Visbeker Bauausschuss spricht sich trotzdem für neues Gewerbegebiet an Wildeshauser Straße bei Varnhorn aus

Anwohner sehen Fehler in der Planung

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In Varnhorn und Siedenbögen soll ein neue Gewerbegebiet entstehen. Die Anwohner wehren sich.

Visbek/Wildeshausen - Vier Stunden dauerte es, ehe der Vorsitzende Gerd Busse die Sitzung des Visbeker Bauausschusses schließen konnte. Die Einwohnerfragestunde sorgte für eine Sitzungsdauer auf Rekordniveau. Eineinhalb Stunden lang prasselten auf Verwaltung und Politiker Nachfragen, Kritik und Forderungen ein.

Die meisten Zuhörer waren wegen der Debatte über das geplante Gewerbe- und Industriegebiet an der Wildeshauser Straße gekommen, das auch von der Stadt Wildeshausen genau beobachtet wird.

Das Ergebnis sorgte vor allem bei den Gästen und Gewerbegebietsgegnern aus Varnhorn und Siedenbögen für Ärger und Enttäuschung: Mit nur einer Enthaltung sprach sich der Ausschuss für die Änderung des Flächennutzungsplanes für das Gebiet sowie die Aufstellung und Neuauslegung von Teilen des Bebauungsplans aus.

Wenn der Gemeinderat der Empfehlung des Bauausschusses am 14. Juli folgt, ist die Ausweisung des Gewerbegebiets kaum noch aufzuhalten. Von der will sich Bürgermeister Gerd Meyer auch nicht abbringen lassen: Schließlich gehen der Gemeinde die Gewerbeflächen aus. Bis 2030 werden nach Berechnungen 90 Hektar gebraucht. Meyer kann allerdings nur über vier Hektar verfügen. Gleichzeitig hat er derzeit schon Anfragen für Flächen von sieben Visbeker Unternehmern: vier Handwerker, zwei Logistikfirmen und ein Lebensmittelbetrieb – keine Schlachterei, wie Meyer betonte. Für den Bürgermeister ist der jetzt vorgelegte Entwurf die bestmögliche Kompromisslösung, weil die Gemeinde ihre Planungen zurückgefahren und die Nutzung der Grundstücke klar reglementiert hat.

Das sahen die Anwohner, die sich in einer Bürgerinitiative organisiert haben, völlig anders. Sie beklagten fehlende Absprachen. „Einen Dialog hat es nie gegeben“, sagte etwa der Varnhorner Johannes Gerardi. Die Gemeinde sei nicht auf die Anlieger eingegangen. Und die sorgen sich deshalb um eine Verschlechterung der Wohnqualität unter anderem durch Verkehr, Lärm-, Licht- und Staubemissionen sowie einen massiven Eingriff in die Landschaft.

30 Personen hatten ihre Kritik schon während des Planverfahrens schriftlich geäußert, hinzu kamen eine Unterschriftenliste mit 30 Namen und eine Stellungnahme eines von der Bürgerinitiative beauftragten Fachanwalts. Der hielt die Planungen für unhaltbar – vor allem wegen der Auswirkungen auf die Umwelt. Und so warfen die Zuhörer der Gemeinde auch unzureichende und lückenhafte Erfassung der Brutvögel vor.

Der von der Gemeinde beauftragte Planer Olaf Mosebach hielt dagegen: Die Gutachten seien von Biologen nach den aktuellen Vorgaben und in Absprache mit dem Landkreis Vechta angefertigt worden. Handwerkliche Fehler schloss Mosebach aus. Fachplanerisch sei das Gebiet kein wertvoller Naturraum. Das könne subjektiv anders wahrgenommen werden, maßgeblich sei aber die Faktenlage und die Einschätzung des Landkreises, der schließlich über die Genehmigung des Gewerbegebiets entscheiden müsse.

lc

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