Politik reagiert auf Verkauf des Diakonie-Geländes mit großer Skepsis

Widerstand gegen Wohnbaupläne

Sollte abgerissen werden, bleibt nun aber vorerst stehen: das Haus Cloppenburg auf dem Zentralgelände der Diakonie. Archivfoto: Brinkhus
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Sollte abgerissen werden, bleibt nun aber vorerst stehen: das Haus Cloppenburg auf dem Zentralgelände der Diakonie. Archivfoto: Brinkhus

Wildeshausen – Die Pläne des Architektur- und Planungsbüros Hellmers, auf dem Gelände der Diakonie Himmelsthür in Wildeshausen ein modernes Konzept für Wohnen und Gastronomie zu realisieren, bei dem einige Gebäude erhalten bleiben sollen (wir berichteten), stoßen bereits direkt nach der Bekanntgabe auf Widerstand in der Politik und bei einigen Anwohnern.

Zwar sollen die konkreten Entwürfe erst im Mai vorgestellt werden, doch gibt es schon im Vorfeld einige Bedenken, weil es sich um ein sensibles Gebiet handelt. „Wir wurden am Dienstag informiert“, berichtete Bürgermeister Jens Kuraschinski am Mittwochabend im Ausschuss für Stadtentwicklung, Tourismus, Sport und Kultur. Er begrüße eine Nachnutzung des Geländes, schaue aber gleichzeitig sorgenvoll auf die Pläne. Er befürchte durchaus Auswirkungen auf die kommunale Infrastruktur. „Wie viel Wohnen können wir uns dort leisten, ohne unsere Städtebauliche Maßnahme zu gefährden?“, fragte er.

Der Bauausschussvorsitzende Hartmut Frerichs (SPD) wurde deutlicher: „Ich bin von den Investoren angesprochen worden, ob dort Wohnbebauung möglich ist“, berichtete er. Er habe signalisiert, dass es keine Erweiterungen von Wohnbauflächen im Wald geben werde, woraufhin die Investoren ihr Engagement noch einmal überdenken wollten.

Laut dem Regionalgeschäftsführer der Himmelsthür, Jörg Arendt-Uhde, sind die Verträge aber bereits unterschrieben. „Das ist in trockenen Tüchern und notariell beglaubigt“, sagte er unserer Redaktion.

Erschrocken über Planungen

„Ich bin erschrocken über diese Planungen“, erklärte Rainer Kolloge (UWG). „Es wird von uns eine kategorische Ablehnung der Baupläne geben“, sagte er mit Blick in die Runde und machte angesichts der Zustimmung mehrerer Ausschussmitglieder bereits eine Mehrheit für seine Ansicht im Stadtrat aus. „Es wird keine Bebauungsplanänderung geben, wenn der Wald zur Disposition steht.“

Damit sprach Kolloge die entscheidende Frage für die Entwicklung des Gebietes an. Es gibt für den Bereich der Diakonie derzeit nur einen Flächennutzungsplan, der ausschließlich eine gesundheitliche und soziale Nutzung vorsieht. Frühere Pläne der Diakonie, den Gebäudebestand zu erweitern, waren mehrmals daran gescheitert, dass es im Rat keine Mehrheit gab, auf der Fläche neue Projekte zu verwirklichen, die nicht der derzeitigen Nutzung entsprechen. Im Rahmen des Entwicklungsprozesses „Wildeshausen 2030“ wurden jedoch Entwürfe für das Areal veröffentlicht (siehe Kasten).

Aktuell wird das Gelände von der Diakonie Himmelsthür für Menschen mit Assistenzbedarf genutzt. Die Einrichtung wird allerdings im Rahmen ihres langjährigen Konversionsprozesses alle Wohngebäude bis auf das Haus „Herzogin Elisabeth“ am Rand der Anlage aufgeben. Desweiteren soll das Gebäude der Cateringfirma der Himmelsthür weiter genutzt werden.

Pläne der Diakonie waren gescheitert

Vor drei Jahren war die Diakonie mit Plänen gescheitert, in der Nähe des Hauses „Herzogin Elisabeth“ ein neues Gebäude für Menschen mit erhöhtem Betreuungsbedarf zu errichten. Hier hatte eine Anwohnerinitiative erreicht, dass die Entwürfe zurückgezogen wurden. Im Rat hatte es eine breite Mehrheit dafür gegeben, den Baumbestand auf dem Gelände zu erhalten.

Arendt-Uhde hatte noch vor einem Jahr die Stadt und den Bürgermeister kritisiert, dass sämtliche Neubaupläne – auch, wenn keine Bäume geopfert werden – von der Stadt blockiert würden. Am Donnerstag bestätigte er noch einmal: „Es gab überhaupt keine Gesprächsangebote von der Stadt, obwohl das angekündigt worden war. Wir waren kompromissbereit.“ Nun sei er aus der Diskussion raus, weil der Besitzer gewechselt habe.

Konzept „Wildeshausen 2030“:

Im Rahmen des Entwicklungskonzeptes „Wildeshausen 2030“, veröffentlicht auf der Website der Stadt, wurden folgende Vorschläge für die freiwerdende Fläche an der Dr.-Klingenberg-Straße veröffentlicht:

- ein „Tagungshotel im gehobenen Bereich“, eventuell mit angelagertem „Wellness-Hotel mit zahlreichen Naherholungsmöglichkeiten“,

- eine „Gruppenunterkunft für Schulklassen, Betriebs- und Vereinsausflügler“, kombinierbar mit Wohnmobilstellplätzen und Camping-Angeboten,

- eine Hochschulen-Außenstelle, eine Therapieeinrichtung, ein Wohngebiet.

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