Historiker Dr. Albrecht Eckhardt verweist auf ein Datum vor dem Jahr 1270

Wann wurde Wildeshausen zur Stadt?

Stellten die 194. Ausgabe des Oldenburgischen Hauskalenders vor: Autor und Historiker Dr. Albrecht Eckhardt, Herausgeber Jörgen Welp, Cornelia Harms und Bernd Oeljeschläger vom Heimat- und Geschichtsverein in Wildeshausen sowie Verleger Florian Isensee (von links). Foto: bor

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Wann erhielt Wildeshausen seine Stadtrechte? Kommendes Jahr wird die Verleihung der Bremer Stadtrechte an Wildeshausen vor 750 Jahren zwar groß gefeiert, aber der Ort durfte sich schon vor 1270 Stadt nennen, ist der Historiker Dr. Albrecht Eckhardt überzeugt. Der Edewechter war lange Jahre Direktor des Niedersächsischen Staatsarchivs in Oldenburg und verfasste einen Aufsatz zu dem Thema, der im jetzt fertiggestellten Oldenburgischen Hauskalender eine herausragende Stellung einnimmt. Die Publikation, die zum 194. Mal erscheint, wurde am Dienstag im Wildeshauser Rathaus vorgestellt.

Bei dem 80-seitigen Kalender handelt es sich um ein Magazin, das seine Leser mit Themen aus dem Oldenburger Land unterhalten, aber auch bilden soll. Es enthält plattdeutsche Texte genauso wie Artikel über die Geschichte eines Opels P4, der im Zweiten Weltkrieg eingemottet wurde, oder den Altar einer Kirche in Varel.

Zurück zu Dr. Eckhardt. Der 81-Jährige bekam Wind von den geplanten Feierlichkeiten und schrieb Bürgermeister Jens Kuraschinski einen umfangreichen Brief, in dem er darlegte, dass Wildeshausen bereits vor 1270 eine Stadt war. Auf eine Antwort, die über die Kenntnisnahme seines Schreibens hinausgeht, wartet er bis heute. Aber Jörgen Welp, Herausgeber des Oldenburgischen Hauskalenders, hatte ihn im Vorhinein angesprochen und um einen Aufsatz gebeten. Das war ein Klacks für den Autor, der 1998 mit weiteren Heimatforschern eine 1 000-seitige Stadtgeschichte verfasst hatte.

Eckhardt argumentiert, dass der Bremer Erzbischof in den Verleihungsurkunden für das Stadtrecht von „Ratmannen und Bürgern in Wildeshausen“ sowie der „Civitas“ (lateinisch für Bürgerschaft) spricht. „Verhandlungs- und Vertragspartner war 1270 also die Stadt Wildeshausen“, schlussfolgert der Historiker. Er vermutet, dass die Siedlung zwischen 1230 und 1240 wegen ihrer zunehmenden wirtschaftlichen Bedeutung zur Stadt ernannt wurde. Zu dieser Zeit war Otto Edelherr zu Lippe Probst des Alexanderstiftes. Und Eckhardt erkennt im Stadtsiegel sowohl die fünfblättrige Rose der Herren zu Lippe als auch einen Bezug zu den Rosen im Wappen der Wildeshauser Linie der Oldenburger Grafen. Hinzu kommen Quellen, in denen auf Latein schon vor 1270 von Bürgern (Cives) und der Stadt (Oppidum) die Rede ist.

Gleichwohl möchte Eckhardt die Festivitäten nicht torpedieren. „Die Stadt Wildeshausen sollte das 750-Jahr-Jubiläum feiern. Aber bitte mit einem anderen Etikett“, schlägt er vor.

Bernd Oeljeschläger vom Heimat- und Geschichtsverein verweist angesichts der Einwände darauf, dass es aus Marketinggründen manchmal notwendig sei, die Dinge etwas zuzuspitzen. „Ich bin mir sicher, dass Bürgermeister Kuraschinski die Ereignisse historisch korrekt einorden wird“, so Oeljeschläger.

Wie auch immer man die Verleihung der Bremer Stadtrechte an Wildeshausen einordnen möchte, unbestritten ist, dass die Qualität des Ortes damit wesentlich verbessert wurde. „Wildeshausen ist die älteste und im Mittelalter bedeutendste Stadt des heutigen Oldenburger Landes“, betont Eckhardt. Das Bremer Recht trug zum Beispiel dazu bei, dass Kaufleute ihre juristischen Ansprüche notfalls dort durchsetzen konnten. Außerdem sei das Jahr 1270, in dem die Wildeshauser Linie der Oldenburger Grafen ausstarb, eine Zeitenwende für die Stadt gewesen.

Der Kalender ist überall im Zeitschriften- sowie Buchhandel erhältlich und kostet 4,95 Euro. Die Auflage beträgt 4 500 Stück. Herausgeber ist der Isensee Verlag aus Oldenburg.

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