Imker und Hautflüglerberater Martin Becker hilft

Der mit den Wespen kann

Martin Becker sucht mit einer LED-Taschenlampe nach Wespen. Hinter der Glaswolle im Dach befindet sich ein Nest. Fotos: bor
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Martin Becker sucht mit einer LED-Taschenlampe nach Wespen. Hinter der Glaswolle im Dach befindet sich ein Nest.

Wildeshausen - Wenn Martin Becker mit seinem weißen Kastenwagen vorfährt, wird er oft verzweifelt erwartet. Der gelernte Imker und Hautflüglerberater des Landkreises Oldenburg kommt zu Menschen, die ein Wespennest oder andere Insekten am Haus oder im Garten haben. Unsere Zeitung hat den 52-Jährigen, der in Holzhausen lebt und schon rund 15 Jahre ehrenamtlich als Hautflüglerberater arbeitet, einen Abend lang begleitet.

Es ist kurz nach 19 Uhr, als Becker bei einem Neubau in Spasche klingelt. Der 1,95-Meter-Mann wird schon sehnsüchtig erwartet. Im ersten Stock des zweigeschossigen Hauses lebt eine alleinstehende Frau, die es nicht so mit Insekten hat. Dumm nur, dass sich Wespen ins Bad und die Küche verirrt haben. Auch auf dem Balkon hat sie welche gesehen und traut sich jetzt kaum noch raus.

Becker begutachtet die Lage. Immer wieder landen und starten Wespen etwa zweieinhalb Meter vom Balkon entfernt auf Höhe der Regenrinne. Der 52-Jährige vermutet, dass die Tiere hier einen Weg ins Haus gefunden haben und will sich den Dachboden anschauen. Dort steht die Luft, es sind mindestens 45 Grad. Kein Wunder, dass der Imker nur im Unterhemd unterwegs ist. Und er hat den richtigen Riecher gehabt: In einer Ecke, ungefähr auf Höhe der Einflugschneise, liegen ein paar Wespen tot auf dem Boden, andere krabbeln umher. Wer sein Ohr an die mit Plastik verkleidete Glaswolle legt, kann das Brummen und Krabbeln aus dem Wespenbau hören.

Unten in der Mietwohnung informiert Becker die Bewohnerin, die etwas panisch fragt: „Muss ich jetzt ausziehen?“ Es handele sich um asiatische Wespen, die er notfalls abtöten dürfe, sagt Becker. Eine Umsiedlung wäre auch möglich. Allerdings müsste er durch die Glaswolle schneiden oder von außen, übers Dach rangehen. Dafür brauche es einen Handwerker, dem er zum Schutz vor Stichen einen Spezialanzug zur Verfügung stellen könne.

Das Wespennest ist groß und in der Ecke verkeilt.

Geduldig erklärt Becker der Frau, dass es auch einen Weg gibt, mit den Insekten zu leben. Doch die will nicht so recht. Am nächsten Morgen wird ihn der Vermieter anrufen und sagen, dass das Nest weg soll. Mit dem Handwerker wird Becker demnächst versuchen, die Wespen umzusiedeln. Dazu muss er einen Jutesack über das Nest stülpen, nachdem es frei gelegt wurde. Der 52-Jährige ist optimistisch, dass das klappt. Die Tiere sollen in einen Wald in Holzhausen.

Nach ungefähr einer Stunde in Spasche fährt Becker zum nächsten Termin. In einem Haus aus den 1970er-Jahren haben sich Wespen angesiedelt, die in eines der Schlafzimmer kriechen. Es sind ebenfalls asiatische Exemplare, die sich in einer Ecke des Dachbodens eingenistet haben. Schweren Herzens greift Becker zur Giftspritze. Sollten die Wespen nachts in den Mund eines Schlafenden fliegen, bestünde Gefahr. Und das Nest ist so in der Ecke verkeilt, dass der Imker es herausbrechen müsste. Dabei würde die Königin vermutlich abhauen. Wenn es deutsche Wespen wären, würde Becker den Aufwand auf sich nehmen und ein paar Mal wiederkommen, aber so...

Becker zeigt ein Nest.

Nur rund 40 Sekunden sprüht der 52-Jährige das schnell wirkende Mittel, bei dem die Tiere nicht lange leiden, von unten in das Nest. Dabei wird er kurz in den Finger gestochen, was ihm aber nichts ausmacht. Nach ein, zwei Minuten verstummt das Brummen – die Königin und die meisten Wespen sind tot, die Gefahr gebannt.

Anschließend kassiert Becker für den Landkreis, in dessen Auftrag er unterwegs ist. 40 Euro kostet eine Tötung, 35 Euro eine Umsiedlung, jeweils plus Kilometergeld. Die Beratung ist kostenlos – sowohl vor Ort als auch telefonisch. Wegen der Hitze sei der Bedarf in diesem und im vergangenen Jahr deutlich höher als sonst, sagt Becker. Aber er vermutet, dass die zunehmende Versiegelung von Flächen auch zu dem Problem beiträgt. „Man muss beide Seiten sehen“, findet der Holzhauser, der hofft, dazu beizutragen, dass Wespen und Menschen besser miteinander auskommen.

Kontakt zu den Hautflüglerberatern:

Wildeshausen: Martin Becker, 0172/4283873, Kerstin Brauer, 0163/6339167, und Uwe Endesfelder, 0160/97281267.

Dötlingen: Uwe Brengelmann, 04432/9884983, Dieter Iverssen, 04433/968551, Stephan Jordt, 0152/56451023, und Angelika von Döllen, 04431/9488739.

Harpstedt: Oliver Brandes, 0170/3615753, und Dr. Wulf Carius, 0172/4155277.

Ganderkesee: Heiko Pape, 0173/9207188, und Franz Winzinger, 0151/50580270.

Hatten: Britt und Peter Franz, 04482/974151, Andre Köhrmann, 0177/2033543, und Martin Vollmer, 04481/937860.

Hude: Herbert Heinemann, 04484/959896, und Stefan Rippen, 0176/57982297.

Wardenburg und Großenkneten: siehe Nachbargemeinden.

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