Verein „Brücke“ zieht Bilanz zu seiner Unterstützung junger Straftäter

Jugendliche bringen immer vielfältigere Probleme mit

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Peter Faß, Joachim Musch, Sandra Schier und Gunnar Grehl (v.l.) stellten gestern den Jahresbericht 2014 des Brücke-Projektes Wildeshausen in der Villa Knagge vor.

Landkreis/Wildeshausen - Die Zahl der jugendlichen Straftäter im Landkreis Oldenburg geht zwar zurück, die Arbeit mit ihnen wird aber immer intensiver. Zu diesem Schluss kommt der Verein „Brücke“, der diese Klientel betreut. Gestern stellten der Vorstandsvorsitzende Joachim Musch, Geschäftsführerin Sandra Schier und zwei pädagogische Mitarbeiter ihren Bericht für das Jahr 2014 vor.

Die Zahl der Teilnehmer an ambulanten Maßnahmen des Vereins falle mit 46 etwas niedriger aus als in den Vorjahren, berichtete Schier. Gleichzeitig wachse der Betreuungsaufwand. „Die Jugendlichen laufen mit einer größeren Bandbreite an Problemen bei uns auf“, erklärte der Pädagoge Gunnar Grehl. Eine Entwicklung, die sich schon länger zeige, ebenso wie der Anstieg des Durchschnittsalters der Betroffenen. 2014 lag es bei 18,2 Jahren.

Die häufigsten Delikte seien Diebstahl und Körperverletzung, aber auch Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz spielten eine Rolle, sagte Schier.

Die jungen Straftäter kommen aufgrund einer richterlichen Weisung zur „Brücke“. Mit Angeboten wie Anti-Gewalt-Trainings, Suchtberatungen oder – ganz neu – Seminaren über Cyber-Kriminalität versuchen die Mitarbeiter, „Negativ-Biografien aufzubrechen und zu verändern“, wie Pädagoge Peter Faß die Arbeit des Vereins beschrieb. Ziel ist es auch, den Straftätern neue Perspektiven zu eröffnen. „Und das haben wir auch 2014 ziemlich gut geschafft“, ergänzte Faß. Das gilt nicht nur für das Privatleben. Es seien zum Beispiel so viel Jugendliche in Arbeit beziehungsweise Ausbildung vermittelt worden wie nie zuvor. Messinstrument für den Erfolg sei auch immer die Abbrecherquote, ergänzte Musch. Wobei die nicht ganz so leicht zu ermitteln sei. „Mehr als 80 Prozent schließen die Maßnahmen erfolgreich ab“, so Musch, und bei den übrigen knapp 20 Prozent seien auch diejenigen dabei, die wegziehen oder ihre Teilnahme unterbrechen, weil sie Arbeit gefunden haben.

Diese Arbeit will die „Brücke“ fortsetzen. Von dem Zuchtmittel des Jugendarrestes halten die Mitarbeiter wenig, selbst wenn dabei momentan ebenfalls eine bessere pädagogische Begleitung angedacht werde. „Das sehen wir ausgesprochen kritisch“, erklärte Musch, weil der Arrest an sich ohnehin in den wenigsten Fällen sinnvoll sei und eine pädagogische Begleitung „in geschlossenen Einrichtungen nicht so fruchtbar“ ist.

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