Urteilsfindung verschoben

Versuchte Bestechung vor Gericht: „Ein Auge zudrücken“ für 400 Euro?

Symbolbild: dpa

Wildeshausen - Versuchte Bestechung von Polizeibeamten ist kein Kavaliersdelikt. Das verdeutlichte der Staatsanwalt jetzt einem 38-jährigen Wildeshauser eindringlich und beantragte wegen dieses Vorwurfs sowie zweimaligem Autofahrens ohne Führerschein eine 16-monatige Gesamtfreiheitsstrafe zur Bewährung und eine fortdauernde Führerscheinsperre von zwei Jahren. Zu einem Urteil kam es jedoch noch nicht, da dem Mann angesichts der beantragten Strafe nun ein Pflichtverteidiger zusteht. Somit wird ein neuer Termin zur Urteilsfindung im Amtsgericht Wildeshausen angesetzt.

Der Staatsanwalt tat sich schwer, dem Wildeshauser eine günstige Sozialprognose auszustellen. Denn in seinen Augen macht der Angeklagte einen wenig lernfähigen Eindruck, obwohl er betont, nun keine Straftat mehr begehen zu wollen.

Am 16. Juli vergangenen Jahres hatte der 38-Jährige nach einem Streit mit seiner im gleichen Haus wohnenden Freundin den Porsche seiner Eltern von der Auffahrt der Frau gefahren. „Ich wollte nicht für weiteren Zündstoff sorgen“, begründete er die Tat. Dummerweise hatte er schon damals keinen Führerschein mehr, und die Polizei war wegen des Streits mit der Freundin ohnehin auf dem Weg zu der Wohnung, um für den Fall einer Eskalation die Anfahrtsstrecke zu kennen, so einer der Beamten. Der Wildeshauser fuhr nach übereinstimmenden Angaben an den Straßenrand und gestand gleich, dass er nicht hätte fahren dürfen. Bei der Personalienaufnahme in der Wohnung, so erinnerte sich der Angeklagte vor Gericht, habe er die Polizisten dann gefragt, ob es einen Ermessensspielraum gebe und er ein Bußgeld vor Ort entrichten könne. Summen seien dabei aber nicht genannt worden.

Der Polizist hingegen erinnerte sich anders. Der 38-Jährige habe gefragt, ob sein Kollege und er ein „Auge zudrücken“ könnten. Zunächst habe der Angeklagte 200 Euro und dann das Doppelte angeboten, weil er auch so „genug Ärger“ habe.

In der Tat. Gerade zwei Wochen vorher war der Wildeshauser wegen Fahrens ohne Führerschein unter Alkoholeinfluss verurteilt worden. „Die Geldstrafe hat ihn aber offenbar nicht beeindruckt“, bilanzierte der Staatsanwalt und bezog sich auf einen weiteren Vorfall am 25. Oktober um 5.58 Uhr in Wildeshausen. Damals war der Angeklagte nämlich erneut ohne Führerschein im Auto fahrend erwischt worden.

„Das war scheiße“, so der 38-Jährige vor Gericht. „Ich wollte nach Bremen fahren. Ich bin nun mal ein Bremer Jung. Ich habe aber jetzt verstanden, dass das zu nichts führt“, gab er sich reumütig. Ob ihm das noch etwas nützt, zumal im Bundeszentralregister Einträge wegen Diebstahls, Betruges und Urkundenfälschung stehen, wird die nächste Verhandlung im Amtsgericht zeigen. - dr

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