Kollision in Wildeshausen

Verfahren gegen Unfall-Fahrer nach tödlichem Zusammenstoß eingestellt

Die Unfallstelle war lange gesperrt.
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Die Unfallstelle war lange gesperrt.

Es war ein Alltagsfehler, wie er jedem passieren könnte: Im Mai 2020 kam es auf der Harpstedter Straße in Wildeshausen zu einem tödlichen Verkehrsunfall. Jetzt wurde das Gerichtsverfahren gegen den Unfall-Fahrer eingestellt.

Viel mehr unglückliche Umstände hätten am Mittag jenes 20. Mai 2020 in Wildeshausen nicht zusammenkommen können: Der heute 23-jährige Fahrer eines Firmenwagens hatte beim Abbiegen auf die Harpstedter Straße zwar die von links kommende Gruppe Rennradfahrer bemerkt, aber die von rechts herannahende Autofahrerin übersehen. Beim Zusammenstoß schleuderte ihr Wagen in die Radsportler, einer von ihnen starb, ein weiterer wurde lebensgefährlich verletzt. Am Freitag nun stand der Unfallverursacher wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung vor dem Wildeshauser Amtsgericht.

Doch schnell herrschte Einigkeit zwischen Richterin, Anklagevertreter und Verteidiger, das Verfahren gegen eine Geldauflage von 1 500 Euro einzustellen – wegen der laut Staatsanwalt „doch sehr tragischen Verkettung des weiteren Verlaufs“. Auch die Richterin sprach von einem „sehr außergewöhnlichen Fall“. Bei allem Leid für die Hinterbliebenen handele es sich beim Verstoß des jungen Mannes „um einen Alltagsfehler, der jedem von uns passieren kann“, verdeutlichte die Vorsitzende.

Auf dem Rückweg vom Kunden

Der Elektroniker war an jenem Tag auf dem Rückweg von einem Kunden, als er von der Reckumer Straße nach links in Richtung Wildeshauser Innenstadt abbog. „Von links habe ich den Bus kommen sehen, davor fuhr jedoch eine Gruppe Radfahrer“, schilderte er selbst den Hergang. Zwar habe er auch nach rechts geblickt, den Wagen der 37-Jährigen aber übersehen. „Beim Zusammenstoß brach ihr Auto aus und schleuderte in die Radfahrer. Ich war geschockt“, schilderte Mann aus der Samtgemeinde Harpstedt.

Die Folgen der Kollision gaben dem Gericht Rätsel auf: Das Fahrzeug der Frau schleuderte – warum auch immer – nach der Kollision nicht nach rechts, sondern nach links und erfasste die hinteren zwei Radler der Gruppe. Wäre es nach rechts abgekommen, hätte es sich womöglich um einen Bagatellunfall gehandelt. Das Verhalten des Angeklagten „hat etwas von einem Alltagsfehler, wie ihn jeden Tag unzählige Menschen begehen“, erkannte die Richterin.

„Das Leid ist nicht wieder gutzumachen“

Nach Sichtung der Unfallakten schien schnell klar, dass der damals 22-Jährige weder in die Kreuzung gerast noch sonst einen krassen Verstoß an den Tag gelegt hatte. Die Tatsache, dass er bisher nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten war, veranlasste den Staatsanwalt zum Vorschlag, das Verfahren einzustellen. Denn „das Gericht wird sich schon etwas dabei gedacht haben, hier keine Zeugen zu laden“, meinte er. Die Richterin stellte klar, dass es keine angemessene Strafe geben könne: „Egal, was am Ende dabei herauskommt: Das Leid der Menschen ist nicht wieder gutzumachen.“

Das wusste auch der 23-Jährige: „Ich bin für den Tod eines Menschen verantwortlich, viele wurden verletzt. Es ist schrecklich, was passiert ist.“ Zwischenzeitlich habe er überlegt, Kontakt zu den Verletzten (etwa der Autofahrerin und ihrem Beifahrer) sowie Angehörigen des Toten aufzunehmen. „Aber ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Und ich hatte Angst, wie sie reagieren würden.“

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