Schwangerschaftskonfliktberatung deutlich häufiger besucht

Viele Bulgarinnen kommen in großer Not zu „donum vitae“

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Christa Heimermann, Brigitte Meyer-Tönjes und Sabine Bernhold (v.l.) legten die Jahreszahlen vor.

Wildeshausen - Viel zu tun hatten die Sozialpädagoginnen Brigitte Meyer-Tönjes und Sabine Bernhold sowie der Vorstand und die Honorarkraft Annette Überschär von der Schwangerenkonfliktberatungsstelle „donum vitae“ in Wildeshausen. Die Gesamtzahl der Beratungen ist im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr um 34 Prozent auf 467 gestiegen.

Wesentlicher Grund ist der Zuzug von Frauen mit Fluchthintergrund sowie aus Osteuropa. Neben 246 Deutschen nahmen 67 Frauen aus Syrien und 66 Frauen aus Bulgarien die Hilfe des Vereins in Anspruch. Oft konnten die Gespräche mit den Ausländerinnen nur mit Dolmetschern oder Sprachmittlern des Landkreises geführt werden.

Ganz besonders schwierig ist nach Angaben von Bernhold und Meyer-Tönjes die Situation der Frauen aus Bulgarien, die in Wildeshausen für geringen Lohn arbeiten und durch eine Schwangerschaft ihren Job verlieren. „Wir können diesen Frauen kaum Perspektiven aufzeigen“, so Bernhold. In der Regel hätten die Bulgarinnen keinen Anspruch auf Sozialleistungen und von ihrem Verdienst seien auch Angehörige in der Heimat abhängig.

139 bewilligte Anträge auf Babyausstattung im Jahr 2016

Die Pädagoginnen machen bei den Frauen durchaus einen Konflikt aus, viele der Schwangeren entscheiden sich jedoch nach der Beratung für einen Schwangerschaftsabbruch, weil wirtschaftliche Gründe das erzwingen. Flüchtlingsfrauen sind hingegen nach Einschätzung von „donum vitae“ besser aufgehoben. Diesen Frauen ginge es bei der Beratung unter anderem darum, einen Antrag auf Babyausstattung zu stellen, der von der Bundesstiftung „Mutter und Kind“ bewilligt werden könnte. Während es 2015 lediglich zehn dieser Anträge gab, schnellte die Zahl im vergangenen Jahr auf 155 hoch, von denen 139 bewilligt wurden.

„Sehr erfolgreich sind wir aber auch mit der Ausgabe von Erstausstattungen“, erklärt die Vorsitzende Christa Heimermann. Dafür wünsche sich der Verein jederzeit Spenden sowohl durch Kleidung oder sonstige Babyausstattung als auch per Überweisung auf das Konto mit der IBAN DE90280662140019 518900 bei der Volksbank.

Premiere: Vertrauliche Geburt

Eine Premiere hatte die Beratungsstelle im vergangenen Jahr mit der vertraulichen Geburt. „Keine schwangere Frau soll ihr Kind allein und heimlich zur Welt bringen müssen“, so Bernhold. „Schwangere in großer Not, haben die Möglichkeit, in anerkannten Beratungsstellen vor, während und nach der Schwangerschaft vertraulich und beschützt Hilfe zu suchen. Wir haben erstmals eine Frau begleitet.“ Dabei zeigte sich, dass das Verfahren für die Beratungsstelle sehr aufwendig ist. Nach Beratung und guter Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus Johanneum sowie dem Jugendamt des Landkreises Oldenburg konnte die Frau ihr Kind zur Welt bringen. „Das hat sehr gut geklappt“, freute sich Bernhold, die eigentlich nicht damit gerechnet hatte, dass eine Frau in Wildeshausen tatsächlich auf das Angebot zugreift.

Mit einem Etat von 75.500 Euro muss „donum vitae“ in Wildeshausen und Ganderkesee einiges leisten. Deshalb ist der Vorstand des Vereins froh darüber, dass der Landkreis ab kommendem Jahr einen Zuschuss von 15.000 Euro gewährt. „Rund 6000 Euro müssen wir jedoch jährlich über Spenden einnehmen“, erklärt Heimermann. Davon würde unter anderem auch die Gruppe der allein Erziehenden und jungen Mütter finanziert.

dr

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