten Geflüchtete bei der Integration.
  • Immer wieder mangelt es an Wohnungen.
  • Nicht nur bei Geflüchteten ist der Integrationsbedarf groß.

Mehr als fünf Jahre ist es jetzt her, dass Menschen aus Syrien, dem Irak, Afghanistan und Co. in großer Zahl nach Deutschland und auch nach Wildeshausen kamen. Aber immer noch sind Paten aktiv, die Hilfe zur Selbsthilfe leisten und Flüchtlinge begleiten. Wobei, inzwischen ist der Begriff für diese Menschen in den Augen einiger nicht mehr ganz korrekt.

„Aus vielen sind Freunde oder gute Bekannte geworden. Es sind Wildeshauser“, sagt Kristiane Helter. Sie gehört zu den Paten, die sich im Januar 2016 über die Freiwilligenagentur „mischMIT!“ organisiert haben und gibt mit der Diakonie einen Einblick in ihre Arbeit. Die hat durch die Pandemie noch einmal an Bedeutung gewonnen.

26 Ehrenamtliche begleiten mehr als 100 ehemalige Flüchtlinge, die nun schon zum Teil seit Jahren in Wildeshausen leben. Dabei hat Corona den Beteiligten in den vergangenen Monaten vieles abverlangt. Zum Beispiel haben die Paten ihre Schützlinge intensiv über Hygieneregeln informiert und hin und wieder auch sachte darauf hingewirkt, dass diese eingehalten werden. Das Thema Homeschooling warf ebenfalls viele Fragen auf. „Viele Familien sind nicht so gut ausgestattet wie deutsche Haushalte“, berichtet Helter und nennt beispielhaft eine Schülerin, die lange Zeit nur per Handy am Unterricht teilnehmen konnte. Durch Spenden sei es aber möglich gewesen, ihr ein besseres Gerät zu verschaffen.

Was die Paten ebenfalls beobachten, sind zunehmende Sprachschwierigkeiten angesichts geschlossener oder eingeschränkter Kitas und Schulen. „Wir sind gespannt, wie sich die reduzierte Präsenz auswirken wird und merken schon jetzt, dass es schwerer ist, sich mit den Kindern zu unterhalten“, berichtet Helter. Das betreffe auch deren Muttersprache. So könnten einige zwar Arabisch sprechen, aber nicht schreiben. Da gehe ja auch ein Kulturgut verloren.

Einschränkungen seit dem Ausbruch der Pandemie

Seit dem Ausbruch der Pandemie verzichten beide Seiten auf lieb gewonnene Rituale wie das wöchentliche, gemeinsame Teetrinken. „Viele Dinge regeln wir jetzt per Whats App, aber persönliche Treffen geben allen Beteiligten mehr“, sagt Helter, in deren Augen „wirklich etwas weggebrochen ist“.

Vielleicht auch, weil manche Probleme und Konflikte eher eine sanfte und indirekte Herangehensweise fordern. So hätten die Paten durchaus einen Wandel in den Familien bemerkt, sagt Helter. Die allermeisten ehemaligen Geflüchteten seien inzwischen in Arbeit. „Der Umzug in eine eigene Wohnung ist ein großer Schritt und auch ein Schritt raus aus der Familie“, so die Patin. Die jüngere Generation suche sich ihre Freiheiten. Zum Beispiel seien junge Frauen dabei, die erst einmal arbeiten wollten, bevor sie heiraten. Die Eltern seien hingegen ganz anders aufgewachsen und versuchten, ihre Kultur zu bewahren. „Das ist ein gewisses Spannungsverhältnis mit Reibungspunkten“, sagt Helter, die mit Rat zur Seite steht – zurzeit zwar nur mal kurz an der Tür und übers Internet, aber die Paten versuchen zum Beispiel, Spaziergänge mit ihren Schützlingen zu machen und dabei ins Gespräch zu kommen.

Wohnungsnot besteht seit Jahren

Ein Problem, das sich seit fünf Jahren wie ein roter Faden durch die Integration zieht, ist der Mangel an Wohnraum. „Es ist schon erschütternd, dass ein Syrer mit Festanstellung keine Wohnung bekommt und Vermieter stattdessen fünf osteuropäische Fleischarbeiter darin unterbringen“, empört sich Helter. Es gebe mehrere solcher Beispiele.

Bei Problemen, die zum Beispiel das Asylrecht, überhaupt juristische Angelegenheiten oder Fachthemen betreffen, verweisen die Ehrenamtlichen an die Diakonie. Diese betreibt im Wildeshauser Bahnhof ein Büro mit drei Beraterinnen, die sich um die Anliegen von Migranten kümmern und sehr gut mit den Paten zusammenarbeiten, sagt Nizmiye Acar, eine der Beraterinnen.

Ausweitung des Projekts?

Acar wünscht sich genau wie Helter, dass die Integration von Osteuropäern vorankommt. „Die arbeiten nicht nur, sondern haben auch Familien und Kinder hier. Und sie wollen sich integrieren.“ Die beiden können sich vorstellen, die Patenschaften auch auf Bulgaren und Rumänen auszudehnen. Die würden oft in Schubladen gesteckt, „aber viele sind ganz aufgeschlossene, lebensfrohe Menschen“, sagt Acar.

Unabhängig von einer Erweiterung des Projekts können sich immer noch Wildeshauser melden, die eine Patenschaft übernehmen wollen. Thorben Kienert von der Freiwilligenangtur „mischMIT!“ versichert, dass Neue langsam an die Aufgabe herangeführt und dabei nicht alleingelassen würden. Unverbindlicher Kontakt ist unter Telefon 04431/7483475 und per E-Mail an info@mischmit.org möglich.

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