Kleine Defibrillatoren können helfen

Wenn das Herz plötzlich versagt

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Helfer üben an einer Puppe, wie sie mit einem Defibrillator Leben retten können.

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. In Wildeshausen hängen viele kleine Defibrillatoren, die aber kaum eingesetzt werden, weil ihre Standorte nicht bekannt sind. Pro Jahr sterben statistisch gesehen rund 100 Menschen im Landkreis Oldenburg an plötzlichem Herztod. Schon seit einigen Jahren sponsern Banken und Stiftungen vermehrt die Anschaffung von automatisierten externen Defibrillatoren (AEDs) für Vereine und Verbände. So können im Notfall Leben gerettet werden. Allerdings nur dann, wenn bekannt ist, wo sie hängen. Und genau daran hapert es.

„Jeder kann einen AED kaufen, aber diese werden nicht zentral erfasst“, sagt Hermann Hülskamp, stellvertretender Leiter der Großleitstelle Oldenburger Land. Bei der öffentlichen Einrichtung sind acht AEDs in Wildeshausen gemeldet. Die Internetseite www.defikataster.de weiß von sechs Exemplaren, und beim Projekt „Erleben“, an dem sich der Landkreis Oldenburg beteiligt, sind vier Stück bekannt. Die Disponenten der Großleitstelle würden bei einem entsprechenden Notfall auf die Standorte hinweisen, so Hülskamp. Aber nur „wenn ein Defibrillator in einer Entfernung von 50 Metern hängt“. Größere Distanzen zu überbrücken, dauere oft zu lange.

Für Hülskamp, aber auch für Rabea Beyer, im Kreishaus für das Projekt „Erleben“ zuständig, ist klar, dass es deutlich mehr Defibrillatoren in Wildeshausen gibt, als gemeldet sind. „In vielen Sporthallen und bei Firmen hängen Geräte“, sagt Beyer. Sie appelliert, die AEDs zu melden und nicht etwa im verschlossenen Erste-Hilfe-Raum vor sich hindämmern zu lassen. 445 AEDs sind im gesamten Gebiet der Großleitstelle bekannt, also in den Landkreisen Cloppenburg, Oldenburg, Ammerland und Wesermarsch sowie den kreisfreien Städten Oldenburg und Delmenhorst.

Laut Beyer tritt die Kreisverwaltung in Wildeshausen inzwischen gezielt an Organisationen wie Banken heran, um die Standorte zu ermitteln. Auch sie bedauert, dass es zwischen der Anschaffung und der Meldung keinen Automatismus gibt. Künftig sollten die AED-Erfassung des Landkreises und der Großleitstelle vernetzt werden, informiert sie.

Das eine Problem ist also die Erfassung der Daten – das andere deren Aktualisierung. So listen der Landkreis und das Defikataster einen AED beim alten Feuerwehrhaus auf. Doch das Gerät ist mit den Brandschützern in die Pagenmarsch umgezogen.

Stellt sich noch die Frage nach dem Nutzen der AEDs. Die seien medizinisch schon sinnvoll, erklärt Hülskamp von der Großleitstelle. Bei einem Herzstillsand geben die Geräte einen Stromstoß ab, der Leben retten kann. Zudem „können Helfer damit keine Fehler machen“, betont er. „Der AED sagt einem genau, was man machen muss.“ Und es gebe eine Sicherheitsfunktion für den Fall, dass der Stromstoß Schaden anrichten würde.

Offenbar gibt es auch durchaus die Notwendigkeit für AEDs. Laut einer über acht Jahre laufenden Erfassung des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung in der Region Aurich ereilt der plötzliche Herztod 81 von 100.000 Menschen pro Jahr. 39 Prozent davon sind im erwerbsfähigen Alter. „Die große Mehrzahl der vom plötzlichen Herztod Betroffenen verstirbt ohne klar erkennbare Warnhinweise. Scheinbar ohne Anlass hört das Herz auf zu schlagen“, schrieben die Forscher 2014 in einer Auswertung.

Dem Bedarf steht allerdings die tatsächliche Anwendung der AEDs gegenüber. So gehört seit rund fünf Jahren einer der kleinen, transportablen Defibrillatoren zur Ausrüstung eines Löschgruppenfahrzeugs der Wildeshauser Feuerwehr. Zudem hängt seit Ende vergangenen Jahres ein Exemplar im Feuerwehrhaus. Seines Wissens seien die Geräte jedoch noch nie eingesetzt worden, so Feuerwehrpressewart Daniel Engels. Auch Wolfgang Sasse, Krandelverwalter und VfL-Wittekind-Vorsitzender, kennt keinen Fall, in dem der seit mehreren Jahren im Krandel angebrachte AED benötigt wurde. Ähnlich sieht es bei der EWE aus, die seit August 2018 in der Betriebsstelle „Stockenkamp“ und im Laden an der Westerstraße je einen AED vorhält. Wie Beyer aus dem Kreishaus mitteilt, sind auch bei den bisher 111 Einsätzen von Ersthelfern mit der „corhelp3r“-App nur zweimal AEDs benutzt worden. Das lag aber auch daran, dass in vielen Fällen nur ein Ersthelfer dicht genug am Unglücksort war und dieser dann die Herz-Lungen-Wiederbelebung übernehmen sollte.

Bleibt festzuhalten, dass das AED-Netz zwar Leben retten kann, dafür aber derzeit noch viel zu löchrig ist. Zumindest solange zu wenig Defibrillatoren registriert sind.

AED melden

Die Großleitstelle Oldenburger Land stellt auf ihrer Internetseite ein Formular für AEDs zur Verfügung.

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