„Vergesst mir meine Muffe nicht!“

Wildeshauser wartet seit 17 Monaten auf seinen EWE-Glasfaseranschluss

Die Vertragsbestätigung der EWE datiert vom 5. Oktober 2019.
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Die Vertragsbestätigung der EWE datiert vom 5. Oktober 2019. Glasfaser gibt es aber erst jetzt.

Wildeshausen – Es ist der 1. Oktober 2019, ein Dienstag, als eine EWE-Mitarbeiterin bei Fred Wachsmann am Reckumer Ring im Wildeshauser Osten klingelt. „Die Dame ging von Haus zu Haus“, erinnert er sich. Hier werde bald Glasfaser gelegt. Ob er auch einen Anschluss wolle, habe die Mitarbeiterin des Oldenburger Versorgers wissen wollen. Wachsmann, der eine 16 000er-DSL-Leitung hat, wollte sehr gerne und unterschrieb. Seitdem wartet er auf den Anschluss.

Die EWE bestätigte den Vertragsabschluss vom 5. Oktober 2019. Allerdings hat der Wildeshauser voraussichtlich erst ab nächstem Montag, 8. Februar 2021, einen Glasfaseranschluss. Schneller ins Internet kommt Wachsmann aber trotzdem erst in rund zwei Wochen, denn dann wird der Anschluss von der EWE umgeschaltet. 17 Monate Wartezeit sind dann vorüber. Wachsmann fühlt sich, gelinde gesagt, veräppelt.

Dabei sah es erst ganz gut aus, denn im Frühjahr und Sommer 2020 wurde eifrig an Wachsmanns Straße gewerkelt. Die Tiefbauer waren auch bei ihm, um ein Kabel von der Straße aus in sein Haus zu verlegen. Dabei kam ihnen zupass, dass es bereits eine leere Röhre in den Keller gab. „Das Haus ist 30 Jahre alt. Die wurde damals eingebaut, aber nie genutzt“, sagt Wachsmann. Dieser vermeintliche Vorteil entpuppte sich jedoch als gravierendes Problem, denn die Handwerker buddelten zwar in der Auffahrt und verlegten die Leitung, brauchten aber nach eigenen Angaben eine Abschlussmuffe, um die Röhre im Keller zu verschließen. Die hätten sie nicht dabei, sicherten Wachsmann aber zu, sie zu bestellen und demnächst anzubringen, erinnert sich dieser. Die Bauarbeiter waren ja auch noch eine Weile in der Gegend aktiv.

Die Arbeiter zogen dann einfach weiter

„Vergesst mir meine Muffe nicht“, erinnerte Wachsmann die Männer immer, wenn er sie sah. Damals noch mit einem Grinsen. Da dachte er auch noch, bald hätte er Glasfaser. Es fehlte ja nicht mehr viel. Dann waren die Arbeiter aber fertig und zogen weiter. Wachsmann blieb muffenlos zurück und musste sich fortan mit dem Kundenservice der EWE herumschlagen.

Im Spätsommer 2020 gab es den ersten Termin, an dem die Arbeiten abgeschlossen werden sollten. „Seitdem sind vier, fünf weitere gewesen“, sagt Wachsmann. Aber es sei niemand gekommen. Möglicherweise habe auch mal ein Handwerker vor verschlossener Tür gestanden. Das könne er nicht ausschließen. Die EWE habe keine genauen Zeiten oder Tage genannt, deswegen habe er dem Unternehmen gestattet, seine Handynummer weiterzugeben. Er arbeite in Wildeshausen und könne schnell beim Haus rumkommen. Das habe aber auch nicht geholfen.

Im Januar sollte jemand kommen

Kleines Kuriosum am Rande: Während der Wildeshauser schon mit der Firma um seine Muffe rang, rief ein Mitarbeiter an und bot ihm an, seine 16 000er-DSL-Leitung kostenlos auf eine 25 000er aufzuwerten. Das sei üblicher Service. Wachsmann sagte natürlich zu. „Dann hörte ich es tippen, und der Mann sagte, es gebe ja schon einen laufenden Auftrag für Glasfaser. Da könne er dann nichts für mich machen.“

Inzwischen hat Wachsmann eine feste Ansprechpartnerin im Beschwerdemanagement der EWE. Die sei zwar sehr freundlich, könne aber auch nichts machen, außer das Problem weiterzuleiten. Das tat sie offenbar immer wieder.

„Zuletzt hieß es vor zwei Wochen, in der letzten Januarwoche werde jemand die Muffe anbringen“, so Wachsmann. Wieder passierte nichts, und als er dann den Artikel unserer Zeitung über andere EWE-Kunden las, die auch keinen Anschluss bekommen haben, wendete er sich an die Redaktion, die am Mittwoch bei der EWE nachhakte. Außerdem nahm er in seiner Verzweiflung Kontakt zu einem Mitarbeiter des Oldenburger Versorgers auf, den er privat kennt.

Als die Zeitung anruft, geht es schnell

Jetzt ging plötzlich alles ganz schnell. „Leider kamen bei Herrn Wachsmann mehrere Faktoren zusammen, für die wir uns entschuldigen. Seine letzte Beschwerde von Ende Januar wurde leider nicht genauer bearbeitet. Dieses haben wir nun geändert“, teilte die EWE mit. Mit der Baufirma sei vereinbart worden, jetzt sofort alle noch offenen bautechnischen Maßnahmen durchzuführen. „Wir bedauern die Unannehmlichkeiten durch die Verzögerung.“

Wachsmann kann darüber nur milde lächeln. Jetzt wartet er gespannt, ob am Montag die richtige Muffe an ihren Platz kommt und in zwei Wochen die Umschaltung gelingt. Nach knapp eineinhalb Jahren käme er dann tatsächlich schneller ins Internet.

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