Urteil: 40 Monate Haft für Geschäftsmann

„Sie bescheißen Gott und die Welt“

Wildeshausen - „Man muss die Geschäftswelt vor solchen Machenschaften schützen.“ Mit diesen Worten verurteilte die Richterin des Schöffengerichts in Wildeshausen am Mittwochabend einen Geschäftsmann aus der Kreisstadt zu drei Jahren und vier Monaten Gefängnis wegen gewerbsmäßigen Betruges in 15 Fällen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es geht über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus, die drei Jahre Haft gefordert hatte. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.

„Es spricht nicht viel für den Angeklagten“, hatte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer betont. Der Geschäftsmann sei mit „erheblicher krimineller Energie“ vorgegangen, als er ab 2009 diverse Holzlieferungen bei verschiedenen Werken bestellt habe. Er habe sich das Geld von den Endkunden überweisen lassen, ohne es dann an die Lieferanten weiterzuleiten. Zudem habe er zwei Rechnungen einer Wildeshauser Autowerkstatt nicht bezahlt. Insgesamt sei so ein Schaden von 124.164,20 Euro entstanden.

„Sie sind ein typischer Betrüger, der das eine sagt und das andere macht“, warf die Staatsanwältin dem Wildeshauser vor. Dabei habe er vertrauensvolle Beziehungen zu den Geschäftspartnern ausgenutzt und einen Schaden produziert, den er wohl auf lange Sicht nicht wieder gutmachen könne.

Der Verteidiger hingegen hatte „erhebliche Zweifel“ an einem vorsätzlichen Tun. Es handele sich um ein „gut einjähriges Geschehen“. Der Geschäftsmann habe sich offenbar als unfähig erwiesen, selbstständig tätig zu sein. Seit 2011 habe es – außer dem Vorfall bei der Autowerkstatt – keine Auffälligkeiten mehr bei seinem Mandanten gegeben. Das wiederum konterte die Staatsanwältin mit einem Hinweis darauf, dass weitere acht Verfahren anhängig seien, bei denen aber noch nicht Anklage erhoben wurde.

Am letzten Verhandlungstag war ein Sägewerksbesitzer geladen, der dem Wildeshauser Holz im Wert von über 95.000 Euro geliefert hatte. „Ich hatte großes Vertrauen“, berichtete der Kaufmann. Dann sei aber bis auf zwei kleine Rechnungen nichts beglichen worden. Nachdem ein Inkasso-Büro dem Sägewerksbesitzer „keine Chance auf Erfolg“ beim Eintreiben des Geldes einräumte, hatte er einen Wirtschaftsdetektiv beauftragt. Dieser war ebenfalls als Zeuge vor Gericht und kam damals nach eigenen Aussagen sehr schnell zu dem Ergebnis, dass der Wildeshauser Geschäftsmann „betrügerisch unterwegs“ ist.

„Für diesen Lebensstil konnte man das Geld nicht normal erwirtschaften“, erklärte er, wollte aber nur wenige Details seiner Ermittlungen nennen. Pikant dabei war, dass sich Detektiv und Angeklagter im Laufe der Jahre sehr gut kennenlernten und offenbar direkt vor der Verhandlung noch eine Stunde miteinander sprachen. „Er hat mich gebeten, gut für ihn zu sprechen“, so der Detektiv. „Ich sollte sagen, dass ich nicht wüsste, warum ich vorgeladen bin.“

Nach Angaben des Detektivs hatte der Wildeshauser mehrmals bei ihm angerufen und um Geld „gebettelt“. Im vergangenen Jahr habe er beispielsweise mehrere Tausend Euro für einen Autokauf benötigt und bei ihm angefragt. Er sei arbeitslos und brauche für eine neue Stelle den Wagen. Davon wollte der Angeklagte im Gericht nichts mehr wissen. Dessen Verteidiger erklärte sogar, dass es gar keine Arbeitslosigkeit gegeben und sein Mandant im Frühjahr ein Auto von seinem Vater erhalten habe.

Das brachte bei dem Detektiv das Fass zum Überlaufen. „Sie bescheißen Gott und die Welt. Sie hätten mich also voll gegen die Wand laufen lassen. Noch letzte Woche haben Sie bei mir um Geld gebettelt“, warf er dem Angeklagten an den Kopf, der jedoch regungslos blieb.

Nicht nur wegen dieses Vorfalls erkannten Richterin und Staatsanwältin „immer die gleiche Masche“. Da im Bundeszentralregister unter anderem sieben Einträge wegen Betruges und vorsätzlicher Insolvenzverschleppung erfasst sind, blieb nach Angaben der Richterin nur noch eine lange Haftstrafe.

dr

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