Jubiläumsfeier

Im Interview: Geschäftsführer Hans-Werner Aschoff von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft 

Hans-Werner Aschoff

Wildeshausen - Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises Oldenburg (WLO) feiert heute Abend im LiLi-Servicekino in Wildeshausen ihr 50-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass beantwortet Geschäftsführer Hans-Werner Aschoff im Interview ein paar Fragen zur Geschichte und Zukunft der WLO. Er nimmt auch Stellung zum Industrie- und Gewerbegebiet Wildeshausen-West. Die Fragen stellte Ove Bornholt.

Herr Aschoff, sind 50 Jahre WLO eine Erfolgsgeschichte? Was hat die Wirtschaftsförderungsgesellschaft bewirkt?

Aschoff: Vor 50 Jahren waren wir im Landkreis Oldenburg wirtschaftlich im Vergleich zu anderen Regionen in Niedersachsen stark unterdurchschnittlich entwickelt. Das hat sich geändert. Mit einem gut ausgeglichenen Branchenmix steht der Landkreis heute wirtschaftlich gut da. Wir haben eine der geringsten Arbeitslosenquoten in Niedersachsen. Insofern ist die Entwicklung des Landkreises sicherlich eine Erfolgsgeschichte. Aber Sie fragten nach dem Erfolg der WLO. Ich kann mir vorstellen, dass es unterschiedliche Definitionen gibt, was Erfolg einer Wirtschaftsförderung bedeutet. Wir sahen und sehen uns als Dienstleister und Lobby für die Wirtschaft im Landkreis. Ich vergleiche unsere WLO immer gern mit einem gutbürgerlichen, gepflegten Restaurant. Wir sind die Kellner für unsere Gäste, die Unternehmen, Unternehmer und Gründer im Landkreis. Diese versuchen wir so zu bedienen, dass sie auf dem Nachhauseweg sagen: „Das war angenehm dort, und unsere Wünsche wurden erfüllt.“

Die WLO versteht sich auch nicht als Einzelkämpfer, oder?

Wir sind ein Zahnrad in der Maschine der wirtschaftlichen Entwicklung. Ohne unsere Kooperationspartner, Kammern, Gemeinden, Landkreis, Verbände, Politik und vor allem den Unternehmern sind wir nichts. Wirtschaftliche Entscheidungen zur Ansiedlung, Umsiedlung oder Erweiterung treffen nicht wir, sondern die Unternehmen selbst. Wenn ich manchmal Kollegen aus der Wirtschaftsförderung höre, wie sie sich mit Ansiedlungserfolgen brüsten, kann ich innerlich nur lächeln. Das ist alles Blödsinn. Nicht wir entscheiden, die Unternehmen entscheiden, und das ist gut so. Wenn man also Erfolg so definiert, dass man als kompetenter Dienstleister, Ansprechpartner und Berater anerkannt ist, ja, dann glaube ich, dass die Geschichte der WLO eine Erfolgsgeschichte ist.

Sie sind seit 1992 Geschäftsführer, schildern Sie uns doch bitte ein, zwei kuriose Vorkommnisse aus dieser langen Zeit.

Ja, da gab es natürlich einiges. Zum Beispiel den wegen mehrfachen schweren Betruges verurteilten Freigänger, ein Mensch, den man rhetorisch nur bewundern konnte und der eine Großinvestition tätigen wollte. Oder der Investor, der einen wohlklingenden, bekannten Namen hatte und ein hochwertiges Gewerbeobjekt mal eben aus der Portokasse bezahlen wollte. Vertraulichkeit in unseren Beratungen ist uns wichtig, aber natürlich gab es Existenzgründer mit den skurrilsten Ideen, die sich dann aber doch nicht so richtig verwirklichen ließen.

Was macht moderne Wirtschaftsförderung aus?

Es gibt kein Richtig und kein Falsch. Jede Region geht da ihren eigenen Weg. Ich denke, man kann nur versuchen, die Strukturen zu analysieren und dann probieren, diese zu ändern oder zu stärken. Meines Erachtens liegt die Stärke des Landkreises in der Vielfalt, also in dem oben genannten ausgeglichenen Branchenmix.

In Wildeshausen läuft die Diskussion darüber, ob ein Gewerbe- und Industriegebiet Wildeshausen-West notwendig ist, wo doch bereits in Hockensberg ein solches geplant wird. Auch im Metropolpark Hansalinie in Ahlhorn ist noch Platz. Was meinen Sie dazu?

Ich meine dazu, dass wir an die Zukunft denken müssen und auch künftig attraktive Flächen in allen Größenordnungen anbieten sollten. Der Landkreis hat eine hervorragende Lage zwischen den Oberzentren Bremen und Oldenburg. Andererseits sind wir aber auch in ständiger Konkurrenz zu diesen Oberzentren. Die Ausweisung neuer Gebiete für Gewerbe und Industrie wird immer schwieriger und langwieriger. Gute, mögliche Standorte sollten die Gemeinden sich sichern und nutzen. Ja, ich bin für die Erschließung weiterer Gewerbe- und Industriegebiete im Landkreis Oldenburg in verkehrsgünstiger Lage.

Die Gemeinde Visbek plant ein mehrere Dutzend Hektar großes Gewerbegebiet in der Nähe von Wildeshausen. Nimmt der Wettbewerb um die Ansiedlung von Unternehmen unter den Kommunen zu?

Wettbewerb gab es immer und wird es hoffentlich immer geben. Wettbewerb behütet uns davor, uns auf dem Erreichten auszuruhen.

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