„Watt‘n Skandaal in Wilshusen“

Annie Heger überzeugt ihr Publikum mit plattdeutschen Liedern und Witzen

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Ein gutes Team: Sängerin Annie Heger und Pianist Matthias Monka traten in der Kreismusikschule auf.

Wildeshausen - Von Tamino Büttner. Die selbsternannte „Plattopolitin“ Annie Heger war am Samstagabend mit ihrem Programm „Watt’n Skandaal!“ in der Kreismusikschule in Wildeshausen zu Gast. Vor fast ausverkauften Plätzen überzeugte sie nicht nur den Plattdeutsch sprechenden Teil des Publikums.

Der Plattdeutschbeauftragte der Stadt, Friedrich Ahlers, sowie der Heimatverein Düngstrup hatten Heger in die Kreisstadt geholt. Sie trat zusammen mit Matthias Monka auf. „Der Heimatverein hat mir als Veranstaltungspartner direkt zugesagt“, freute sich Ahlers über die Kooperation.

Mit ihrem aktuellen Programm bietet Heger Plattdeutsch für Anfänger und Fortgeschrittene an. Sie ist Sängerin, Moderatorin, Schauspielerin und Tänzerin. Viele werden sie als Moderatorin bei der jährlichen Show „Classic meets Pop“ in Oldenburg kennen. Durch den Vorverkauf waren rund 170 Karten an Interessierte gegangen. Die 190 Plätze waren am Abend dann annähernd ausverkauft. In ihrer Show berichtete die gebürtige Auricherin aus ihrem Leben in Ostfriesland und untermalte ihre Erlebnisse mit eigenen Songs. „Platt habe ich schließlich durch meine Großeltern beim Singen gelernt“, erinnerte sie sich. „Wir müssen singen – ihr wollt doch nicht, dass Plattdeutsch ausstirbt?!“, richtete sie sich ans Publikum.

Auch mit den Organisatoren Friedrich Ahlers und Hergen Stolle (von links) hatte Annie Heger ihren Spaß.

Als Bremer stellte Pianist Monka die passende hochdeutsche Ergänzung zu Heger dar. Die Ostfriesin berichtete, dass sie gerade vom 25. Jubiläum des internationalen norddeutschen Grünkohlessens in Tokio zurückgekommen sei. „Für einige ist es nur ein Flug nach Tokio, für andere ist es die längste Kohltour der Welt!“ Die Zubereitung des Traditionsgerichts im Fernen Osten fand sie befremdlich: „Für den Grünkohl haben sie nur die Blätter und nicht den Strunk genommen. Dadurch wurde der Kohl sehr bitter, und sie haben nachträglich Zucker dazu gegeben“, erfuhren die Anwesenden. Auch zu aktuellen Themen hat Heger eine Meinung: „In Ostfriesland brauchen wir keine Videoüberwachung, wir haben unsere Nachbarn.“

Das Publikum hing Heger an den Lippen. Als sie das Lied „Dat du meen leevsten bist“ anstimmte, waren die Zuschauer dabei. Auch die „Hochdeutsche-Randgruppe“ murmelte mit. Zudem nahm Heger die hochdeutschen Zuschauer immer wieder durch amüsante Übersetzungen von Plattdeutsch ins Hochdeutsche mit. „Mit insgesamt sieben Geschwistern habe ich zu Hause einiges gelernt: Die Ellenbogen einzusetzen, geduldig und auch tolerant zu sein.“

Ihre Nähe zum Publikum zeigte Heger auch ganz wortwörtlich. Während des Auftritts sprang sie auf die erste Reihe zu, um ihre Zuschauer genauer kennenzulernen. „Kommt noch jemand aus Ostfriesland?“, fragte sie. „Ja“, schallte es aus den Reihen. „Mutter?! Bist Du auch hier?“, scherzte die Sängerin. „Wo die immer auftaucht!“, ergänzte Heger mit einem erstaunten Gesichtsausdruck. Auf dem Programm stand ebenfalls das „Familienlied“ „Ik feel seeker“. In dem Song geht es darum, einen vertrauensvollen Hafen zu haben.

Monka benutzte neben dem Klavier auch das Mikrofon. Aus einem Duett wurde zum Ende sogar ein Gesangs-Duell zwischen Heger und ihrem Pianisten. „Hört ihr auch dieses Vogelgezwitscher?“, fragte sie, als sich ein Handy im Publikum bemerkbar machte. Ein Zuschauer hatte seinen Klingelton erst später selbst bemerkt. Heger ließ sich nicht beirren und wusste gleichzeitig den anderen Zuschauern ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern „Welcher Vogel ist das? Ich habe keine Ahnung von Vögeln!“

Heger macht sich in ihren Texten und Erzählungen auch immer wieder für Toleranz stark. So ruft sie in dem Lied „Wir sind eins“ aus dem Projekt „100% Mensch“ zum Miteinander auf. Es ist eine Hymne für die Vielfalt, die Heger an diesem Abend auf Plattdeutsch vortrug.

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