Verdächtigte Frau inzwischen verstorben

Unterschlagung in der Verwaltung: Mitarbeiterin entwendet mindestens 85.000 Euro

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Im Stadthaus wurde jahrelang Bargeld unterschlagen. Doch die verantwortliche Mitarbeiterin ist ermittelt worden.

Im Zuge der Jahre 2010 bis 2018 wurden in der Stadtverwaltung Wildeshausen mindestens 85 000 Euro unterschlagen. Darüber informierte Bürgermeister Jens Kuraschinski am Freitagvormittag im Rahmen eines Pressegesprächs. Zuvor hatte er die Kollegen im Stadthaus über die Unterschlagung in Kenntnis gesetzt, die im September 2018 aufgeflogen war.

Wildeshausen - Die verdächtigte Mitarbeiterin ist mittlerweile verstorben, aber Stadtsprecher Hans Ufferfilge betonte: „Die Täterschaft ist eindeutig geklärt.“ Kuraschinski sagte: „Schlussendlich bin ich erleichtert darüber, dass der Diebstahl aufgeklärt werden konnte. Mit der Aufklärung wurde schließlich auch das im Team aufgekommene Misstrauen ausgeräumt, was für eine zukünftige Zusammenarbeit untereinander unerlässlich ist.“ 

Wie genau das Geld unterschlagen wurde, wollte Kuraschinski nicht sagen, damit die Mitarbeiterin, die ja auch nicht rechtskräftig verurteilt wurde, nicht identifizierbar ist. Es handelte sich jeweils um Barbeträge. Die Kollegin hat im Fachbereich „Bürgerservice, Migration und öffentliche Ordnung“ gearbeitet. Laut Bürgermeister wurde das Vier-Augen-Prinzip bei Einzahlungen in die Stadtkasse stets eingehalten. Allerdings gebe es auch Zeiträume, zum Beispiel nachts, in denen das Bargeld vor der Einzahlung bei der Bank im Stadthaus lagere. Zu diesen Zeiten gebe es natürlich niemanden, der das Geld im Auge habe. Und im Nachhinein wurden Abrechnungsunterlagen manipuliert. Zudem fehlen teilweise Kontrollbelege, die wahrscheinlich mit Absicht verloren gegangen sind. 

Es handelt sich also um erhebliche kriminelle Energie. Ähnlich wie bei dem Unterschlagungsfall im Kreishaus (wir berichteten). Der Betrug war aufgeflogen, als im September 2018 bemerkt wurde, dass 1 503 Euro entwendet worden waren. Daraufhin hatte die Stadt die Polizei und das Rechnungsprüfungsamt des Landkreises Oldenburg eingeschaltet. Letzteres hat in mühseliger Kleinarbeit Unterlagen bis 2010 geprüft und so die Schadenssumme von knapp 85 000 Euro ermittelt. Es kann sein, dass es schon vorher Unterschlagungen durch die Person gab, sodass es sich um einen Mindestbetrag handelt. 

Doch um in der Recherche noch weiter zurückzugehen, fehlen Unterlagen. Polizei und Staatsanwaltschaft ermittelten zur Täterschaft, aber da die Verdächtige starb, wurden die Ermittlungen eingestellt. Gegen Tote wird in Deutschland grundsätzlich nicht ermittelt. Daraufhin hakte die Stadt bei der Generalstaatsanwaltschaft nach, die hinsichtlich der Täterschaft zu einer klaren Überzeugung gekommen ist, wie es in einer Mitteilung der Stadt heißt. Die Verwaltung hat nach dem Vorfall gehandelt. 

Wie Kämmerer Thomas Eilers versicherte, wurden die Abläufe mittlerweile wieder so hergestellt wie vor der Manipulation, sodass sich ein solcher Fall nicht wiederholen könne. „Es ist an allen Verantwortlichen vorbei manipuliert worden“, blickt Eilers zurück. Nun soll geprüft werden, ob die die Stadt die unterschlagenen Gelder auf zivilrechtlichem Wege zurückfordern kann. Kuraschinski sagte während des Pressegesprächs zu der Unterschlagung: „Ein solcher Vorgang darf nicht hinter geschlossenen Türen bleiben.“ Die Stadt habe noch viel vor, und er sei sehr erleichtert, dass der Generalverdacht gegen die Mitarbeiter im Stadthaus jetzt ausgeräumt sei.

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