Deutsch-österreichisches Paar in Wildeshausen

Wenn sich der Piefke eine Ösi-Frau angelt

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Sönke Theesfeld und Regina Gruber sind ein deutsch-österreichisches Paar, das in Wildeshausen lebt.

Wildeshausen - Dass die Liebe so manche Grenzen überwinden kann, beweisen Sönke Theesfeld und Regina Gruber: Der 32 Jahre alte Wildeshauser lernte die Österreicherin in den Bergen kennen und „entführte“ sie in die Kreisstadt, wo das Paar jetzt seit ein paar Monaten lebt. „Ich hätte mir das nie vorstellen können“, sagt die 29-Jährige rückblickend. Dabei hatte sich Theesfeld ziemlich schnell in die junge Frau verguckt, bei der der Funke allerdings erst etwas später übersprang.

„Mensch, das ist aber eine Nette“, erinnert sich Theesfeld an seinen ersten Eindruck von Gruber. Sie war Rezeptionistin im „Jugendhotel Markushof“ in Wagrain. Die 3000-Seelen-Gemeinde etwa 55 Kilometer südöstlich von Salzburg ist ein Touristenort. Und der Wildeshauser, der hauptberuflich bei der Berufsfeuerwehr in Bremen arbeitet, war mit einer Jugendgruppe nach Österreich gefahren. Das war 2012. 

Auch ein Jahr darauf reiste er mit der Gruppe in den „Markushof“. Genau wie 2013. Und dann, 2014, kamen die beiden schließlich zusammen. „Erst mal hat sie ausgecheckt, ob ich bergtauglich bin“, lacht Theesfeld und erinnert sich an einige gemeinsame Touren. „Ich habe mich drei Jahre bezirzen lassen“, erwidert sie kokett. „Für einen Piefke war er ja nicht so schlecht“, schiebt sie schmunzelnd hinterher. An Humor mangelt es dem deutsch-österreichischen Paar nicht.

Und auch Durchhaltewillen haben sie bewiesen, denn in den ersten Jahren führten sie eine Fernbeziehung. Mit der Bahn ging es hin und her – teilweise nur, um sich für einen Tag zu sehen. Da Theesfelds Feuerwehrausbildung in Österreich nicht anerkannt wird, konnte er nicht umsiedeln. Und wenn das Paar zum Beispiel in Bayern zusammengezogen wäre, hätten beide bei null anfangen müssen. Aber in Wildeshausen lernte Gruber über ihren Freund, der sich als Wachsoldat in der Schützengilde engagiert, schnell Leute kennen. 

So sieht es in Wagrain aus, wo Regina Gruber den Wildeshauser Sönke Theesfeld kennengelernt hat. Das Foto hängt im heimischen Wohnzimmer.

„Es ist ja immer die Rede vom kühlen, wortkargen Norddeutschen, dabei sind die Leute hier genauso herzlich wie in Österreich. Ich habe mich gleich wohl gefühlt“, sagt sie. Gleichwohl stellt sie fest: „Das Leben in Deutschland war eine Herausforderung und ist es noch.“ Dabei bezieht sie sich vor allem auf Formalitäten und das Berufsleben. „Manchmal hat man das Gefühl, dass keine Behörde für einen zuständig ist.“ Zurzeit macht sie eine Ausbildung zur sozialpädagogischen Assistentin.

Was den Alltag angeht, musste sich Gruber etwas umstellen. Manches in Niedersachsen erscheint der Österreicherin merkwürdig. „Ich kenne nur Tante-Emma-Läden“, sagt die 29-Jährige. „Mit ihr bei Famila oder im E-Center einzukaufen, war schon ein Erlebnis“, meint Theesfeld mit einem Grinsen. Dafür konnte sich seine Liebste für die regionale Küche erwärmen. „Schon als wir noch getrennt gewohnt haben, musste ich immer Grünkohl mitbringen“, sagt der Wildeshauser. Die beiden kochen gern mal zusammen, auch österreichische Gerichte wie Kaiserschmarrn.

Das hilft gegen das Heimweh. Genau wie die Besuche von Verwandten. „Eigentlich war bis jetzt in jedem Monat jemand hier“, sagt Gruber, die mit dem Gedanken spielt, die österreichische Flagge zum nächsten Gildefest am gemeinsam bewohnten Haus zu hissen. Im Mai hat sie alles von A bis Z miterlebt. Ein befreundetes Pärchen aus Österreich wurde gar „zwangsverheiratet“. Bleibt abzuwarten, was passiert, wenn ein Gilderichter diesen Text liest und die beiden im kommenden Jahr an Pfingsten noch nicht in den Stand der Ehe getreten sind... 

bor

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