SERIE Wildeshauserin Anna-Lena Feldmann berichtet vom Fest in Ecuador

So ist Weihnachten bei 32 Grad

Tanzaufführungen sind Teil der Weihnachtstradition in Ecuador. Anna-Lena Feldmann (M.) hat sich eine solche mit ihrer Gastmutter Fabiola (r.) und deren Tochter Gabriela am Heiligen Abend angesehen. Foto: Feldmann

Wildeshausen/Esmeraldas – Die Wildeshauserin Anna-Lena Feldmann hat die Weihnachtsfeiertage in Ecuador verbracht. Dort lebt die 28-jährige Bankkauffrau seit August, um einen einjährigen Freiwilligendienst zu absolvieren. „Weihnachten ist vor allem eins: sich mit Familie und Freunden in die warme, kuschelige Stube zurückziehen, während draußen im Dunkeln der Wind um das Haus weht. Später wird dann gemütlich am reichlich gedeckten Tisch gegessen und es werden Geschenke ausgetauscht“, erzählt die Wildeshauserin von ihren bisherigen Erfahrungen mit dem Fest. Wie es sich anfühlt, wenn es draußen weder dunkel noch kalt ist, sondern 32 Grad mit Sonnenschein, das erlebt die Bankkauffrau derzeit in Südamerika.

Die Sonne strahlt vom Himmel herab, es weht ein warmes, laues Lüftchen. Feldmann ist mit ihrer Gastmutter auf dem Weg nach Esmeraldas, einer Großstadt im Norden Ecuadors, wo sie gemeinsam mit der Tochter und der Familie von deren Ehemann den Heiligen Abend verbringen will. Die Straßen in der Stadt sind voller Menschen, die meisten Geschäfte bleiben bis abends geöffnet.

Bunte und blinkende Lichter gibt es überall

Die vorherrschende Religion in Ecuador ist das Christentum, an den Kirchen und in den Stadtparks finden sich Krippen und weihnachtliche Motive. „Die bunten Lichter erinnern mich sehr an amerikanische Weihnachten: je bunter und blinkender, desto besser, scheint die Devise zu sein“, sagt die 28-jährige Wildeshauserin. „Absurd erscheint mir, dass auch Motive wie Santa mit seinem Rentierschlitten oder Schneemänner zur Dekoration verwendet werden. Dabei schneit es in Ecuador, wenn überhaupt, nur in den Anden. Gerade befinden wir uns in der Sonnenzeit. Das richtige Weihnachtsfeeling fehlt mir ein wenig.“

Wie läuft Heiligabend in Ecuador ab? Er wird in Ecuador auch „noche buena“ – gute Nacht – genannt, erzählt die Wildeshauserin. Die familiären Feierlichkeiten beginnen erst spätabends. Ab 18 Uhr sind vor den Kirchen und in den Parks Vorführungen von Tanzgruppen und -schulen zu sehen, eingerahmt von bunten Szenerien, Feuerwerk und blinkenden Lichtern.

„Die Stimmung ist heiter und locker, die Musik der Tanzgruppen ist Salsa, Cumbia, Rap, Electro – pure Lebensfreude. Die Besinnlichkeit kommt dann abends mit der Familie, vorher wird ordentlich gefeiert“, berichtet Feldmann. Im Kreise der Familie gibt es später ein großes Weihnachtsessen mit vielen Gesprächen bevor um Mitternacht schließlich das Jesuskind in die Krippe gesetzt wird. Die Geschenke sind weniger materialistisch als herzlich, findet Feldmann: Besonders gerne schenken sich Ecuadorianer Zeit und offene Ohren, bevor wieder zum Tanz aufgefordert wird – Salsa, versteht sich.

Während in Deutschland der Heilige Abend und die Feiertage danach als ein Höhepunkt gelten, wird in Ecuador Silvester ausgiebiger gefeiert. Laut Feldmann wird das Ende des alten Jahres und der Start in ein neues durch Puppen symbolisiert, die gerne lebensgroß oder sogar größer sein dürfen. Als Motiv werden bevorzugt die Personen genommen, die im Verlauf des Jahres die meiste mediale Unruhe verursacht haben – oder Politiker.

An Silvester soll das Böse vergehen

„Bei der Erstellung denken die Menschen an all das, was sie aus dem alten Jahr loslassen möchten, damit diese Energien in die Puppe einfließen. Manchmal werden auch Zettel mit den negativen Dingen oder sogar Böller in die Puppen gesteckt“, erzählt Feldmann. Am 31. Dezember um 24 Uhr werden die Figuren dann angezündet und verbrannt, um für neue, positive Dinge Platz zu schaffen. Außerdem essen die Menschen in Ecuador bis 24 Uhr zwölf Trauben. Die symbolisieren die kommenden Monate. Mit jeder Frucht überlegen die Leute sich einen Wunsch für das neue Jahr.

Hinzu kommt eine weitere Tradition, die in Deutschland eher an Karneval erinnern würde, berichtet die 28-Jährige: Männer verkleiden sich zu Silvester als Frauen und sollen so die Witwen der verbrannten Puppen darstellen. Sie sammeln Spenden für gute Zwecke. Gefeiert wird dazu auch: mit viel lauter Live-Musik, Tanz, Feuerwerk, Familie und Freunden geht es bis in den Morgen hinein.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Nächste Ehrung: Nowitzki erhält Lebenswerk-Laureus

Nächste Ehrung: Nowitzki erhält Lebenswerk-Laureus

„Suche schon mal 'ne Bahnverbindung nach Sandhausen“: Netzreaktionen zu #RBLSVW

„Suche schon mal 'ne Bahnverbindung nach Sandhausen“: Netzreaktionen zu #RBLSVW

Wussten Sie's? Acht Mythen über Schnupfen - und was hilft

Wussten Sie's? Acht Mythen über Schnupfen - und was hilft

„Bauernball“ im Gasthaus Hartje in Varrel

„Bauernball“ im Gasthaus Hartje in Varrel

Meistgelesene Artikel

Soll Harpstedt Stolpersteine bekommen?

Soll Harpstedt Stolpersteine bekommen?

Unheilbar krank: Warum ein Paar nach zehn Jahren Ehe jetzt kirchlich heiratet

Unheilbar krank: Warum ein Paar nach zehn Jahren Ehe jetzt kirchlich heiratet

Wind stößt Lastwagen von Straße - stundenlange Sperrung nötig

Wind stößt Lastwagen von Straße - stundenlange Sperrung nötig

Wenn Natur, Mensch und Tier verschmelzen

Wenn Natur, Mensch und Tier verschmelzen

Kommentare