Von wegen Lederhosen und Brezel

Wie ein 19-jähriger Amerikaner Deutschland und Wildeshausen kennengelernt hat

Bald heißt es Koffer packen: Ethan Vick (rechts) verbrachte einige Monate bei Heidi Schlagmüller und Wilhelm Hiltgen in Wildeshausen. Foto: Bor
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Bald heißt es Koffer packen: Ethan Vick (rechts) verbrachte einige Monate bei Heidi Schlagmüller und Wilhelm Hiltgen in Wildeshausen.

Wildeshausen - Als der 18-jährige US-Amerikaner Ethan Vick im Juni 2018 in Deutschland landete, dachte er noch, die Menschen würden hier alle Lederhosen tragen, Brezel essen, Bier trinken und in Holzhäusern wohnen. „Das war eine typisch amerikanische Einschätzung“, grinst der mittlerweile 19-jährige junge Mann, der nach einem Zwischenstopp seit Dezember bei Heidi Schlagmüller (57) und Wilhelm Hiltgen (53) sowie deren Sohn Björn (19) in Wildeshausen lebt.

Der pensionierte Marineflieger, der jetzt als Informatiker arbeitet, und die vor einigen Jahren in den Ruhestand gegangene Fluglotsin haben Vick für mehrere Monate aufgenommen. „Wir haben ihn nie als Gast behandelt, sondern als Familienmitglied“, betont Schlagmüller. „Es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Und es wird wahnsinnig wehtun, wenn er wieder geht.“ Vick muss nach einem Abstecher nach Berlin und einigen anderen Reisen am 10. Juni (Pfingstmontag) in Frankfurt sein, um das Flugzeug nach Michigan in den USA zu nehmen, wo ihn seine Eltern und seine Schwester erwarten.

Das Gildefest wird der junge Mann also größtenteils verpassen, hat in Deutschland aber trotzdem viel gelernt und Eindrücke gesammelt, die ihn lange begleiten werden. Vick, der sich nach seinem High School Abschluss spontan für einen Platz im Parlamentarischen Patenschafts-Programm des Bundestages beworben hatte, arbeitete in Wildeshausen zwei Monate lang als Praktikant in der Holbeinschule. Naturgemäß hatten die Mädchen und Jungen in der Grundschule eine Menge Fragen. „Ein Amerikaner, echt?“, habe eines der Kinder gesagt, erinnert sich Vick. Nach seiner Zeit in der Schule absolvierte er ein zweiwöchiges Praktikum bei der Werbeagentur „Team Iken“ und sammelte für drei Wochen Erfahrungen im Planungsbüro „Mumm & Partner“. Vom ABC über Grafikdesign bis hin zu Abwasserrohren könnte man sagen. „Ich habe viel gelernt“, blickt der 19-Jährige zurück, der in den USA ein Studium an der Michigan State University beginnen will. Bei seinem Hauptfach ist er sich allerdings noch unsicher. Manager will er werden. Vielleicht für eine kreative Firma.

Die Sache mit den Lederhosen, von denen er sich übrigens eine gekauft hat, war nur ein Vorurteil, hat Vick inzwischen eingesehen. Trotzdem sind ihm ein paar Unterschiede zwischen Deutschland und den USA aufgefallen. Seine Leidenschaft für mexikanisches Essen kann der sportbegeisterte junge Mann hier nicht so recht ausleben. Und echte amerikanische Pancakes, also Pfannkuchen, vermisst er auch. „Ich arbeite daran“, sagt Gastmutter Schlagmüller mit einem Lächeln. „Wir mussten ihm eine gewisse Pünktlichkeit vermitteln“, erzählt Hiltgen. „Ja“, räumt Vick ein, „ich war zu Hause auch immer spät.“ Inzwischen hat er sich daran genauso gewöhnt wie an deutsche Brötchen. „So etwas gibt es in den USA nicht“, sagt der 19-Jährige wehmütig. Auch Rouladen und Gulasch haben seine Begeisterung geweckt. Dass sich der junge Mann für Deutschland interessiert, kommt übrigens nicht von ungefähr: Vorfahren seiner Mutter stammen von hier. Vielleicht weckt die Geschichte seines Gastlandes deswegen seine Aufmerksamkeit. „Wir waren mit ihm im Museumsdorf Cloppenburg. Die meisten anderen 18-Jährigen finden die alten Häuser wahrscheinlich langweilig, aber er war fasziniert“, erinnert sich Schlagmüller. Mit ihrem Engagement als Gastfamilie wollen sie und ihr Mann auch etwas zurückgeben, da Sohn Björn mit 15 ein Jahr in den USA gelebt hat. Allerdings war der Besuch auch für sie wertvoll. „Jemandem das eigene Land zeigen zu können, macht Freude“, schwärmt Hiltgen. Und es erweitert den Horizont, schließlich spielen Brezel, Bier und Lederhosen in Niedersachsen nur eine untergeordnete Rolle.

Weitere Informationen

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit hat auf ihrer Internetseite www.usappp.de Informationen zu dem Austauschprogramm zusammengetragen.

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