Parade auf der Herrlichkeit: Einige Überraschungen für den scheidenden Ernst Frost 

„Was der Oberst einnimmt, will ich jetzt auch haben“

„Könnte meine Unterschrift sein“, meinte der Oberst. Peter Petersen war sich sicher. - Foto: Dejo

Wildeshausen - Von Joachim Decker. „Abschied ist ein scharfes Schwert“, sang Roger Whittaker vor vielen Jahren. Auf der Herrlichkeit in Wildeshausen hatte der Abschiednehmende gestern Vormittag einen scharfen Säbel und eine scharfe Zunge bei seinen Äußerungen – Oberst Ernst Frost, der nach zehn jähriger Amtszeit einen Nachfolger bekam und zum Generalmajor befördert wurde.

Ob das riesige Transparent mit der Aufschrift „Danke, Oberst Ernst“, die herzzerreißend weinenden Musiker des Spielmannszuges oder der Leiter des Musikkorps‘, Ingo Poth, der dem Oberst zum Abschied Klosterfrau Melissengeist aus einem Flachmann einflößte – sie alle machten „ihrem Ernst“ den Abschied nicht leicht.

„Lieber Ernst, geehrter Herr Oberst, wir kennen uns schon seit vielen Jahren, und heute geht eine Ära zu Ende“, betonte Peter Petersen vom Spielmannszug. „Welche denn, deine oder meine?“, entgegnete Frost spontan.

„Jetzt Mal im Ernst, lieber Ernst. Ist das hier deine Unterschrift?“, fragte Petersen und rollte eine Toilettenpapierrolle aus, auf der Frost vor Jahren einmal unterschrieben hatte, dass vielleicht Kutschen für die Spielleute angeschafft werden sollen.

„Jetzt aber brauchen wir dich noch ein letztes Mal. Wie du siehst, habe ich mir ein kurzärmeliges Uniform-Oberteil fertigen lassen.“ Genau solche Kleidungsstücke wolle er nun für den gesamten Musikzug anschaffen: „Aber das kostet Geld. Du kannst das doch einfach nochmal eben ganz schnell genehmigen, Du hast doch nichts mehr zu verlieren. Mit den Folgen kann sich dein Nachfolger rumschlagen, zu dem ich morgen noch ausführlich komme.“

„Eigentlich hatte ich gedacht, dass die Ärmel noch kürzer sein müssten. Aber das lasst lieber, vielleicht haben einige von euch Tattoos, die keiner sehen will“, so der Oberst. Seine Unterschrift aber wollte er nicht geben.

Rockappell auch beim Musikkorps. „Ich muss ja mal eines anmerken. Du bist fast 80 Jahre alt, aber wenn ich dich irgendwo während des Festes sehe, bist du mit Frauen zusammen, die weitaus jünger sind als du“ sagte Poth, der nicht verstehen konnte, wie der Oberst das macht. „Darum habe ich einen Wunsch: Egal, was du täglich einnimmst, ich will das auch haben.“ Das Getränk aus dem Flachmann musste Adjutant Andreas Tangemann erst vor dem Oberst probieren: „Das geht schon, aber trink nicht zu viel davon“, sagte er.

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