182 Erstklässler in Wildeshausen / Eltern müssen viel Material kaufen

So viel kostet eine Einschulung

Jede Menge Schulsachen müssen Eltern kaufen. Foto: XM

Wildeshausen - Von Xenia Marciniak Und Lara Terrasi. Der kommende Samstag ist für viele niedersächsische Kinder ein Tag, den sie nie vergessen werden: Denn sie werden eingeschult. Kurz vor diesem neuen Lebensabschnitt sind die meisten der 182 Jungen und Mädchen, die bald als Erstklässler auf die drei öffentlichen Grundschulen in Wildeshausen gehen, voller Vorfreude. Die Frage „Mit wem komme ich in eine Klasse?“ schwirrt wohl vielen durch den Kopf. Die Eltern sind währenddessen im Endspurt ihres Einkaufsmarathons. Die Schulen haben vorab umfangreiche Listen mit bis zu zwei Din-A4-Seiten über Bücher und Arbeitsmaterialien verteilt, deren Anschaffung die Mütter und Väter vor Herausforderungen stellt. Neben Extras wie Schultüten und Ranzen müssen beispielsweise Fibeln, ein Radiergummi, Arbeitshefte, Bleistifte, ein Klebestift, mehrere Borstenpinsel, ein Schwamm, aber auch Hausschuhe gekauft werden – und das ist nicht gerade günstig, wie eine Recherche unserer Zeitung ergab.

Eltern, deren Kinder zukünftig die St.-Peter-Schule besuchen, müssen allein für die sieben Schulbücher rund 80 Euro investieren. Mütter und Väter von Erstklässlern der Holbeinschule geben etwa zehn Euro mehr für acht Bücher aus. Bei der Wallschule sind neun Bücher gefordert, die 81,55 Euro kosten. Inklusive der erwähnten Materiallisten sowie Ranzen und Co. kommen schnell Beträge von deutlich mehr als 200 Euro zusammen. Die letzte größere Studie dazu von der Gesellschaft für Konsumforschung arbeitet mit acht Jahre alten Zahlen und weist einen Durchschnittswert von 238 Euro pro Erstklässler aus.

Früher war es teilweise noch üblich, zumindest einige Bücher unentgeltlich von der Schule auszuleihen. Freuen durften sich diejenigen, die sich als erste in der Leihliste vorne im Buch eintragen konnten. Heutzutage wird von der St.-Peter-Schule, der Holbein- und der Wallschule nur ein Buch als Leihgabe angeboten. An der Wallschule besteht für Eltern die Möglichkeit, die „Karibu-Fibel“ für 6,20 Euro vorübergehend zu erhalten. An der St.-Peter-Schule kostet die Leihgabe der Silbenfibel „ABC der Tiere“ fünf Euro. Die Gebühr entspricht jeweils ungefähr einem Drittel des Neupreises. Dass nicht mehr Arbeitsmaterial ausgeliehen werden kann, liegt daran, dass die Schüler in den anderen Büchern schreiben. Zu den Kosten kommen noch Kopier- und Materialgeld hinzu, die von den Lehrern am ersten Elternabend eingesammelt werden. Das sind bei der St.-Peter- 20 Euro und bei der Holbeinschule 60 Euro.

Ralf Menke, der Vorsitzende des Stadtelternrats Wildeshausen, äußert sich zu den Ausgaben der Eltern wie folgt. „Lernmittel sind teuer. Die Kosten bei meinem Sohn liegen auch bei um die 70 Euro.“ Für finanzschwache Familien böte sich die Möglichkeit, ein Bildungs-und Teilhabepaket zu beantragen. Die Seiten aus den Arbeitsheften zu kopieren, findet Menke nur dann sinnvoll, wenn nicht jedes Blatt von den Schülern bearbeitet würde. „Andererseits könnte die Zettelwirtschaft kompliziert für die Schüler werden. Und zudem käme dann noch eine Kopiergebühr dazu.“

Diakonie und Caritas im Oldenburger Land haben am Mittwoch Lehrmittelfreiheit für Schulen in Niedersachsen gefordert, berichtet der Evangelische Pressedienst. Die kürzliche Anhebung der Schulbedarfsleistungen für bedürftige Familien auf nun 150 Euro pro Jahr sei zu begrüßen, „aber sie decken nicht den tatsächlichen Bedarf“, sagte Caritas-Direktor Gerhard Tepe in Oldenburg. Diakonie-Vorstand Thomas Feld ergänzte, langfristig müssten den Schülern alle Bücher, Mappen, Hefte und Kopien kostenlos gestellt werden. Gemeinsam hatten Sozialexperten von Diakonie und Caritas stichprobenartig ermittelt, was Familien im Oldenburger Land für Schulmaterialien im Jahr 2018 ausgeben mussten. Abhängig vom Wohnort und der Schulart hätten sie im Mittel rund 310 Euro pro Kind errechnet, sagte Dieter Fangmann von der Caritas. Am teuersten seien die Gymnasien mit 332 Euro pro Jahr und die Grundschulen mit knapp 319 Euro. Vergleichsweise günstig hätten die Oberschulen mit 220 Euro abgeschnitten. Insgesamt hätten sich 70 Familien zwischen Wilhelmshaven und Cloppenburg an der Abfrage beteiligt.

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