Helmut Müller kauft Ensemble

Villa Knagge wechselt den Besitzer - Nachnutzung noch unklar

Die Fassade der Villa Knagge in Wildeshausen.
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In neuen Händen: die Villa Knagge in Wildeshausen.

Wildeshausen – Fast exakt zwei Jahre, nachdem die Firma Nordmann und die Stiftung Johanneum bekanntgaben, dass die Villa Knagge an der Ahlhorner Straße in Wildeshausen an den Getränkegroßhändler verkauft und zu einem Braugasthaus umgebaut werden soll, hat die Immobilie endlich den Besitzer gewechselt. Allerdings ist der neue Eigentümer nicht Nordmann, sondern Helmut Müller von Müller Wohnbau – jedoch als Privatperson.

Der Investor unterzeichnete am Montag zusammen mit dem Vorsitzenden der Stiftung Johanneum, Herbert Weitz, sowie dem Provisor der Kirchengemeinde St.-Peter, Bernhard Kramer, den Vertrag beim Notar. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Er ist angesichts der Kosten, die für eine Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes anfallen, aber wohl der deutlich geringere Betrag. Nordmann hatte vor zwei Jahren von rund 200 000 Euro für den Erwerb des Ensembles gesprochen.  Müller hat noch keine festen Vorstellungen von der Nachnutzung der Immobilie. Er möchte sie jedoch zunächst den örtlichen Institutionen und der Bevölkerung vorstellen. „An einem Tag er offenen Tür kann sich jeder umsehen und Ideen einbringen“, so Müller. Bei der Nachnutzung soll es nach Möglichkeit keinen gewerblichen Schwerpunkt geben. „Vielleicht hat ja die Gilde ein Interesse“, hofft der Investor. Denkbar sei auch ein Haus der Geschichte oder eine Nutzung als urgeschichtliches Zentrum, wenn sich die Pläne für das ehemalige Feuerwehrhaus zerschlagen sollten. „Es könnte ein Haus der Gemeinschaft werden“, schwebt Müller vor. „Hier könnten sich mehrere Generationen treffen.“ Auch ein kleines Café sei denkbar. 

Zunächst plant der Wildeshauser Geschäftsmann, ein Exposé über die Geschichte der Villa zu erstellen. Gleichzeitig wird er die Kosten der Sanierung kalkulieren und hofft dabei auf die Hilfe von Fachleuten. „Eventuell kann ich einen Bauleiter gewinnen, der etwas vom Denkmalschutz versteht“, hofft Müller. Das Gebäudeensemble mit rund 500 Quadratmetern Fläche möchte er vermieten, schließt aber auch nicht aus, es später zu verkaufen, wenn sich ein Interessent findet, der es im Sinne einer Villa für Wildeshausen weiterführt. Nebenan befindet sich das ehemalige Seminarhaus mit 300 Quadratmetern Fläche, das die Volkshochschule genutzt hat, und das Gärtnerhaus – ein ebenfalls in die Jahre gekommenes Wohnhaus. „Ich freue mich sehr über diesen Vertragsabschluss. Er ist ein wichtiger Meilenstein dafür, dass die Villa als Denkmal für Wildeshausen erhalten bleibt“, erklärte Kramer in einer Pressemitteilung.

Helmut Müller hat die Villa Knagge in Wildeshausen gekauft.

Für die Stiftung Johanneum, die seit 1973 über einen mit der Kirchengemeinde geschlossenen Erbpachtvertrag Besitzerin der Villa Knagge war, ist der Verkauf an den neuen Eigentümer eine wichtige und gute Lösung. „Mich stimmt froh, dass es voraussichtlich eine öffentliche Nutzung des Baudenkmals geben wird. Jetzt sind die Stadt Wildeshausen und der Landkreis Oldenburg gefordert, dieses Projekt zu unterstützen, damit bald wieder Leben in die Villa Knagge einziehen kann“, so Weitz. „Aber vor allem freue ich mich, dass sich die Stiftung Johanneum nun wieder voll ihrem satzungsgemäßen Zweck widmen kann. Im Fokus steht dabei das Krankenhaus.“

Die Villa Knagge in Wildeshausen wurde 1852 für den Kaufmann Johannes L.J. Knagge erbaut, 1906 ist das Gebäude um ein Giebelmosaik und einen Jugendstil-Fries ergänzt worden. Seit September 2016 steht das einzigartige Gebäude-Ensemble leer. Die Stiftung Johanneum bezifferte die notwendigen Erhaltungs- und Renovierungsmaßnahmen auf zwei Millionen Euro. Ihr war wiederholt vorgeworfen worden, zu wenig für die Erhaltung des Gebäudes getan zu haben. Nicht nur aus diesem Grund waren die Verantwortlichen froh, vor zwei Jahren einen Interessenten präsentieren zu können, der nicht nur die Immobilie sanieren wollte, sondern ein neues Nutzungskonzept entwickelt hatte.

Die Idee, dort ein Braugasthaus mit Biergarten zu etablieren, scheiterte jedoch daran, dass Anwohner gegen die zu erwartende Lärmbelastung protestierten. Somit war ungewiss, ob die Änderung des Bebauungsplanes möglich gemacht werden konnte. Im November vergangenen Jahres zog die Firma Nordmann die Reißleine und erklärte die Pläne für eine Nachnutzung als gescheitert. Als wesentlichen Grund nannten die Geschäftsführer Fritz-Dieter Nordmann und Roland Damme, dass die gesetzlich erlaubten Öffnungszeiten „leider deutliche Einschränkungen im Außenbereich“ vorsehen.

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