Wirtschaftsvertreter hinterfragen Kostenentwicklung bei Großprojekten

UZW und Kita? Ja, aber nicht zu teuer

In der Kritik: Die Wirtschaftsvertreter können nicht nachvollziehen, warum der Neubau der Kita Weizenstraße so teuer ist.
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In der Kritik: Die Wirtschaftsvertreter können nicht nachvollziehen, warum der Neubau der Kita Weizenstraße so teuer ist.

Wildeshausen – Verwaltung trifft Wirtschaft: Die Spitzen aus dem Wildeshauser Stadthaus haben sich mit Vertretern der Mittelstandsvereinigung (MIT) sowie des Handels- und Gewerbevereins (HGV) zusammengesetzt, um Meinungen und Standpunkte auszutauschen. Dabei ging es vor allem um finanziell aus dem Ruder gelaufene Großprojekte wie den Neubau der Kita Weizenstraße und das geplante Urgeschichtliche Zentrum Wildeshausen (UZW).

Das geht aus einer am Freitag versandten gemeinsamen Pressemitteilung von Verwaltung und Wirtschaft hervor.

„Vor allem angesichts der Sparmaßnahmen wie zum Beispiel beim Freibad, welche bei der Bevölkerung wie auch in der Wirtschaft nicht positiv aufgenommen worden sind, ergab sich ein sehr reger Austausch zu den angesprochenen Themen“, so der MIT-Vorsitzende Ingo Hermes. Aus Sicht der Mittelstandsvereinigung hätten sich dabei einzelne Punkte geklärt oder seien relativiert worden. „Doch bleiben wichtige Themen auch weiterhin nicht nachvollziehbar.“

Anlass für das Gespräch, das Ende Februar stattfand, war ein offener Brief, in dem die MIT Ende vergangenen Jahres unter anderem die Kostenentwicklung beim UZW und der Kita Weizenstraße hinterfragt hatte. Ersteres wird voraussichtlich mehr als zwei Millionen Euro teuer als gedacht, weil die Sanierung des alten Feuwehrhauses enorme Summen verschlingen würde. Bei der noch im Bau befindlichen Kita lief die Ausschreibung Anfang 2020 ebenfalls anders als erwartet, sodass die Gesamtkosten von rund zwei auf nun etwas mehr als drei Millionen Euro kletterten.

UZW von zentraler Bedeutung für die Stadt

„Das UZW ist für die touristische Entwicklung der Stadt von zentraler Bedeutung, gerade was die Stärkung des Handels in der Innenstadt betrifft. Insoweit sollte unbedingt an einer Realisierung festgehalten werden“, so die gleichlautende Meinung aller Beteiligten. Dennoch zeigte sich die Mittelstandsvereinigung sehr erstaunt, dass die geschätzten Kosten in die Höhe geschossen sind, heißt es in der Mitteilung. Natürlich unterstütze die MIT das UZW als wichtiges Alleinstellungsmerkmal der Kreisstadt. Allerdings sollten alle Beteiligten hier genau abwägen, ob wirklich alle Forderung für dieses Projekt notwendig und vor allen finanzierbar sind, rät Hermes.

Hinsichtlich der deutlich gestiegenen Kosten für das Vorhaben stellt sich für Johannes Lenzschau vom HGV inzwischen die Frage, ob anstelle der ehemaligen Feuerwache nicht andere Alternativen wirtschaftlicher sind, wie zum Beispiel die Übernahme eines Gebäudes an der Herrlichkeit. Denkbar sei die Immobilie der ehemaligen Gehörlosenschule. Bekanntlich zieht die Polizei dort ab, und es wird nach Nachnutzungen gesucht.

In Bezug auf die Kita Weizenstraße sehen die Wirtschaftsvertreter Probleme bei der Art der Ausschreibung. Statt einzelne Gewerke zu vergeben, hatte die Stadt das gesamte Projekt für einen Generalunternehmer ausgeschrieben, der schlüsselfertig bauen sollte. „Nach wie vor sind wir besorgt darüber, dass zum Teil erhebliche Abweichungen im Kostenrahmen aufgetreten sind. Hier können wir schlicht nicht nachvollziehen, dass die Gründe ausschließlich in der geringen Anzahl der Angebote aufgrund voller Auftragsbücher zu sehen sind“, so Hermes. In Zukunft sollte versucht werden, Vergabeverfahren zu wählen, die eine breitere Reichweite vor allem bei ortsansässigen Handwerksbetrieben beinhalten, rät er.

Die Vergabe von Einzelgewerken bietet aus Sicht der MIT mehr Kostentransparenz und könne dazu beitragen, etwaige Kostenentwicklungen besser nachzuvollziehen. „Vor allem muss es den kleineren Wildeshauser Handwerksbetrieben möglich sein, sich an Ausschreibungen zu beteiligen“, betont Hermes. „Außerdem sollte gezielt über den weiteren Einsatz von eigenen Personalressourcen im Stadthaus nachgedacht werden, wenn es um die Erstellung von Leistungsverzeichnissen bei den städtischen Bauprojekten geht. Hier kann in der Praxis eine Menge für den Auftraggeber herausgeholt werden, wenn die Grundlagen stimmen, wie zum Beispiel beim Brandschutz oder bei Elektroarbeiten.“

Kita-Neubau wird aufgearbeitet

Aus Sicht der Verwaltung verteidigt Baudezernent Manfred Meyer die gewählte Vorgehensweise: „Die schlüsselfertige Ausschreibung des Projektes war zum damaligen Zeitpunkt bei der Auslastung der technischen Abteilung, der Vielzahl weiterer Projekte und die Einhaltung der Zeitschiene das Mittel der Wahl, um mit dem Bau zeitnah beginnen zu können.“ Er streicht den Sinn dieser Art der Vergabe heraus. So böten schlüsselfertige Vergaben auch Vorteile, gerade was den Projektablauf und Gewährleistungsfragen betrifft. „Im Übrigen konnten wir die technische Abteilung zwischenzeitlich personell weiter aufstocken, sodass wir fortan verstärkt auf Einzelgewerke setzen können“, informiert Meyer.

Die Verwaltung will das ganze Thema anlässlich der Kritik noch einmal aufarbeiten. „Wir können die Sorgen der MIT durchaus nachvollziehen und sind ebenso besorgt, dass es immer wieder zu Abweichungen kommt. Wir haben uns daher im Nachgang des Gespräches entschlossen, den Werdegang des Projektes nochmals mithilfe eines Experten aufzuarbeiten, um so etwaige offene Fragen zu klären und gegebenenfalls nachzusteuern“, kündigt Bürgermeister Jens Kuraschinski an.

„Auf die Ergebnisse dieser Aufarbeitung sind wir sehr gespannt“, meint Hermes. „Der MIT ist ebenso wie der Stadt daran gelegen, mit den vorhandenen Steuermitteln den größtmöglichen Erfolg zu verwirklichen. Hier werden wir auch in der Zukunft weiter genau hinsehen, was mit unseren Steuermitteln geschieht“, so Hermes.  bor

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