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Wenn der Scherenschleifer auf dem Wildeshauser Wochenmarkt Station macht

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Von: Ove Bornholt

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An der Bandschleifmaschine fliegen die Funken.
An der Bandschleifmaschine fliegen die Funken. © bor

Mit „Bino“ Kraus hat jetzt ein Messer- und Scherenschleifer auf dem Wochenmarkt Wildeshausen Station gemacht. Er übt das Handwerk in vierter Generation aus.

Wildeshausen – „Mit uns schneiden Sie gut ab“: So wirbt Scherenschleifer „Bino“ Kraus um Kunden, die sich am Donnerstagvormittag auf dem Wildeshauser Wochenmarkt allerdings auch ohne Reklame an seinem Stand versammelt haben. Der 38-jährige Würzburger ist fahrender Scheren- und Messerschleifer. Dabei folgt er einer Familientradition, denn er ist bereits in vierter Generation tätig.

Seinem verstorbenen Opa zuliebe wollte der gelernte Maler und Lackierer das Handwerk mal ausprobieren und ist dabei geblieben. Zur Freude der Kunden, die vom Schweizer Taschenmesser über eine verrostete Schere bis hin zu Gartengerät jede Menge stumpfes Metall vorbeibringen.

Die Schere ist aus den 70er-Jahren und in keinem guten Zustand.
Die Schere ist aus den 70er-Jahren und in keinem guten Zustand. © bor

„Die Schere ist aus den 1970er-Jahren, oder?“, fragt „Bino“, wie er von den meisten genannt wird, einen Mann, der vor seinem Stand steht und eine blaue, ziemlich verrostete große Schere dabei hat. „Sie war gut, aber jetzt geht sie nicht mehr richtig.“ In einer Viertelstunde soll der Mann wiederkommen. „Bino“ steigt in seinen grauen Mercedes-Transporter. Drinnen stehen vier Schleifmaschinen, eine noch von seinem Opa. „Der ist in den 1950er- und 60er-Jahren in die Siedlungen gefahren, hat die Schleifmaschine mit der Lichtmaschine eines Mopeds angetrieben“, erzählt „Bino“. Als der Großvater verstarb, habe er das Geschäft fortsetzen wollen. „Ich habe ihn sehr geliebt.“

Mit einer Lamellenschleifmaschine bearbeitet „Bino“ Kraus die Schere.
Mit einer Lamellenschleifmaschine bearbeitet „Bino“ Kraus die Schere. © bor

„Die singt nicht richtig“, sagt „Bino“ über die Schere, die er nacheinander an verschiedenen Maschinen bearbeitet. Die Funken fliegen, während er routiniert zu Werke geht. „Eigentlich müsste man da mehr Arbeit reinstecken, die Schraube lösen und in heißem Wasser behandeln.“ Der Schleifer tut, was er kann. Zurzeit zieht „Bino“ durch den Nordwesten, von Markt zu Markt, schläft in Pensionen.

Die Schere ist fertig. Er testet sie an einem Stoffstreifen und einer Broschüre – beides wird durchschnitten, auch wenn es noch nicht perfekt ist. Wie gesagt, dafür müsste er mehr Zeit investieren.

Vor der Übergabe an den Kunden wird getestet, ob das Messer oder die Schere auch wieder vernünftig schneidet.
Vor der Übergabe an den Kunden wird getestet, ob das Messer oder die Schere auch wieder vernünftig schneidet. © bor

Aber da stehen schon die nächsten Kunden vorm Wagen. Einer hat ein ganzes Sammelsurium an Gartenscheren dabei, eine Frau gibt ihm nur ein kleines Küchenmesser – über mangelnde Nachfrage muss sich „Bino“ nicht beschweren.

Der 38-Jährige sieht seine Arbeit auch als Gegenentwurf zur Wegwerfgesellschaft, schließlich „rettet“ er alte Scheren und Messer. Auf der anderen Seite schärft er auch ziemlich neue japanische Küchenmesser nach, die besonders schonend behandelt werden müssen. Noch zweimal wird er dieses Frühjahr auf dem Wochenmarkt in Wildeshausen sein, am 21. und 28. April.

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