„Geschichte im Rathaus"

Von warmherzigen Wirten und kalten Füßen

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Marianne Steinkamp vom Bürger- und Geschichtsverein begrüßte Alfred Panschar (links) und Heinrich Boning zum Vortrag im historischen Rathaussaal der Wittekindstadt. Untermalt waren die Erzählungen von zahlreichen Fotos.

Wildeshausen - Von Anja Nosthoff. Wie trug es sich zu, dass die Wildeshauser Kneipenwirtin Marianne Rigbers zugleich mit den Titeln „Jungfrau“ und „Mutter“ ausgezeichnet wurde? Welches Rezept empfahl Gastwirt „Vater Schürmann“ gegen kalte Füße? Warmherziges, Kurioses, Feucht-Fröhliches, aber auch Weises hatten die Wildeshauser Originale Heinrich Boning und Alfred Panschar am Dienstagabend im historischen Rathaus der Kreisstadt zu berichten.

Im Rahmen der Vortragsreihe „Geschichte im Rathaus“ des Wildeshauser Bürger- und Geschichtsvereins präsentierten sie fast hundert Zuhörern Anekdoten aus und zu ihrem Buch „Sie ließen keine Gelegenheit aus – Eine historische Reise durch die Gastronomie der Stadt Wildeshausen.“

Dass Autor Boning ein Freund der „munteren Geselligkeit“ ist, weiß jeder, der ihn als schlagfertigen Richter beim Wildeshauser Gildefest erleben durfte. Doch der mittlerweile 80-Jährige gebürtige Wildeshauser gibt auch gerne zu, dass er schon in jungen Jahren begeisterter Kneipengänger war. Dazu bot sich seine Heimatstadt damals auch durchaus an: 17 Kneipen zählte die Innenstadt zu der Zeit noch.

Das Buch setzt jedoch noch viel früher ein und umreißt die Geschichte der Wildeshauser Gastwirtschaften in unzähligen Fakten, Anekdoten und Bildern. Nicht ohne Bedauern schildert Boning, dass von der stattlichen Zahl der einstigen Stätten der Geselligkeit im heutigen Wildeshausen nicht mehr viele übrig geblieben sind. Durch das Kneipensterben fielen letztendlich auch geschichts-trächtige Gebäude der Abrissbirne zum Opfer.

Boning gab aber auch preis, dass er ursprünglich mit jeglichen Schützenfesten nichts am Hut haben wollte. Seine Begegnung als Jugendlicher mit dem „einfachen Klempnermeister“ Heini Rademacher beschrieb er jedoch als „eine dieser Begegnungen im Leben“, die einen prägen: Heini Rademacher habe ihn „ohne den moralischen Zeigefinger zu heben“ belehrt, dass „ein richtiger Wildeshauser Junge an Pfingsten Schützenfest zu feiern hat.“ Dank diesem Lehrmeister ist nun also auch Bonings Lebensweg untrennbar mit der Gilde verwoben – zumindest, wenn es um das Gildegericht oder den Brummkreiselverein geht.

Sowieso seien es die Begegnungen an den Theken gewesen, bei denen er am meisten fürs Leben gelernt habe, berichtete Boning. Sie seien oft interessanter, aufschlussreicher und authentischer gewesen, als die Begegnungen in Hörsälen, Studienseminaren oder „gehobenen Kreisen“. Daher empfiehlt er unbedingt, eine solche Pflege der Geselligkeit auch in heutiger Zeit abseits von „Fernsehen, Internet und Wischtelefonen“ wieder mehr aufleben zu lassen, statt in „enthaltsamer Vereinsamung“ zu versinken.

Wehmut schwingt jedoch nicht nur mit, wenn Boning die einstigen urgemütlichen Gaststuben beschreibt, die „modern sachlichen“ Gebäuden weichen mussten. Unvergessen sind auch viele Persönlichkeiten unter den Wirten in der Wildeshauser Kneipengeschichte. Für Boning persönlich steht da die Lindenhof-Wirtin „Mutter Marianne“ an oberster Stelle. 

Sie schenkte im damaligen Gasthaus – dem heutigen LiLi-Kino – nicht nur Waldmeisterbrause an die Kinder aus, sondern nahm auch die jugendlichen Kneipengänger unter ihre Fittiche, spürte, ob ein Schabernack einen bösen Hintergrund hatte, war gegebenenfalls streng, ansonsten aber „unendlich nachsichtig“. Sie gab außerdem den Gründern des „Brummkreiselvereins“ Herberge und wurde so zur „Jungfrau“, da die weiblichen Aktiven in diesem Club „ungeachtet ihrer geschlechtlichen Entwicklung allgemein so bezeichnet werden“, so Boning.

Auf eine ganz andere Art fürsorglich war der ebenso in der Wittekindstadt als Original bekannte Wirt „Vater Schürmann“: Wenn ein Thekenbesucher zu später Stunde noch nicht nach Hause aufgebrochen war, ließ er einfach die Tür aufstehen. Kamen dann Beschwerden wegen kalter Füße, riet „Vater Schürmann“ weise: „Geh‘ ins Bett, dann werden deine Füße auch warm.“

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