Ein Besuch bei Donum Vitae

Wenn Schwangere Rat brauchen

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„Alle Informationen gibt es bei uns“: Beraterinnen Sabine Bernhold (l.) und Brigitte Meyer-Tönjes.

Wildeshausen - Von Katia Backhaus. Wer darf über Schwangerschaftsabbrüche informieren und wo ist die Grenze zur Werbung? Zur Reform des Paragraphen 219a ist eine öffentliche Diskussion entbrannt. Informiert wird aber in der Regel hinter geschlossenen Türen - in den Beratungsstellen. Ein Besuch bei Donum Vitae in Wildeshausen.

Dass nun in der Öffentlichkeit wieder grundsätzlich über die Regelungen zu Schwangerschaftsabbrüchen und das Selbstbestimmungsrecht von Frauen diskutiert wird, ist für Beraterin Brigitte Meyer-Tönjes nicht nachvollziehbar. Man habe da unnötig ein Fass aufgemacht, sagt sie. Denn eigentlich geht es ja nur um die Reform des Paragraphen 219a, der das Verbot der Werbung für Schwangerschaftsabbrüche festschreibt. Auch sachliche Informationen fallen bislang darunter. Dafür sind Meyer-Tönjes und ihre Kollegin Sabine Bernhold von der Schwangerenberatungsstelle Donum Vitae in Wildeshausen zuständig. Mehr als Informationen gibt es in Wildeshausen allerdings nicht: Kein ortsansässiger Arzt bietet Abtreibungen an.

Am Mittwoch hat das Bundeskabinett beschlossen, konkreter zu definieren, wo die Grenze zwischen Information und Werbung liegt. Künftig sollen Ärzte angeben dürfen, dass sie Abbrüche machen. Außerdem sollen sie Hinweise „auf entsprechende Informationsangebote neutraler Stellen“ geben dürfen, zum Beispiel durch einen Link auf die Internetseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Eigenes Infomaterial zum Abbruch anzubieten ist für Ärzte hingegen weiterhin tabu. Details zum Thema Schwangerschaftsabbruch erhalten Betroffene also in der Regel im persönlichen Gespräch mit einem Arzt oder in einer Beratungsstelle.

2018 in 424 Fällen beraten

Im vergangenen Jahr haben Meyer-Tönjes und Bernhold in 424 Fällen beraten, 61 davon betrafen den Paragraphen 218, es ging also um einen Schwangerschaftsabbruch. Auch wenn beide sagen, dass viele Frauen wenig informiert sind, wenn sie zum Gespräch kommen, sind die Sozialpädagoginnen nicht der Meinung, dass es mehr Informationen online geben sollte. „Das Internet ist, was Schwangerschaftsabbrüche angeht, kein guter Ratgeber“, sagt Bernhold. Sie rate davon ab, online danach zu suchen - zu viele Abtreibungsgegner seien dort unterwegs.

Die beiden Donum-Vitae-Mitarbeiterinnen schätzen den geschützten Raum der Beratung. Denn im öffentlichen Raum werde beim Thema Schwangerschaftsabbruch häufig polarisiert - und Beraterinnen würden, wie etwa in der Talkshow von Anne Will am vergangenen Sonntagabend, fehlen. „Wenn das Thema öffentlich diskutiert wird, geht es oft sehr kontrovers zu“, findet Meyer-Tönjes. Nur im persönlichen Gespräch mit den Betroffenen könne die individuelle Situation beleuchtet und in die Entscheidung für oder gegen ein Kind einbezogen werden, betonen die Beraterinnen. Alle Informationen, etwa zu den Methoden oder den Kosten eines Abbruchs, gebe es bei ihnen. Auch bei Fragen zur Verhütung nach der Schwangerschaft oder zu möglicher finanzieller Unterstützung für das Leben mit einem Kind können sie helfen. Die Beraterinnen bieten auch an, einen Termin für einen Abbruch zu vereinbaren.

Listen nur in einzelnen Bundesländern

Mit der Neuregelung des Paragraphen 219a sind Meyer-Tönjes und Bernhold zufrieden. Der Stellungnahme ihres Trägers, des bundesweit mit Beratungsstellen vertretene Vereins Donum Vitae, könnten sie sich nur anschließen, sagen die beiden. Darin heißt es, es sei erfreulich, dass die Intention des Paragraphen 219a, Werbung für Schwangerschaftsabbrüche zu verbieten, „voll erhalten“ bleibe. Begrüßenswert sei zudem, dass eine bundesweite Liste mit Ärzten erstellt werden soll, die Abbrüche vornehmen. Bislang gibt es solche Listen nur in einzelnen Bundesländern.

Allzu konkrete Informationen zur Situation vor Ort will Meyer-Tönjes nicht nennen, aber es gebe im Umkreis von 20 bis 30 Kilometern die Möglichkeit, einen Abbruch machen zu lassen. Einen Rückgang der behandelnden Ärzte habe sie nicht beobachtet - anderswo ist das ein Trend.

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