Verletzung durch Chef oder Rangelei?

Blutige Lippe nach Arbeit zur Probe

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Mediengruppe Kreiszeitung

Wildeshausen - Die Vorwürfe gegen den 49-jährigen Geschäftsführer eines Wildeshauser Hotels sind recht massiv: Am 26. Juni soll er um 21.30 Uhr einen 18-Jährigen aus Wildeshausen am Rande des Hotelparkplatzes auf die Lippe geschlagen, im Hals-Brust-Bereich gekratzt und mit dem Schienbein gegen das Gesäß getreten haben. Deshalb stand der 49-Jährige am Montag vor dem Amtsgericht. Zu einem Urteil kam es jedoch nicht, weil der 18-Jährige zwar zunächst im Gericht erschienen war, dann aber spurlos verschwand. Die Richterin verhängte 150 Euro Ordnungsgeld gegen ihn und beraumte eine Fortsetzung für den 16. Februar an.

Die Geschehnisse an dem Abend vor der angeblichen Körperverletzung sind gut dokumentiert. Zum Teil gibt es sogar Videoaufzeichnungen. Der Angeklagte schilderte, dass der 18-jährige Bruder einer Angestellten zum zweiten Mal zur Probe im Hotel gearbeitet habe, um sich für eine Ausbildung zu empfehlen. Beim ersten Mal habe der Mann nach zehn Minuten einen Kreislaufzusammenbruch gehabt. Deshalb sei ein zweiter Termin erforderlich gewesen.

Als am 26. Juli ein Grillabend mit vielen Gästen zu Ende gegangen sei, habe er den 18-Jährigen gebeten, mit aufzuräumen. Von der Köchin habe er kurz darauf erfahren, dass der junge Mann seine Schwester gewürgt, dann einen Hotelgast angegriffen und darauf den Betrieb verlassen habe. Die Schwester habe er im Carport angetroffen, wo sie völlig verstört saß.

„Ich habe von dort gesehen, dass der Bruder das Grundstück wieder betreten wollte“, so der Angeklagte. Er habe ihn davon abgehalten, Hausverbot erteilt sowie ihn zurückgeschubst. Kurz darauf sei der 18-Jährige erneut gekommen, weil er seine Jacke haben wollte. Diese sei ihm von der Köchin ausgehändigt worden.

„Damit war das für mich erledigt“, so der Angeklagte. Deshalb sei er sehr verwundert gewesen, dass Anzeige erstattet worden sei.

Vor Gericht waren die Videosequenzen zu sehen, die eine heftige Auseinandersetzung zwischen dem 18-Jährigen, seiner Schwester und der Köchin in der Lobby dokumentierten. Auch ein Gast, der eingegriffen hatte, bestätigte den Vorfall mit dem jungen Mann: „Wir haben uns an den Sachen gehabt.“

Während die Schwester des 18-Jährigen von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machte, berichtete die Köchin von der Auseinandersetzung in der Küche und vor dem Carport. So ganz klar wurde jedoch nicht, was die Frau konkret gesehen hatte. Angesichts variierender vager Aussagen, erkundigte sich die Richterin eingehend, ob sich der Angeklagte, die Zeugin und der Anwalt im Vorfeld intensiv über das Geschehen unterhalten hätten. Das verneinte die Köchin. Die Aussage sei kein Thema gewesen.

Da der wichtigste Belastungszeuge plötzlich nicht erreichbar war, ordnete die Richterin eine Fortsetzung an. Dann wird sich möglicherweise zeigen, ob der 18-Jährige so eine „zerrüttete Seele“ und „zu faul zum Arbeiten“ ist, wie es der Angeklagte behauptete, oder ob an der Grundstücksgrenze zum Hotel mehr passiert ist als ein Schubser und eine verbale Auseinandersetzung.

dr

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