Die beiden vergangenen Extremsommer haben dem OOWV alles abverlangt

Wasserversorgung am Anschlag

Ohne das Wasserwerk in Großenkneten blieben die Wasserhähne in der Wesermarsch trocken. Foto: OOWV

Wildeshausen/Landkreis – Die beiden vergangenen Sommer mit ihren Spitzverbrauchswerten haben viel Leute verunsichert: Was ist, wenn plötzlich einmal kein Wasser mehr aus der Leitung kommt? Der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) hatte in diesem Jahr auf die hohe Abnahme reagiert und den Druck in ihren Leitungen reduziert (wir berichteten). Wie es mit der Wasserversorgung im Landkreis aussieht, wollte die FDP-Fraktion im Kreis-Umwelt- und Abfallwirtschaftsausschuss wissen. Auf ihren Antrag hin berichteten am Dienstagabend für den Versorgerverband Egon Harms, Leiter des Bereichs Grundwassergewinnung und Ressourcenschutz, sowie Regionalleiter Stefan Fauerbach.

Dass es einmal gar kein Trinkwasser mehr gebe, beruhigte Harms, sei nicht vorstellbar. Zu viel sei in dem Sand des gigantischen, unterirdischen Wasserleiters in hunderten Metern Tiefe gespeichert. „Selbst wann man alle Talsperren im Harz zusammennimmt, ist das im Vergleich nicht mehr als eine Kaffeetasse voll“, veranschaulichte er die Reserven. Deswegen sei es rein technisch nicht möglich, dass nichts mehr gefördert werden könne. „Das kann man nicht leerpumpen“, sagte er. Gleichwohl gebe es vom Landkreis auf Jahrzehnte im Voraus festgelegte Fördermengen, an die sich der OOVW genau zu halten habe.

100 Millionen Kubikmeter Grundwasser dürfe der Verband jährlich aus seinen Brunnen, deren Tiefe je nach Geologie zwischen 30 und 120 Metern liegt, entnehmen, erläuterte er weiter. Der „Der Landkreis Oldenburg ist im Verbandsgebiet der größte Wasserlieferant und liefert mehr als andere Landkreise“, so Harms weiter – rund ein Drittel des Gesamtvolumens. Eine „deutliche Menge“ werde allerdings außerhalb des Kreisgebiets verwendet: So sei das Wasserwerk in Großenkneten – das größte des Verbandes – dort nur errichtet worden, um die gesamte süßwasserlose Wesermarsch zu versorgen.

2019 war ein Jahr der Extreme für den Wasserverband, berichtete Harms dem Ausschuss. Bis zu 290 000 Kubikmeter seien an Sommertagen im Jahr 2017 durch die Wasserhähne geflossen – ein „Spitzenlastfall“. Jahrs darauf waren es bereits bis zu 330 000 Kubikmeter – und das nicht nur an einem Tag, sondern über zwei Wochen hinweg. „2019 hat dann noch einen draufgesetzt“, so Harms weiter: Die Vorjahreswerte seien leicht überschritten worden. „Das hat uns technisch an den Rand unserer Möglichkeiten gebracht“, räumte er ein. Ein Rohrschaden oder ein Ausfall in der Aufbereitung hätte einen Dominoeffekt auslösen und das gesamte System zusammenbrechen lassen können. Daher war die Druckabsenkung notwendig geworden. „Da darf nichts schiefgehen“, so der Experte.

Die Fördermengen wurden in zwei der drei Wasserwerke im Landkreis nahezu ausgeschöpft: Großenkneten liefert 93 Prozent der Kapazität an Trinkwasser (17,6 von maximal 19 Millionen Liter jährlich) Harpstedt 98 Prozent (2,55 von 2,6 Millionen). Nur Wildeshausen, quasi als Reserve im System, lag mit rund 70 Prozent (8,12 Millionen von maximal 11,5 Millionen) deutlich darunter. Dass die Einwohner des Landkreises verschwenderisch mit dem wertvollen Gut umgingen, könne er nicht bestätigen, so Harms. Im Gegenteil: „Der Wasserverbrauch liegt im Bundesvergleich sehr weit unten.“ Rund 115 Liter verbraucht hier jeder Mensch am Tag durchschnittlich, bundesweit sind es hingegen 125 Liter.

Wie viel Wasser denn, abgesehen von der Wesermarsch, nach außerhalb des Verbandsgebietes geliefert werde, wollte Sonja Plate (CDU) unter anderem wissen. In Richtung Delmenhorst werden weniger als eine Millionen Kubikmeter gepumpt – doch voraussichtlich nur so lange, bis die Stadt wieder ihre eigene Versorgung gewährleisten kann, so Harms. Nach Bremen werde gegenwärtig deutlich weniger geliefert als noch vor Jahren, so der Fachmann, ohne eine Zahl zu nennen. Doch sei das Geschäft mit der Hansestadt, die Wasser aus dem Werk in Wildeshausen bezieht, lukrativ für den OOWV. So habe Bremen letztlich das Werk in der Kreisstadt „mehrfach“ finanziert, sagte Harms. Die Einnahmen hülfen dabei, den Wasserpreis verbandsweit stabil zu halten.  fra

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