„Weißer Ring“ auch im Landkreis Oldenburg aktiv/Ehrenamtliche Hilfe

„Es geht in erster Linie um das Wohl des Menschen“

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Anja Göhlinghorst, Ferdinand Zuppke und Petra Klein (v.l.) engagieren sich für den „Weißen Ring“.

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. Nach Überfall, Einbruch, Vergewaltigung oder Schlägerei – die Öffentlichkeit, die Polizei und die Staatsanwaltschaft schauen meistens auf den Täter, der gefasst und bestraft werden soll. Das Opfer im Blick haben nur wenige, und das ist problematisch. Doch es gibt Hilfe: Auch im Landkreis Oldenburg kümmern sich Ehrenamtliche des „Weißen Ringes“ um Menschen, die vielleicht nur jemanden brauchen, der ihnen zuhört, vielleicht aber auch ganz handfeste und finanzielle Hilfe benötigen.

20 Mitarbeiter sind in der Außenstelle Oldenburg aktiv, die die Stadt Oldenburg und den Landkreis Oldenburg betreut. „Wir kümmern uns um bis zu 330 Opferfälle im Jahr“, sagt Petra Klein, Mitglied im Bundesvorstand des „Weißen Ringes“ und Leiterin der Außenstelle.

„Es melden sich jedoch viel mehr Menschen bei uns“, betont Mitarbeiter Ferdinand Zuppke. „Diese müssen glaubhaft versichern, dass sie Opfer einer Straftat sind, damit wir helfen können. Eine Anzeige muss jedoch nicht erfolgt sein.“

Für eine Hilfe durch den „Weißen Ring“ ist es auch nicht wichtig, ob die Opfer unter einer kürzlich verübten Straftat leiden oder unter einer Tat, die schon viele Jahre zurückliegt – beispielsweise einer Kindesmisshandlung, die einen Menschen erst als Erwachsenen massiv belastet.

„Die Leute melden sich per Telefon oder per E-Mail bei uns. Sie werden auch von der Polizei oder anderen Organisationen auf uns aufmerksam gemacht“, beschreibt Antje Göhlinghorst den Weg zum „Weißen Ring“. „Wir sind gut vernetzt.“ Zunächst bräuchten viele Opfer erst einmal menschliche Nähe. In den Gesprächen könne man klären, welche Ersthilfe notwendig sei. „Möglich sind beispielsweise eine psycho-traumatische Erstberatung, eine Rechtsberatung oder finanzielle Soforthilfen“, erklärt Klein. Vergewaltigungsopfer benötigten oft schnell und unkompliziert neue Kleidung, die durch die Opferhilfsorganisation bezahlt werden könnte. Auch längerfristige Hilfe durch den „Weißen Ring“ ist machbar. „Zudem begleiten wir die Menschen zu Ämtern, bei Strafverfahren oder bei der Nachsorge“, so Göhlinghorst.

Um diese Hilfe verantwortungsbewusst leisten zu können, werden die Mitarbeiter des „Weißen Ringes“ umfangreich geschult und durchgehend betreut. Dabei lernen sie, nicht zu werten, ob Opfer ihr Leiden selbst verschuldet oder sich immer richtig verhalten haben. „Es geht nur um das Wohl des Menschen“, sagt Göhlinghorst, die im Bereich Wildeshausen, Harpstedt und Dötlingen viel unterwegs ist. Dabei könne die Betreuung der Opfer nur ein Gespräch, aber manchmal auch jahrelangen Kontakt bedeuten. Ganz wichtig dabei sei: Die Hilfe ist immer kostenlos.

Der Verein finanziert sich durch Spenden, Mitgliedsbeiträge, Bußgelder und testamentarische Verfügungen. „Wir wollen unabhängig sein. Deshalb bekommen wir kein Geld vom Staat“, erklärt Klein.

Kontakt zum Weißen Ring ist möglich unter Tel. 0441/36164272 oder im Internet unter

www.weisser-ring.de

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