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Ursula Bauermeister aus Brettorf hilft Kindern, deren Eltern psychisch krank sind

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Von: Ove Bornholt

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Setzen sich für Kinder psychisch kranker Eltern ein: Patin Ursula Bauermeister (links) aus Brettorf und Koordinatorin Kristina Traeger von „Plan A“.
Setzen sich für Kinder psychisch kranker Eltern ein: Patin Ursula Bauermeister (links) aus Brettorf und Koordinatorin Kristina Traeger von „Plan A“. © bor

Eine unbeschwerte Kindheit ist für Kinder, deren Eltern psychisch krank sind, oft nur ein Traum. Ursula Bauermeister aus Brettorf hilft als Patin.

Wildeshausen/Brettorf – Von einer unbeschwerten Kindheit kann meistens keine Rede sein, wenn die Eltern psychisch krank und deswegen mit der Erziehung überfordert sind. Damit kleine Mädchen und Jungen rauskommen, einen anderen Alltag erleben und einfach mal Kind sein dürfen, werden Patenschaften angeboten. Eine Patin ist Ursula Bauermeister (67) aus Brettorf, die über die Freiwilligenagentur „mischMIT!“ in Wildeshausen zu ihrer Tätigkeit gekommen ist und deren Ehrenamt am Freitag bei einem Pressetermin vorgestellt wurde.

Ehrenamtliche Aufgabe

Bauermeister, graue Kapuzenjacke, dunkle Hose, schwarze, halbhohe Stiefel, kurze, graue Haare und ein freundliches Lächeln, ist gelernte Heilpädagogin. Sie hat in der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Wichernstifts in Ganderkesee gearbeitet und stieß durch eine Zeitungsmeldung auf die Patenschaft für Kinder von psychisch kranken Eltern. „Das ist etwas, das kann ich“, stand für die 57-Jährige, die sich angesichts der nahenden Rente ehrenamtlich engagieren wollte, fest. „Durch meine Berufserfahrung habe ich mich sicher gefühlt.“ Sie meldete sich bei „mischMIT!“ und übernahm nach einigen Gesprächen, einer Schulung und der Vorstellung bei der betroffenen Familie im Jahr 2016 die Patenschaft für einen Mädchen und Jungen im Vorschulalter. Über die Krankheit der Mutter soll an dieser Stelle nicht berichtet werden, damit sie nicht identifiziert werden kann. Die Familie lebt im Landkreis Oldenburg.

Das Einverständnis der Eltern ist die Voraussetzung für die ehrenamtliche Patenschaft. In diesem Fall hatte sich das Jugendamt wegen der Situation in der Familie bei der gemeinnützigen Gesellschaft „Plan A“ in Delmenhorst gemeldet. Diese ist als gemeinnützige GmbH ein Träger der freien Jugendhilfe und bietet lebensweltorientierte ambulante Kinder- und Jugendhilfemaßnahmen an. „Plan A“ sprach sich für die niedrigschwellige Maßnahme der Patenschaft aus, die in dieser Form seit 2009 angeboten wird. Die Ehrenamtlichen erhalten eine Aufwandsentschädigung von 50 Euro pro Monat.

Bauermeister ist geschieden, hat zwei erwachsene Kinder und bewohnt ein Einfamilienhaus mit großem Garten in Brettorf. Einmal pro Woche hat sie die Patenkinder für einen Nachmittag abgeholt. „Wir haben im Garten Verstecken gespielt oder im Haus gebacken und gekocht“, erinnert sich die Rentnerin mit einem Lächeln. Das hätten die Kinder von Zuhause nicht gekannt. Genau wie die Feuerschale und das Stockbrot backen. Später folgten Ausflüge an die Nordsee und einen Kletterpark sowie Besuche der Bücherei. Der Junge habe angefangen zu lesen und sich begeistert auf die Harry-Potter-Romane gestürzt, berichtet Bauermeister. Später, als sie in der Schule länger Unterricht hatten, übernachteten die Patenkinder am Wochenende bei ihr.

Begleitung durch schwierige Zeiten

Doch es kamen auch schwierige Zeiten, etwa, wenn es Zuhause Probleme gab oder die Kinder mal nicht so gut drauf waren. „Manchmal habe ich mich wie eine Art Animateur gefühlt“, sagt Bauermeister. „Aber mir kam zugute, dass ich den Beruf kenne. Und ich neige nicht dazu, schnell aufzugeben.“ Für solche Fälle bietet auch die Freiwilligenagentur ihre Unterstützung an. Es geht darum, die Ehrenamtlichen nicht alleine zu lassen.

Über die Jahre wuchs das Vertrauensverhältnis. „Sie nennen mich Uschi und stellen mich als ihre Patentante vor. Für mich sind sie fast wie Enkelkinder“, sagt die 67-Jährige. Sie will die beiden weiter betreuen. Die Patenschaft endet formal mit dem 18. Geburtstag. Eine weitere Familie möchte die Brettorferin dann aber nicht übernehmen. Es würden andere Aufgaben auf sie warten, sagt sie mit Blick auf eigene Enkel.

Weitere Infos

Kontakt zu „mischMIT!“ ist unter Telefon 04431/7483475 möglich. „Plan A“ ist über die Internetseite www.plan-a-ggmbh.de erreichbar.

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