Sozialpädagogin Jenniffer Malenz im Interview

„Viele Gründe für Obdachlosigkeit“

Jenniffer Malenz

Wildeshausen - Die Sozialpädagogin Jenniffer Malenz spricht im Interview über ihre Arbeit bei der ambulanten Wohnungslosenhilfe der Diakonie in Wildeshausen. Die Fragen stellte Ove Bornholt.

Gibt es typische Gründe, in die Obdachlosigkeit zu rutschen?

Malenz: Nein. Es gibt viele Gründe. Eine Scheidung, Arbeitslosigkeit, psychische Probleme oder Suchterkrankungen, können zur Obdachlosigkeit führen. Das führt aber natürlich nicht immer dazu. Vorrangig sind Menschen betroffen, die nicht gelernt haben, mit Schicksalsschlägen und Problemen umzugehen. Deshalb führt zum Beispiel eine Scheidung dazu, dass man sich entscheidet, mit dem Auto und allem Ersparten ein paar Jahre durch die Gegend zu fahren.

Es ist ja ein gängiges Vorurteil, dass Obdachlose in der Regel betrunken sind.

Das kann ich nicht bestätigen. Wir haben durchaus auch mit Menschen zu tun, die Alkohol ablehnen.

Sie suchen für Obdachlose, beziehungsweise ehemalige Obdachlose nach Wohnungen. Was sind Ihre Erfahrungen dabei?

Wir stellen uns nur noch mit Diakonisches Werk anstatt ambulanter Wohnungslosenhilfe vor, wenn wir potenzielle Vermieter kontaktieren. Das ist relativ wertneutral und wichtig, weil Wohnungslosenhilfe für jeden unterschiedlich besetzt ist. Mit dem Begriff Diakonisches Werk ist klar, es steht eine Einrichtung dahinter, wieso auch immer.

Wie ist Ihr Eindruck vom Wohnungsmarkt?

Insgesamt ist der Wohnungsmarkt schwierig, da bieten unsere Klienten keine Ausnahme. Ich kann aber sagen, dass ältere Personen generell bessere Chancen haben.

Wie viele Obdachlose leben ungefähr im Landkreis Oldenburg?

Das können wir nicht abschätzen, weil wir nur die Zahl derer haben, die zu uns kommen. Also diejenigen, die nach Hilfe suchen. Man muss auch die Entfernungen im Landkreis Oldenburg beachten, die es nicht immer einfach machen, die Beratung in Wildeshausen, Ahlhorn oder Ganderkesee aufzusuchen. Wir hatten im vergangenen Jahr 321 Beratungskontakte. Das entspricht 43 Personen. Dazu kommen noch etwa 20 regelmäßige Klienten dazu, die mehrmals in der Woche Hilfe bekommen und teilweise in unseren Übergangswohnungen leben. Zum Vergleich: Den Tagesaufenthalt in Oldenburg haben an einem Stichtag 226 Menschen aufgesucht.

Ist die Obdachlosigkeit bei vielen eine bewusste Entscheidung?

Das kommt auch vor. Wir haben zwar den ein oder anderen, der sagt, es war eine bewusste Entscheidung, aber die kamen dann auch in ein Alter, in dem sie nicht mehr konnten. Auch bei gesundheitlichen Einschränkungen ist dies der Fall.

Wie helfen Sie Obdachlosen, die sich bei Ihnen melden?

Wir richten zum Beispiel eine postalische Adresse ein, damit Behörden sie erreichen können, tauschen uns darüber aus, wie es gerade läuft, suchen Wohnungen, begleiten Klienten teilweise zu Behörden und Besichtigungen – im Prinzip alles drumherum, was förderlich ist. Es geht auch darum, ihnen Hinweise zu geben, wie sie sozialen Anschluss finden.

Ist es schwer, eine emotionale Distanz zu den Klienten zu wahren?

Das ist eigentlich weniger ein Problem. Auf das richtige Verhältnis von Nähe und Distanz wurde ich in der Ausbildung vorbereitet. Der Job gehört eben zu denen, bei dem man mit Menschen und Schicksalen in Kontakt kommt.

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