Wildeshausen sucht nach Wohnraum

„Warum stehen viele Häuser leer?“

Khaled (l.) und Hamza aus Syrien (in weißen Trikots) beim Turnen mit Ute Dietz. - Foto: Rollié

Wildeshausen - Wenn Christin Rollié durch die Straßen in Wildeshausen in Nähe der St.-Peter-Schule oder beim Gymnasium läuft, fallen ihr immer wieder ganze Häuser oder Geschosse auf, die seit vielen Wochen oder Monaten leer stehen. Scheinbar gibt es kein Interesse der Besitzer, den Wohnraum zu vermieten oder aber es ist so, dass diejenigen, die anfragen, den Vermietern nicht ins Konzept passen.

Für Rollié ein Ärgernis, das ihr besonders auffällt, seitdem sie, ihr Mann Jean-Michel Roy sowie ihre Kinder Sébastian (8) und Joséphine eine Patenschaft für eine syrische Familie übernommen haben, die in Wildeshausen bleiben möchte. Hema und ihr Mann Nader sind mit ihren Kindern Mohamed (zwölf Jahre), Hamza (fünf Jahre) und Haje (ein Jahr alt und auf der Flucht geboren) am 16. Oktober mit dem ersten Bus in Wildeshausen angekommen, der Flüchtlinge im Rahmen der Amtshilfe für das Land Niedersachsen die Kreisstadt erreichte. Zusammen mit Hemas Schwester Lina und ihren Zwillingen Saneh sowie Khaled (beide fünf Jahre alt) und Hemas Schwester Seba kamen sie in der Sporthalle des Gymnasiums unter. Später wurden sie für die Quote angerechnet, die die Stadt Wildeshausen erfüllen muss.

Mittlerweile leben die neun Personen in einer sehr kleinen Wohnung mit zwei Schlafzimmern und versuchen, sich in der Kreisstadt einzugliedern. Dabei helfen Rollié und Roy nach Kräften mit ihren Kindern.

„Wir haben uns als Paten gemeldet“, erzählt Christin Rollié. Kurz darauf hatte sich die Familie dann bereiterklärt, die Syrer zu begleiten. „Wir nehmen sie nun überall mit hin“, sagt Roy. So waren die Kinder vergangene Woche beim VfL Wittekind-Turnen mit Ute Dietz, besuchten das Reitturnier am Fillerberg oder unternahmen interessante Ausflüge. „Wir versuchen einfach, ihnen die deutschen Werte zu vermitteln“, so Roy. Dem Wildeshauser Paar gefällt, wie engagiert die Syrer sind – und wie ordentlich. Die deutschen Kinder haben gleich Spielsachen und Kleidungsstücke für die Altersgenossen aussortiert. Allmählich wird es jedoch Zeit, dass die Familienangehörigen vernünftige Wohnungen bekommen, in denen sie gut leben können. Die Miete wird von der Stadt gezahlt.

Rollié hat sich schon viel umgehört, wo es freie Wohnflächen gibt. Doch offenbar wollen einige Immobilienbesitzer nicht vermieten oder sie wollen keine Ausländer sowie keine Kinder in ihren Räumen. Das entsetzt die Wildeshauserin: „Auf der einen Seite wollen wir Ghettos in der Stadt vermeiden und auf der anderen Seite soll nicht an Ausländer vermietet werden.“ Sie betont, dass ja viele der Geflüchteten deutsche Paten haben, die bei Verständnisschwierigkeiten helfen könnten. Warum also nicht und gutes Geld kassieren?

Wer mit Wohnraum helfen kann, sollte sich bei der Stadt Wildeshausen an Ralf Wübbeler unter Telefon 04431/88321 oder per E-Mail an ralf.wuebbeler@wildeshausen.de melden. Auch Paten werden gesucht.

dr

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