Einschränkungen strapazieren die Psyche

Wenn Corona die Seele belastet

Bäume stehen im Nebel
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Auch das noch: Der graue Dezember macht die Situation während der Corona-Pandemie nicht leichter.

Wildeshausen/Delmenhorst – Weihnachtsmärkte sind verboten, Menschen dürfen sich nur noch im kleinsten Kreis treffen, Urlaubsreisen werden gestrichen, Hochzeiten verschoben. Bei vielen liegen die Nerven blank. Die Pandemie ist eine Zeit, in der das gesellschaftliche Leben auf Sparflamme läuft. Das belastet auch die Psyche.

  • Die psychische Belastung vieler Menschen wächst in der Coronakrise an.
  • Fahrradfahren bietet Abwechslung und Bewegung, rät eine Psychologin.
  • Eine andere Expertin empfiehlt, neue Wege auszuprobieren, anstatt an Altem festzuhalten.

Andreas Höhn, Leiter der Psychologischen Beratungsstellen in Wildeshausen und Delmenhorst, berichtet von vielen Anmeldungen von Ratsuchenden und geht – aufgrund einer gewissen Verzögerung bei der steigenden Belastung der Menschen – noch von einem zeitversetzten Anstieg der Beratungszahlen aus. „Durch die Pandemie werden die Probleme der Menschen mehr. Die kommen da noch oben drauf“, sagt er. Dazu komme die Unbestimmtheit, wie lange der Corona-Lockdown andauere.

Rat bei den psychologischen Beratungsstellen gibt es vornehmlich am Telefon, aber nicht nur. „Wir schauen nach einer guten Mischung“, so Höhn: „Bei mehreren Beteiligten beispielsweise ist es besser, das persönlich zu machen.“

Zur Corona-Tristesse kommt auch noch der Winter-Blues. Die Psychologin Andrea Michel aus Wildeshausen hält einige Ratschläge für jedermann parat. „Viel draußen sein und viel Bewegung“, empfiehlt sie. Das natürlich auch am helllichten Tag. Es gebe tausende Medikamente, so Michel, aber das einzige, was wirklich helfe, sei Bewegung. Dabei sei vor allem das Fahrradfahren dem Spazierengehen vorzuziehen, da man sich in der zügigen und abwechslungsreichen Bewegung nicht „festglotzt“, wie sie sagt. Bloß auf der Terrasse zu sitzen, helfe nämlich nicht. „Je mehr das Auge bewegt wird, desto besser.“ Außerdem solle man immer an die Lösung eines Problems denken, und nicht gedanklich in der Thematik versinken.

Psychologin rät: Neue Wege ausprobieren

Katja Buckmann, ebenfalls Psychologin aus Wildeshausen, ergänzt, dass bevormundende Ratschläge in dieser Zeit nicht helfen. Eher sollten Wege aufgezeigt werden im Sinne von: „Probier doch mal“. Wenn ich etwas will, was ich bisher noch nicht hatte, muss ich tun, was ich noch nie getan habe, erläutert Buckmann. Die ständige Wiederholung der bekannten Verhaltensmaßnahmen und Ratschläge ergebe ihrer Meinung nach keinen Sinn. „Ich halte es prinzipiell für wichtig, eine Medaille nicht nur von einer Seite aus zu betrachten, sondern genau so intensiv auch von der anderen“, sagt Buckmann.

Die Coronazeit mit den Kontaktbeschränkungen biete die Gelegenheit, Zeit anders zu nutzen, findet die Psychologin: „Anstatt von Termin zu Termin zu hetzen und zu funktionieren, haben wir nun Zeit für uns selbst.“ Im ersten Moment sei das vielleicht nicht ganz so einfach. Doch sei es durchaus wichtig, Seele, Körper und Geist ganz bewusst etwas Gutes zu tun und den Fokus wieder auf die schönen Dinge im Leben zu lenken und diese nicht zu vergessen. Nun hätten die Menschen Zeit, sich dessen bewusst zu werden, schildert sie. „Vieles in unserem Leben ist derzeit ganz anders“, so Buckmann. Doch nur weil die Leute ihre bekannten Pfade gerade nicht begehen könnten, seien die „Umleitungen“ nicht automatisch schlecht. „Wir bekommen die Möglichkeit, neue Wege zu gehen und zu finden.“ Leben heiße Bewegung – derzeit in einem anderen Tempo und meistens nur mit sich selbst – und das sei auch schön, sagt die Psychologin.

Psychologische Beratungsstelle Wildeshausen

Zu erreichen ist die Psychologische Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in der Stadt Wildeshausen, Mühlendamm 1, am Montag und Mittwoch von 9 bis 12 Uhr sowie von 14 bis 17 Uhr. Außerdem am Dienstag von 14 bis 17 Uhr und am Donnerstag von 9 bis 12 Uhr unter Telefon 04431/92047 und Fax 04431/92049 sowie per E-Mail an pb-wildeshausen@delmenhorst.de. Derzeit ist das Sekretariat noch bis Montag, 21. Dezember, bis 9 Uhr geschlossen.

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