Eigenkontrolle der Landwirte funktioniert nicht

Zu viel Gülle und Mist auf zu wenig Flächen

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Der Landkreis Oldenburg müsste mehr als 6 500 Hektar größer sein, damit die Böden nicht überdüngt werden. Angesichts des seit Jahren bestehenden Problems stellt die Kreisverwaltung fest, dass Freiwilligkeit und Eigenkontrolle der Bauern nicht funktionieren, und fordert mehr staatliche Überwachung ein.

Dieter Hahn, Leiter des Amts für Bodenschutz und Abfallwirtschaft beim Kreis, begrüßt die Maßnahmen, die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) ergriffen hat, um das Problem zu lösen. Sie will verschärfte Vorgaben für Risikogebiete wie den Landkreis Oldenburg erlassen und der Düngebehörde besseren Zugang zu bereits vorhandenen Daten ermöglichen (wir berichteten). Letzteres findet Hahns ungeteilte Zustimmung. „Dadurch wird eine effektive Kontrolle erst möglich“, stellt er fest. Im Klartext: Bisher war die Überwachung nicht besonders wirksam.

Doch die Maßnahmen Otte-Kinasts reichen der Kreisverwaltung nicht aus. „Zudem sollten nach unserer Auffassung verbindliche Untersuchungspflichten für Wirtschaftsdünger eingeführt werden. Ebenso halten wir eine Verordnung mit klaren Vorgaben zur Zertifizierung von ,Güllebörsen‘ mit einer staatlichen Überwachung für zwingend erforderlich“, so Hahn. 

Bei Letzteren können Landwirte ihren überschüssigen Dünger loswerden. „Einige Börsen sind sicherlich top, bei anderen ist ein Fragezeichen zu setzen“, meint der Amtsleiter. Er fordert, dass die Firmen „alles offenlegen müssen“, um sicherzustellen, dass der Dünger auch ordnungsgemäß ausgebracht wird.

Eigeninitiative der Landwirte reicht nicht aus

Bisher hatte der Gesetzgeber auf die Eigeninitiative und -verantwortlichkeit der Landwirte gesetzt. Die Grundidee sei gewesen, dass Dünger ein wertvolles Gut ist, dessen Austausch der Markt regelt. „Das funktioniert in unserem Gebiet mit intensiver Flächennutzung nicht“, so Hahn. Da komme es auf den „guten Willen“ der einzelnen Bauern an.

Bleibt die Frage, wie es jetzt – mit der neuen Düngeverordnung – weiter geht. „Aktuell stehen die landwirtschaftlichen Betriebe im Landkreis vor einer großen Herausforderung“, meint Hahn. Aufgrund des sehr nassen Herbstes seien die Felder nicht wie üblich bestellt und dementsprechend nicht gedüngt worden. Dadurch seien die Lager mehr als üblich gefüllt. Deswegen müssten die Betriebe eigentlich deutlich mehr Gülle und Mist abgeben. 

Aber: „Nach Rückmeldung von Vermittlern ist die Bereitschaft dazu in den aufnehmenden Regionen äußerst zurückhaltend und weitaus schleppender als noch vor einem Jahr“, hat die Kreisverwaltung ermittelt. Daher seien die Kosten für die Vermittlung stark angestiegen. „Die genannten Faktoren bewirken, dass der Druck auf die Fläche in der Region weiter ansteigt. Dadurch nimmt auch das Risiko, dass über Bedarf gedüngt wird, zu“, ist die Kreisverwaltung pessimistisch gestimmt.

Überdüngung in Zahlen

Überdüngung in Zahlen: Laut Nährstoffbericht Niedersachsen 2016/17 wurden im Landkreis Oldenburg 177 Kilogramm Stickstoff (Nitrat) pro Hektar ausgebracht. Allein das bedeutet, dass 2 500 bis 3 000 Hektar Flächen fehlen, um den Boden nicht zu überdüngen. Noch größer ist das Problem bei Phosphat. 

Um den Stoff getreu der im vergangenen Jahr in Kraft getretenen Düngeverordnung auf den Feldern zu verteilen, fehlen knapp 6 500 Hektar. Die Verordnung sieht vor, dass ein Überschuss von maximal zehn Kilogramm pro Hektar nicht überschritten werden darf. Diese Regelung greift aber erst ab 2022.

Sowohl für Nitrat als auch für Phosphat ist zu berücksichtigen, dass die genannten Flächenwerte mathematisch ermittelt wurden. Heißt: Areale in Wasserschutzgebieten oder mit einer sehr hohen Phosphorversorgung wurden nicht berücksichtigt. Dadurch erhöht sich das Flächendefizit weiter. Der komplette Nährstoffbericht findet sich im Internet.

www.ml.niedersachsen.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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