Feuerwehren aus Wildeshausen, Neerstedt, Dötlingen und Düngstrup beteiligt

Übung für den Ernstfall: „Vollbrand mit Vermissten“

Die Straße Zwischenbrücken war zwei Stunden für die Übung gesperrt, bei der vier Feuerwehren im Einsatz waren. - Foto: Buschmann

Wildeshausen - Von Ulf Buschmann. In der ehemaligen Wildeshauser Gaststätte „Zum alten Wittekind“ mit zwei darüber liegenden Wohnungen brennt es. Die Flammen drohen, auf die Nachbarhäuser überzugreifen.

Im Innern werden drei bis fünf Personen vermisst. Diese Meldung erreicht die Rettungsleitstelle Donnerstagabend. Die zuständigen Disponenten lösen Großalarm für die Feuerwehren Wildeshausen, Dötlingen, Neerstedt und Düngstrup aus.

Knapp fünf Minuten später sind die ersten Einsatzkräfte vor Ort. In Flammen steht das Gebäude gleich hinter dem Wildeshauser Feuerwehrgerätehaus. Die Helfer registrieren eine starke Rauchentwicklung. Nur die Flammen fehlen – die Alarmierung ist glücklicherweise nur eine der Übungen für die ehrenamtlichen Helfer der Kreisstadt und der Nachbargemeinden. Ausgedacht hatte sich das Szenario Wildeshausens stellvertretender Ortsbrandmeister Conrad Kramer.

Die knapp 100 Frauen und Männer arbeiten die ihnen gestellten Aufgaben ab, als ob es sich um einen echten Einsatz handelt. Auch die Polizei ist vor Ort und sperrt die Straße Zwischenbrücken ab. Die nächsten gut zwei Stunden kommt dort kein Auto mehr durch.

Knapp 20 Minuten nach der Auslösung des Alarms sind alle Kräfte vor Ort. Jetzt geht es Schlag auf Schlag: Drehleiter in Stellung bringen, die Löschwasser-Versorgung aufbauen und die Trupps mit Atemschutzgeräteträgern für die Innen- und Außenangriffe sowie zur Vermisstensuche einteilen. Dies alles geschieht in zwei Brandabschnitten.

Ganze Arbeit geleistet

Abschnitt A ist die Gebäudevorseite. Von dort aus nehmen 66 Helfer aus Wildeshausen, Dötlingen und Neerstedt den Innenangriff mit Personensuche über die zwei vorhandenen Eingänge vor. Parallel gibt zwei Außenangriffe zur Abriegelung der Nachbargebäude. Auch das Wenderohr der Drehleiter dient dem Schutz der anderen Häuser.

Weitere 32 Feuerwehrleute bekämpfen den Brand in Abschnitt B von der Rückseite des „Alten Wittekind“ aus. Auch hier heißt es laut Szenario „Vornahme des Innenangriffs mit Personensuche über zwei Eingänge“ sowie „Vornahme von zwei Außenangriffen zur Abriegelung der Nachbargebäude“. Und: „Herstellung einer Löschwasserversorgung nach eigenem Ermessen.“

Die Organisatoren haben bei der Vorbereitung ganze Arbeit geleistet. Dichter Rauch dringt aus dem Inneren des Gebäudes. Dies lässt erahnen, dass die Arbeit der Trupps Schwerstarbeit ist. „Die sehen drinnen nichts“, erklärt einer der Schiedsrichter, Dötlingens stellvertretender Gemeindebrandmeister Malte Grotelüschen. Er wird immer wieder von einigen Kameraden angesprochen und muss ihnen klar machen: „Ich bin gar nicht da.“

Nicht nur Grotelüschen schaut seinen Leuten genau über die Schulter. Auch zahlreiche Anwohner und Schaulustige sind vor Ort. Zwei Frauen im Nachbarhaus haben es sich mit ihren Kissen im Fenster bequem gemacht und schauen zu. Einige Menschen filmen die Übung mit ihren Smartphones. In der Einsatzstelle können sich die Passanten frei bewegen. Dies alles wäre jedoch im Ernstfall nicht möglich. Dann wird das Areal abgesperrt. Auch die Smartphone-Filmer hätten laut Polizei schlechte Karten.

Derweil gehen die Rettungs- und Löscharbeiten voran. Die Trupps im Haus müssen sich bei völliger Dunkelheit und dichtem Rauch durch verwinkelte, teilweise nicht bekannte Räume kämpfen. Die Vermissten in Form von Strohpuppen finden sie. Dies alles geschieht unter maximaler Sicherung. Jeder Trupp ist durch ein Seil verbunden, draußen sitzen jeweils zwei Helfer und warten. „Wir sind der Rettungstrupp“, erklärt einer der Feuerwehrleute. Gerieten die Helfer selbst in Gefahr, „gehen wir da rein und holen sie raus“. Selbst dieses Szenario üben die Ehrenamtlichen an diesem Abend noch.

Nach mehr als zwei Stunden ist es geschafft. „Übungsziel erreicht“, gibt Wildeshausens Ortsbrandmeister Hermann Cordes als Devise aus. Nur hier und da müsse handwerklich „nachgesteuert“ werden.

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