Viele Radwege im Landkreis entsprechen nicht den gesetzlichen Anforderungen

„Verkehrssicherheit steht über allem“

Ein Radfahrer fährt einen viel zu engen Radweg entlang.
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Mit einer Actioncam hat Christian Lüdke vom ADFC in Oldenburg zahlreiche schlechte Radwege im Landkreis fotografiert.

Landkreis/Oldenburg – Radfahren ist nicht nur in Corona-Zeiten eine beliebte Freizeitbeschäftigung, sondern auch ein politisch gewollter Beitrag im Rahmen der Bemühungen um mehr Klimaschutz. Zwar verfügt der Landkreis Oldenburg über ein ausgeprägtes Radwegenetz, doch ist die Benutzung insbesondere innerorts für die Pedalritter nicht immer sicher. Gleichwohl sind sie verpflichtet, diese zu nutzen, so diese Anlagen Teil der gesamten Straße sind, zu der auch die Fahrbahn gehört sowie durch die blauen Verkehrsschilder entsprechend gekennzeichnet sind.

Der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs in Oldenburg (ADFC), Heinrich Book kommt aktuell in einer Pressemitteilung zu einem brisanten Urteil: Die Radwege im Landkreis Oldenburg seien zu schmal, unübersichtlich und nicht mehr zeitgemäß. Mehr noch: „An vielen Stellen ist die Benutzungspflicht rechtswidrig. Die Nebenanlagen erfüllen häufig nicht die erforderlichen Mindestkriterien, um diese zu rechtfertigen.“

Stimmt der heftige Vorwurf des Oldenburgers? „Ja“, sagt Siegfried Bluhm, Leiter des Straßenverkehrsamtes des Landkreises Oldenburg, auf Anfrage unserer Zeitung. Doch habe die Verwaltung im vergangenen Jahr bereits eine Bestandsaufnahme durch ein externes Institut erstellen lassen. Deren Fertigstellung habe jedoch – coronabedingt – mehr Zeit in Anspruch genommen als erwartet. Dabei sei allerdings ein ganzer „Wust“ von Daten zutage gefördert worden. Der Kreis werde mit dem beginnenden Frühjahr – wenn das Wetter wieder besser sei – die sukzessive Abarbeitung in den kommenden zwei Jahren in Angriff nehmen.

An den gesetzlichen Rahmen anpassen

Ziel sei dabei natürlich, die Gegebenheiten dem jeweiligen gesetzlichen Rahmen anzupassen, so Bluhm. Zusammen mit den Gemeinden sollen zunächst die Gefahrenbereiche herausgesucht werden. Das stehe „ganz oben auf der Agenda“. Gleichwohl müssten seine Mitarbeiter dies neben den normalen Aufgaben abarbeiten.

Der Komplex sei allerdings nichts Neues für die Verwaltung: „Wir sind schon mehrere Jahre am Ball.“ Nicht zuletzt hätten auch die Fraktionen im Kreistag das Thema immer wieder angesprochen (wir berichteten). Die Umsetzung bedeute allerdings auch eine Umstellung für viele Radfahrer, die dann gegebenenfalls innerorts nicht mehr auf den Radwegen fahren sollen, sondern auf den Straßen.

Nicht immer ist der Radweg sicherer

Dies widerspreche vielleicht erst einmal der Annahme, auf einer Nebenanlage immer besser aufgehoben zu sein. Doch habe sich gezeigt, dass die Radler bei ungeeigneten Wegen auf der Fahrbahn sicherer seien, da sie dort von dem motorisierten Verkehr mehr wahrgenommen werden – insbesondere, wenn etwa am Straßenrand parkende Autos die Sicht auf den Radweg behinderten. „Wir wollen keine Gefährdung im Ort haben“, so der Behördenleiter weiter. Dazu bedürfe es unter anderem sicherer Straßenquerungen, etwa durch Fahrbahnteiler. Gerade an Ortseingängen könne es da bislang durchaus zu kritischen Situationen kommen, erläutert Bluhm, der selbst passionierter Radfahrer ist. Auch könne es im Rahmen der Aktion notwendig sein, einige Ortsschilder zu versetzen, so der Amtsleiter. Eine weitere Vorgehensweise könne innerorts durchaus die Verbreiterung der einzelnen Strecken sein. Außerorts werde sich jedoch nichts ändern. Die Kosten müsse man in diesem Zusammenhang außer Acht lassen, so Bluhm: „Die Verkehrssicherheit steht über allem.“

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