Ende der Verkehrssicherheitstage

Ein Sturz in drei Akten: Polizist testet Fahrrad-Airbag

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Mit ganzem Einsatz: Polizist Martin Klinger fährt auf dem Marktplatz langsam mit einem Rad an zwei Turnmatten heran und lässt sich fallen.

Wildeshausen - Einige Passanten wurden am Donnerstagvormittag Zeugen einer ungewöhnlichen Vorführung auf dem Wildeshauser Marktplatz: Polizist Martin Klinger testete einen Airbag für Radfahrer. Der 44-Jährige radelte langsam an zwei Turnmatten heran, die vor dem Stadthaus lagen. Dann ließ sich der Beamte nach rechts fallen, und noch bevor er landete, löste der Airbag mit einem sehr lauten Knall aus. Mittels einer Kaltgaskartusche wurden Luftpolster aufgeblasen, die den Kopf des Polizisten schützten. Unverletzt kam er mitsamt seinem Drahtesel zum Liegen.

Eine beeindruckende Vorführung, die gemeinsam mit einem Informationsstand den Abschluss der Verkehrssicherheitstage in Wildeshausen markierte. Klinger ist Mitglied im Präventionsrat. Außer ihm sowie dem Kollegen Rolf Quickert und Julia Baute vom Ordnungsamt beteiligten sich noch weitere, ehrenamtliche Mitglieder des Arbeitskreises Verkehrssicherheit an der Aktion.

Lara Santjer von der Firma Sport-Import in Edewecht erklärte die Technik des Airbags: Sensoren messen, ob es zu ungewöhnlichem Fahrverhalten kommt. Um zu definieren, was ungewöhnlich ist, habe die schwedische Herstellerfirma Hövding stundenlang Radfahrer durch Malmö geschickt, aber auch 3 000 Unfalltests durchgeführt. Die Daten aus beiden Erhebungen seien in einen Algorithmus geflossen, der nun berechne, wenn sich ein Unfall ereigne. „Das Gerät ist sehr clever“, sagte Santjer. Die moderne Sensorik hat allerdings auch ihren Preis. Der Airbag kostet knapp 300 Euro. Käufer können allerdings eine Art Versicherung abschließen, sodass sie nach einem Unfall ein vergünstigtes Ersatzexemplar erhalten.

Noch bevor er den Boden erreicht hat, löst der Fahrrad-Airbag um seinen Hals mit einem lauten Knall aus.

Und im Idealfall wird der Airbag ja auch gar nicht eingesetzt. „Der kann jahrelang getragen werden“, meinte Polizist Quickert, der die Alternative zum Helm durchaus schätzt. Letzterer sei zwar nicht vorgeschrieben, werde aber von der Polizei dringend empfohlen. Es gebe durchaus Unfälle, bei denen das Verletzungsmuster mit Helm ein anderes gewesen wäre, berichtete er aus seiner langjährigen Erfahrung.

Unverletzt liegt der Beamte nach der Demonstration am Boden.

„Testfahrer“ Klinger war ebenfalls zufrieden mit dem Airbag. „Ich habe nicht gedacht, dass die Kartusche so laut ist“, bekannte der Beamte nach dem geplanten Sturz. Er habe sich eigentlich darauf konzentriert, so zu stürzen, dass er keine Verletzungen erleidet, sei durch den Knall aber aus dem Konzept gebracht worden. Aber: „Bei einem Unfall geht es ja auch in erster Linie darum, den Kopf zu schützen.“ Und das hat in diesem Fall geklappt.

Zukunft der Verkehrssicherheitstage ungewiss

Ob die Verkehrssicherheitstage im kommenden Jahr wiederholt werden, ist noch nicht ganz klar. Der Wunsch besteht auf jeden Fall. Dann womöglich aber etwas früher im Jahr, also eher im Sommer. Auf jeden Fall soll jetzt erst einmal verstärkt und auch mit Bußgeldern auf Wildeshausens Straßen kontrolliert werden. „Im Rahmen der Möglichkeiten“, erklärte Quickert.

Der Polizist berichtete, dass es auf die bisherigen Aktionen und Zeitungsartikel in dieser Woche viele positive Reaktionen gegeben habe: „Wir haben eine gute Resonanz.“ Mit Themen wie dem Pedelec-Training am Mittwoch und dem Informieren von Geister-Radfahrern am Dienstag habe man einen Nerv getroffen. Ganz grundsätzlich müssten sich Autofahrer an Radfahrer gewöhnen. Letztere wiederum müssten auch geltende Verkehrsregeln beachten. Alles in allem hofft der Beamte auf mehr Respekt der Verkehrsteilnehmer untereinander.

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