109 Realschüler haben ihren Abschluss geschafft und feiern in kleinem Kreis

Verabschiedung in fünf Akten

Verabschiedung mit Abstand in der Aula: In der ersten Feierstunde waren die Schüler der Klasse 10a dran. 
Foto: backhaus
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Verabschiedung mit Abstand in der Aula: In der ersten Feierstunde waren die Schüler der Klasse 10a dran. Foto: backhaus
  • Dierk Rohdenburg
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Wildeshausen – Jedes Jahr steht der Wildeshauser Realschulleiter Jan Pössel kurz vor den Sommerferien vor knapp 500 Schülern, Kollegen sowie Eltern, um die zehnten Klassen zu verabschieden. Diesmal war das wegen der Corona-Pandemie nicht möglich. Die Schule verabschiedete deshalb am Freitag die fünf Klassen nacheinander, weil in diesem Rahmen auch Eltern dabei sein durften. Die Rede stellte Pössel am Abend als Videobotschaft auf die Homepage der Schule und sagte: „Jetzt stehe ich auf derselben Bühne wie die vergangenen zehn Jahre auch, aber das einzige, was ich sehe, ist eine Kamera.“

Das Grußwort richtete sich an 109 Schüler, die ihren Realschulabschluss erreicht haben. 44 von ihnen können sich sogar über einen erweiterten Abschluss freuen.

„Hinter uns liegen – wenn wir den 13. März als Startpunkt nehmen – 14 Wochen Ausnahmezustand“, berichtete Pössel. Das spiegele sich auch in der Sprache wider. Nun seien Worte wie Abstandsregeln, Einkaufswagenpflicht, Social-Distancing in aller Munde. Die neuen Medienstars seien Virologen wie Christian Drosten.

„Mir ist bewusst, dass die Einschränkungen die meisten von euch hart getroffen haben“, wandte sich Pössel an die Absolventen. „Keine Freunde treffen, keine Shoppingtouren, kein Training. Die Saisons wurden vorzeitig beendet, auch fast alle Hobbys waren nicht mehr möglich, und gefeiert werden durfte schon gar nicht“, zählte er auf. Ihm tue es beruflich leid, dass es keine feierliche Zeugnisübergabe vor 500 Leuten gebe. „Einen Abschlussball feiert ihr heute auch nicht. Das finde ich wirklich schade“, so Pössel, der anregte über einige Corona-Auflagen zu diskutieren. „Ist es mit Artikel 1 unseres Grundgesetzes ,Die Würde des Menschen ist unantastbar‘ vertretbar, Menschen in Heimen bis zu zehn Wochen lang ,in ihr Zimmer zu sperren‘ ohne eine Chance auf Besuch, Berührung, auf soziale Kontakte? War das ,Wegsperre‘ der alten Menschen in den Alten- und Pflegeheimen mit dem Grundgesetz vereinbar, selbst wenn es damit begründet wurde, dass es zu deren Schutz dienen sollte?“

Konkret bezogen auf Schule gebe es auch Punkte, die zu diskutieren seien: „Warum dürfen Lehrer jetzt plötzlich über soziale Medien mit ihren Schülern in Kontakt treten, wenn es ihnen ansonsten unter Androhung von Disziplinarmaßnahmen untersagt ist? Es gelten – rein rechtlich betrachtet – dieselben Regeln wie vor der Pandemie!“

Pössel mahnte die Schüler: „Die Corona-Pandemie ist noch nicht vorbei. Macht euch in den nächsten Wochen und Monaten euer eigenes Bild, seid wachsam und informiert euch aus unterschiedlichen Quellen.“ Er hoffe, dass die Schüler irgendwann – in vielleicht 24 Monaten – zurückblicken und sagen: Obwohl wir keine große Abschlussfeier hatten, blicken wir dennoch auf eine tolle Schulzeit zurück.“  dr

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