Flüchtlinge und Migranten könnten Pflegefachkräfte werden

„Unsere Senioren schätzen Omar wirklich“

Fidan Rashed (links) und Omar Shanaf Al Din absolvieren ein Praktikum im Alexanderstift. Die Chinesin Jia qi Shi alias „Sophia“ lernt bereits als Auszubildende etwas über Altenpflege. - Foto: bor

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Ob die Senioren im Wildeshauser Alexanderstift bei den Bildern von Flüchtlingen in der Zeitung oder in der Tagesschau daran gedacht haben, dass einige dieser Menschen auf den Booten auf dem Mittelmeer oder in den Zügen nach Bayern bald mit für ihre Pflege zuständig sind? Wie auch immer, jetzt machen der Sudanese Omar Shanaf Al Din (21) und die Syrerin Fidan Rashed (19) ein Praktikum in der Einrichtung und könnten perspektivisch das große Nachwuchsproblem in der Altenpflege zumindest ein wenig lindern.

Die beiden lernen in Sprint-Klassen der Berufsbildenden Schulen (BBS) in Wildeshausen Deutsch und die deutsche Kultur kennen. Anschließend können sie eine Ausbildung zum Altenpfleger an den BBS und einem Träger im Landkreis Oldenburg machen, „wenn wir aufgrund der Erfahrung, die wir mit dem Schüler gemacht haben, denken, er könnte die Ausbildung schaffen“, sagt BBS-Leiter Gerhard Albers. Eigentlich sei dafür ein Realschulabschluss erforderlich, aber den müssten Flüchtlinge nicht nachholen, sollte die Berufsschule grünes Licht geben. Die Prüfung am Ende verlangt den Asylbewerbern allerdings genauso viel ab wie von einheimischen Auszubildenden.

Der Leiter des Alexanderstifts, Sascha Lücke, lobt Al Din: „Unsere Senioren schätzen ihn wirklich. Er ist ein offener Typ und lacht immer.“ Der 21-Jährige zeigt ein breites Grinsen. „Alle sind nett“, sagt er über die Bewohner des Stifts. Er wolle Deutsch lernen, eine Ausbildung machen und dann hier arbeiten. Allerdings ist sein Asylstatus genau wie der von Rashed noch nicht gesichert.

Die Syrerin lebt mit ihrer Familie in Sandkrug und kommt von dort mit dem Bus nach Wildeshausen. Eine Stunde dauert die Fahrt. Zweimal die Woche, einmal öfter als Al Din, der noch nicht so gut deutsch spricht, hilft sie im Rahmen ihres Praktikums im Alexanderstift aus.

Etwas anders gelagert ist der Fall von Jia qi Shi (26). Sie kommt aus dem Umfeld von Shanghai in China und beendet nun ihr erstes Ausbildungsjahr zur Altenpflegerin bei den Landdiensten in Dötlingen. Die 26-Jährige, deren asiatischer Name für viele zu kompliziert ist und die deswegen auf „Sophia“ hört, studierte Germanistik in China und ging dann nach Deutschland. Ihre Mutter sei Krankenschwester, auch deswegen habe sie sich für einen Job in diesem Bereich entschieden. Weiter studieren möchte sie nicht. „Goethe und Schiller sind mir zu trocken.“

Alle drei eint ihr Heimweh und die Hoffnung, die die BBS-Fachlehrer und Pflegeeinrichtungen in sie setzen. Nämlich, den Bedarf an ausgebildeten Kräften zu decken. „Es handelt sich klar um einen Mangelberuf. Und die Lage dramatisiert sich“, meint zum Beispiel die Pädagogin Maria Wübbeler. Auch Lücke sieht derzeit große Probleme: „Wenn wir im Alexanderstift nicht so gut ausbilden und die Azubis übernehmen könnten, hätten wir keine Fachkräfte mehr.“

Diese sollen auch mit Umschulungen, die sich an Ältere richten, gewonnen werden. Dadurch ließe sich ein ganz anderer Blick aufs Leben gewinnen, so Wübbeler. Für Interessierte gibt es eine dreijährige Ausbildung an den BBS, die von der Agentur für Arbeit gefördert wird.

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