In guten wie in schlechten Zeiten

Unheilbar krank: Warum ein Paar nach zehn Jahren Ehe jetzt kirchlich heiratet

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Nach der Trauung gab es einen Sekt in der Limousine.

Wildeshausen - Manchmal führt der äußere Schein ganz gewaltig in die Irre. Daniel Andrich und Franziska Andrich-Fentroß (beide 33) haben sich am Montagnachmittag in der Wildeshauser Alexanderkirche das Ja-Wort gegeben. Kleid, Kirche und Limousine – alles wie im Bilderbuch, könnte man meinen.

„Aber vieles ist nur Fassade. Das äußere Erscheinungsbild kann täuschen“, sagt die 33-Jährige, die vor zwei Jahren schon fast jeden Lebensmut verloren hatte.

Heiratsantrag unterm Holstentor in Lübeck

Franziska Andrich-Fentroß leidet unter einer seltenen Form von Darmkrebs, ihr Mann ist an Multipler Sklerose erkrankt – beides unheilbar. Im Jahr 2018 war eine von vielen anstrengenden Operationen bei der 33-Jährigen angesetzt. Die Lebensqualität hatte immer mehr abgenommen. Doch dann war da Daniel Andrich, der am Bett seiner Frau saß und sagte: „Du wolltest doch noch kirchlich heiraten, mit Kleid und allem.“ Sie fand daraufhin den neuen Lebensmut, den sie brauchte, um weiterzumachen.

Das gegenseitige Versprechen, in der Kirche zu heirateten, ist schon ein bisschen älter. Denn am 10. Februar 2010, vor genau zehn Jahren, hatte das Paar standesamtlich geheiratet. Es war am Valentinstag 2009, als er seine Jugendliebe, mit der der Wildeshauser seit dem 17. Lebensjahr zusammen ist, im Auto mit zum Schlittschuhlaufen nach Bremen nehmen wollte. Dann befuhr er aber einfach weiter die A 1 und stoppte erst in Lübeck. In der Hansestadt gab es für seine völlig überraschte Franziska erst ein tolles Essen, dann einen romantischen Spaziergang im Schnee und schließlich einen Heiratsantrag unterm Holstentor.

Da waren sie dann also verlobt. Und eigentlich heiratet man ja im Laufe des Folgejahrs. „Das war mir aber zu spießig“, sagt Franziska Andrich-Fentroß. Doch einen Monat vor dem Ende der Frist änderte sie ihre Meinung, wollte jetzt unbedingt noch vor Ablauf des Jahres vor den Traualtar treten. Allerdings war das ein bisschen zu kurzfristig, um eine große Feier zu organisieren. Also entschloss sich das Paar, nur standesamtlich zu heiraten, im „Alten Amtshaus“ in Wildeshausen mit Familie und Trauzeugen. „Spätestens bis zur hölzernen Hochzeit holen wir die kirchliche Trauung nach“, lautete die Absprache zwischen beiden.

Daniel Andrich und Franziska Andrich-Fentroß gehen aus der Alexanderkirche. Pastor Markus Löwe hat das Paar getraut.

Aber wie das manchmal im Alltag so ist, geriet das Versprechen erst einmal in Vergessenheit, blieb nur noch im Hinterkopf. Der Kampf um die Gesundheit bestimmte ohnehin den Großteil ihrer Zeit. Allerdings stellen beide klar: „Wir wollen kein Mitleid, sondern respektiert und anerkannt werden, so wie wir sind.“ Sie kommt aus Lüerte, lebt mit ihrem Mann, einem gebürtigen Wildeshauser, zurzeit aber in der Gemeinde Visbek. Im Laufe des Jahres wollen sie zurück in den Landkreis Oldenburg ziehen.

Ehepartner sind schwer krank

Daniel Andrich arbeitet als Service- und Wartungstechniker im Außendienst bei der „ISM-Industrie Service GmbH“ aus Rheinland-Pfalz. Der 33-Jährige hält millionenteure Trumpf-Stanzmaschinen und Laser bei VW, Siemens und Co. instand, wofür er montags bis freitags zwischen Husum und Frankfurt, Chemnitz und Emmerich am Rhein unterwegs ist. Es ist sein Traumjob. Seine Frau hat erst das Maler- und Lackiererhandwerk gelernt, landete letztlich aber im Einzelhandel als Fachberaterin in der Farbenabteilung im Hagebau-Markt in Wildeshausen. Dort würde Franziska Andrich-Fentroß ihre Arbeit gerne wieder aufnehmen, wenn es gesundheitlich möglich wäre. „Wir versuchen, das Beste daraus zu machen“, sagt die 33-Jährige. „Man darf sich nicht gehen lassen“, ergänzt ihr Mann. „Wir wollen anderen Menschen, die auch schwer erkrankt sind, Mut machen.“

Franziska Andrich-Fentroß leidet an familiärer adenomatöser Polyposis (FAP). Einer seltenen Darmkrebserkrankung, die vererbt wird. Schon ihre Mutter verstarb daran, als das Mädchen fünf Jahre alt war. Ein paar Jahre später wurde bei ihr FAP diagnostiziert. Im Laufe der Jahre verschlimmerte sich die Krankheit, schritt weiter fort. Seitdem sie eine Jugendliche war, musste Franziska Andrich-Fentroß immer wieder operiert werden, bis es zur Szene am Krankenhausbett vor zwei Jahren kam.

„Wir sind nicht nur Ehepartner, sondern beste Freunde. Was wir erreichen, schaffen wir, weil wir zusammen stark sind“, sagen die Eheleute, die bewiesen haben, dass sie in guten wie in schlechten Zeiten zueinanderhalten. So wie sie es sich am Montag noch einmal versprochen haben.

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