30 Bewohner der Himmelsthür machen Tanzkurs im Wildeshauser Tanz-Zentrum

„Was wir hier sehen ist in der Tat gelebte Inklusion“

Mit viel Freude sind die Teilnehmer bei der Sache, wenn es darum geht, nach den „Trockenübungen“ auch nach Musik die ersten Tanzschritte aufs Parkett zu legen. - Foto: Dejo

Wildeshausen - Von Joachim Decker. „So, und jetzt wieder Langsamer Walzer“, ruft einer der Teilnehmer. „Nein, lieber Cha Cha Cha“, wird er unterbrochen. „Okay, dann tanzen wir jetzt also Langsamen Walzer“, bestimmt Tanzlehrer Sascha Oltmann, Inhaber des Wildeshauser Tanz-Zentrums (WiTZ), der einer Gruppe von Menschen mit Assistenzbedarf Unterricht gibt. Sie kommen von der Diakonie Himmelsthür und sind mit Freude bei der Sache.

„Du wirst am besten auch Tanzlehrerin“, sagt Oltmann zu Maren Hemelp, die laut und deutlich die Schrittfolge für den Walzer ansagt. „Du hast es echt schon gut drauf.“ Das freut die Tanzschülerin, die sich daraufhin noch mehr Mühe gibt und ins Zeug legt: „Den Tanzkurs finde ich echt toll, der macht Spaß. Ich mag Musik sehr gerne. Außerdem ist Sascha immer so lustig.“

„Das ist in der Tat gelebte Inklusion, was wir hier erleben“, sagt Barbara Wündisch-Konz, zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Diakonie Himmelsthür in Wildeshausen. Mit einigen Mitarbeitern der Einrichtung begleitet sie die fast 30-köpfige Gruppe Woche für Woche ins „WiTZ“. „Es war meine Idee, einmal einen solchen Tanzkurs anzuberaumen, denn Tanzen macht allen viel Spaß. Und die Bewohner der festen Einrichtung sowie der dezentralen Wohneinheiten mögen allesamt Musik.“

Zunächst habe sie Oltmann angesprochen, um zu erfahren, ob ein solcher Kurs überhaupt möglich und durchführbar wäre: „Er hat spontan zugesagt. Dieser Kurs ist ein Geschenk von der Leitung an die Bewohner. Die Finanzierung erfolgt über Spendengelder.“ Als sie dann die Bewohner darauf angesprochen habe, seien sie sofort Feuer und Flamme gewesen: „Im Handumdrehen hatten wir eine Gruppe mit fast 30 Personen zusammen.“

Überaus begeistert zeigt sie sich von der Art, die Oltmann an den Tag legt: „Er hat keinerlei Berührungsängste und versteht es meisterhaft, die Leute zu motivieren. Sascha kann einfach toll mit ihnen umgehen und hat immer wieder einen flotten Spruch auf den Lippen.“

Das ist in der Tat so, denn plötzlich fragt er: „Was haben wir jetzt eigentlich getanzt?“ „Cha Cha Cha“, tönt es aus den Reihen. Als dann der Redakteur die Teilnehmer verunsichern will und „Walzer“ ruft, bekommt auch er sein Fett weg: „Der hat doch echt keine Ahnung“, sagt Oltmann. „Stimmt, wir kennen das alles viel besser“, kommt es aus den Reihen.

„Das ist eine tolle Truppe – völlig unproblematisch. Es macht Spaß, mit ihnen die Grundschritte für die verschiedenen Tänze einzuüben. Heute ist es die fünfte Stunde, und es sind schon einige Fortschritte zu erkennen“, betont Oltmann. „Warum sollte ich Berührungsängste haben? Die Leute sind sehr gut drauf und stets lustig. Und wenn mal etwas nicht gleich hinhaut, macht das auch nichts, dann üben wir eben weiter.“ „Das finde ich auch“, wirft Maren ein, „irgendwann klappt es auch bei allen.“ Nur bei dem Tanzkurs soll es jedoch nicht bleiben. „Wenn schon, dann machen wir Nägel mit Köpfen, und es gibt auch eine Art Abtanzball mit anschließender Party, zu dem die Tänzer Freunde und Bekannten mitbringen können“, sagt Oltmann. „Das wird sicher lustig.“

Und dann ist der Unterricht beendet, nach flotter Discomusik und im Nebel können die Teilnehmer noch etwas abrocken.

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