Zu vielen Namen auf dem Ehrenmal ist nichts bekannt

Wer waren die Wildeshauser Toten?

Ehrenmal in Wildeshausen: Von vielen Menschen, die hier genannt werden, ist nichts bekannt.
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Ehrenmal in Wildeshausen: Von vielen Menschen, die hier genannt werden, ist nichts bekannt.

Wildeshausen – Seit rund einem Jahrhundert steht auf dem Burgberg in Wildeshausen das imposante Ehrenmal für die Verstorbenen und Gefallenen der beiden Weltkriege. Doch während es über die Opfer des Ersten Weltkrieges immerhin ein kleines Büchlein gibt, die „Wildeshauser Gedenkblätter“, weiß man in der Stadt über die des Zweiten Weltkrieges nur wenig.

Bislang ist nicht einmal klar, wer die Sandsteintafeln mit den Namen oben am äußeren Denkmal befestigt und wer sie in Auftrag gegeben hat. Möglichst viel Licht in das geschichtliche Dunkel möchte Susanne Heger aus Wildeshausen bringen. Die 58-Jährige kommt fast täglich am Ehrenmal vorbei und hat unter anderem vor drei Jahren eine größere Reinigungsaktion mit einigen Bürgern initiiert.

Ein erster Weg, mehr über die Menschen, die auf den Tafeln stehen, zu erfahren, führte Heger zum Bürger- und Geschichtsverein im historischen Rathaus. Mit geringem Erfolg: „Dort sagte man mir, dass es so gut wie keine Informationen gibt.“

Leser melden sich bei Susanne Heger

Heger recherchierte weiter. Nach einem Leserbrief in unserer Zeitung erhielt sie von 13 Menschen interessante Nachrichten über Verstorbene. Sie fand heraus, dass auf den Tafeln nicht nur gefallene Soldaten stehen, sondern auch Frauen und Kinder, die im Krieg ihr Leben verloren haben. „Manche waren Zivilisten, wie Ingeborg Schulte, die hochschwanger im Alter von 25 Jahren am 10. April 1945 auf der Westerstraße von Granatsplittern tödlich verwundet wurde“, berichtet Heger. „Luise Alves aus der Kaiserstraße dagegen starb mit 20 Jahren als Krankenschwester im Kriegseinsatz in Schönhagen/Schleswig-Holstein. Ursula Huntemann aus der Visbeker Straße starb mit 19 Jahren, als sie ihrem Vater helfen wollte, der auf dem Bahndamm angeschossen worden war. Auch sie wurde tödlich von Schüssen getroffen. Bei einem Bombenabwurf im Krandel starben Hanna Vagelpohl (36) und ihre beiden Kinder Lotte (7) und Waltraud (2) sowie die Schwestern Anneliese Pophanken (28) und Hildegard Apeler (30) sowie deren Sohn Hans (3).“

Susanne Heger

Mittlerweile hat Heger eine Liste aller Menschen, die auf den Tafeln des Ehrenmals verewigt wurden. Allerdings finden sich hinter vielen Namen noch keine Einträge. Das möchte sie ändern: „Wäre es nicht schön, wenn wir mit unserem geballten Wissen die Geschichten der toten Wildeshauser, seien sie als Soldat oder als Zivilist gestorben, erzählen könnten?“, fragt sie. „Wer waren sie? Gibt es noch Bilder? Briefe? Bis heute werden einige Soldaten vermisst. Was haben Eltern, Großeltern, Tanten und Onkel erzählt? Was wussten sie über die Toten?“

Die Chance, neue Erkenntnisse zu gewinnen, scheint nicht schlecht zu sein. Es befinden sich viele bekannte Wildeshauser Namen auf den Tafeln. Nachnamen wie Bowe, Depken, Mahlstedt, Müller, Kreienborg, Nolte, Schnittker oder Windeler sind auch heute noch hier im Adressverzeichnis zu finden. „Aus manchen Familien starben bis zu fünf Mitglieder. Was hat das mit dem Rest der Familie gemacht? Ich würde mich über jede Info freuen“, sagt Heger, die sich wünscht, dass die Suche auch in Projektarbeiten von Schülern fortgesetzt wird. „Vielleicht können wir gemeinsam die Lücke in der Wildeshauser Geschichte schließen“, hofft sie und bittet um Nachrichten unter Telefon 0177/8825010 (sie ruft zurück) oder per E-Mail an Suseheger@outlook.de. Unsere Zeitung wird über neue Erkenntnisse berichten. Wer mag, kann sich auch per E-Mail an die Redaktion unter redaktion.wildeshausen@ kreiszeitung.de wenden.

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