Reanimationen nach Herzstillstand: Landkreis Oldenburg bundesweit auf Platz fünf

Wenn jede Sekunde zählt

Zwei Menschen üben an einer Reanimationspuppe.
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Konstantes Üben sowie Fortbildungen verbessern im Landkreis die Überlebenschancen der Patienten. Symbolfoto: dpa

Landkreis – Im „Deutschen Reanimationsregister“ werden die Ergebnisse und Abläufe von Wiederbelebungen bei Herzstillstand aufgezeichnet und ausgewertet. Mitte 2015 hat der Landkreis Oldenburg erstmals daran teilgenommen, sodass seit 2016 nun fünf komplette Jahre analysiert und verglichen werden konnten. Das aktuelle Ergebnis sei gut, schreibt Dr. Peter Günther, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes (ÄLRD) im Landkreis Oldenburg:

„Die aktuellen Zahlen aus dem Jahr 2020 sind wieder einmal überaus positiv und zeigen die hervorragende Ergebnisqualität bei der Behandlung des Herz-Kreislaufstillstandes durch das rettungsdienstliche Personal des Landkreises“, schreibt er in seiner Auswertung. Anhand dieser Ergebnisse lasse sich genau feststellen, ob es noch weitere Stellschrauben gibt, um für die Bevölkerung im Kreis eine noch bessere medizinische Versorgung zu erreichen. Der Ärztliche Leiter ist für die medizinische Qualität, die Ausbildung nichtärztlichen Personals, die medizinisch-technische Ausstattung der Rettungswagen sowie für die Auswahl der auf den Notarzteinsatzfahrzeugen tätigen Notärzte verantwortlich.

Laut Analyse der Fälle im Jahr 2020 wurden 36,6 Prozent (2019: 35,4) aller Patienten, die einen Herzkreislaufstillstand erlitten hatten, wieder lebend in ein Krankenhaus aufgenommen. Daraus ergab sich eine Inzidenz bezogen auf 100 000 Einwohner von 30,8. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies eine Steigerung um 1,2. Deutschlandweit waren dabei von mehr als 100 teilnehmenden Rettungsdienstbereichen nur vier besser. In absoluten Zahlen sind dies 37 Patienten von 100 die nach erfolgreicher Reanimation lebend das Krankenhaus erreichten. „Auch für den Betrachtungszeitraum der vergangenen fünf Jahre ergibt sich für den Landkreis Oldenburg ein sehr erfreuliches Ergebnis mit einer Inzidenz von 32,3“, so Dr. Günther.

Regelmäige Weiterbildungen

„Diese sehr guten Werte sind die Ergebnisse jahrelanger, disziplinierter Umsetzungen der qualitativen Vorgaben des ÄLRD durch das überaus engagierte und exzellent ausgebildete Rettungsdienstpersonal im Landkreis Oldenburg“, ist er voll des Lobes. Neben den gesetzlich geforderten Fortbildungsstunden nehmen Rettungsdienstmitarbeiter jährlich an zertifizierten Wiederbelebungsschulungen teil. Hinzu kommen zweijährig über mehrere Tage dauernden Algorithmenschulungen für entsprechende Krankheitsbilder im Rettungsdienst. Alle drei Jahre können alle Fachkräfte an einer zusätzlichen Schulung teilnehmen, die sie nach bestandener Prüfung legitimiert, bei bestimmten Krankheitsbildern auch ohne notärztliche Unterstützung Medikamente zu verabreichen.

Aber nicht der Rettungsdienst kann zu einer verbesserten Versorgungsqualität bei Herz-Kreislaufstillständen der Bevölkerung beitragen, sondern auch jeder einzelne Bürger: „Der unmittelbare Beginn einer Wiederbelebungsmaßnahme durch medizinisch nicht vorgebildetes Personal ist der entscheidende Faktor für eine gute Überlebensprognose der Patienten“, heißt es in der Auswertung weiter.

Und auch dies scheint im Landkreis Oldenburg offenbar gut zu funktionieren: So wurden 2020 in 51,6 Prozent der Fälle durch Laien Wiederbelebungsmaßnahmen eingeleitet. Dieser Wert stellt das zweitbeste Ergebnis seit Beginn der Erhebung 2015 dar. Nur 2018 wurden in 54,5 Prozent der Fälle Reanimationen durch medizinisch nicht vorgebildetes Personal begonnen. „Es ist ein sehr positiver Trend, vor allem wenn man überlegt, dass diese Zahl in Zeiten der Pandemie erreicht wurde. Hier ist es noch verständlicherweise eine größere Hürde, bei einer fremden Person eine Wiederbelebung durchzuführen, als in der Häuslichkeit bei Verwandten oder Bekannten, wo die Berührungsängste nicht so groß sind. Hier kann man immer nur wieder an die Bevölkerung appellieren, dass man als Laie bei einer Reanimation nichts falsch machen kann, außer man tut nichts“, unterstreicht Dr. Günther. Die Leitstelle, die die Notrufe unter der Rufnummer 112 entgegennimmt, leitete im Landkreis Oldenburg in 39 Prozent der Fälle eine Reanimation per Telefon an, was deutschlandweit nur in 23,5 Prozent der Fälle stattfand. „Dies ist ebenfalls ein gutes Ergebnis“, so der Mediziner.

60,4 Prozent aller im Landkreis Oldenburg in 2020 reanimierten Personen waren mehr als 80 Jahre alt, 95 Prozent sogar mehr als 65 Jahre alt. Die geschlechtsspezifische Verteilung blieb wieder konstant: Weiterhin müssen viel mehr männliche (69 Prozent) Patienten als weibliche (31 Prozent) reanimiert werden. Dies seien Werte, die überall in Deutschland konstant gleich zu beobachten seien. Doch auch, wenn auf diesem hohen Niveau weitere Verbesserungen „nur noch in sehr kleinen Schritten“ erreicht werden können. So sei gerade das Zusammenspiel von Rettungsdienst und Bevölkerung von entscheidender Bedeutung für die weiterhin erhoffte, zukünftige positive Entwicklung, unterstreicht Dr. Günther abschließend: „In diesem Sinne möchte sich der Landkreis Oldenburg bei all denen bedanken die in den vergangenen Jahren bei Wiederbelebungsversuchen nicht weggesehen, sondern gehandelt haben.“ Ohne die Hilfsbereitschaft der einzelnen Bürger wären die Ergebnisse bei Weitem nicht so gut: „Deshalb geht die Bitte an alle, auch weiterhin nicht wegzusehen, wenn Menschen Hilfe benötigen, sondern zu handeln und zu helfen.“

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