Traditionelle Wallhecken im Nordwesten

Unauffällig, wertvoll, förderfähig

Eine Wallhecke.
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Eher unscheinbar, aber erhaltungswürdig und gut für die Natur: Wallhecken, wie sie für die Region typisch sind.

Landkreis/Harpstedt – Wallhecken sind Wälle, die mit Bäumen und Sträuchern bewachsen sind. Sie dienen oder dienten der Einfriedung. Diese regional typischen Anpflanzungen sind nicht nur kulturhistorisch interessant, sie dienen heute nicht zuletzt dem Artenschutz und dem Schutz von Ackerflächen. Seit 2013 bearbeitet der Harpstedter Diplom-Biologe Dr. Jürgen Brand für die „Oldenburgische Landschaft“ Förderanträge für die Wallheckenpflege. Er erfasst und vermisst die beantragten Wallhecken und ist darüber hinaus für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. In einem Beitrag für unsere Zeitung erklärt er die Bedeutung dieser Einfriedungen.

„Die Wallheckenlandschaften, wie man sie heute vor allem noch im oldenburgisch-ostfriesischen Raum findet, entstanden im 18. und 19. Jahrhundert. Damals wurden im Zuge einer Agrarreform viele neue Landstücke geschaffen, die mit unpassierbaren Wallhecken umfriedet werden mussten“, berichtet der Fachmann. Sie dienten ursprünglich nicht nur der Abgrenzung, sondern bildeten eine Lebensgrundlage für die Landbevölkerung: Denn sie lieferten in der weitgehend entwaldeten Landschaft lebenswichtiges Bauholz, Brennholz und Holz für die Herstellung von Gebrauchsgegenständen.

In der heutigen Landschaft komme intakten Wallhecken – besonders in intensiv landwirtschaftlich genutzten Gebieten – eine hohe ökologische Bedeutung zu: Sie dienen als Lebensraum, Rückzugsgebiet und Nahrungsquelle für viele Tier- und Pflanzenarten. „In Schleswig-Holstein wurden etwa auf einem Kilometer Wallhecken 1 600 bis 1 800 Tierarten festgestellt“, weiß Dr. Brand. Zudem besitzt das Strauchwerk auch eine biotopvernetzende Funktion. Positive mikroklimatische Effekte seien noch in bis zu 200 Meter Entfernung von der Wallhecke spürbar, zum Beispiel die Taubildung oder die Herabsetzung der Windgeschwindigkeit. Letzteres vermindere die Winderosion auf den Ackerflächen und schütze den humosen Oberboden. Und nicht zuletzt hätten Wallhecken eine kulturhistorische Bedeutung, weil sie von der Arbeit und der Lebensweise der Vorfahren zeugen und ein abwechslungsreiches Landschaftsbild schaffen.

Finanzielle Förderungen

Aufgrund ihrer Bedeutung haben der Landschaftsverband „Oldenburgische Landschaft“ sowie der Landkreis Oldenburg eine finanzielle Förderung für die Wallheckenpflege in Höhe von 12,50 Euro pro laufenden Meter aufgelegt, berichtet Dr. Brand weiter. Zu den förderfähigen Arbeiten gehören der Rückschnitt der Wallheckengehölze, Erd- und Pflanzarbeiten zur Wiederherstellung von dichten Strauch-Baum-Wallhecken oder auch die Neuanlage von Wallhecken (dies nur durch den Landkreis Oldenburg).

Ein wichtiger Aspekt für zukünftige Pflegearbeiten könnte die Verarbeitung und Nutzung des Holzschnittes zur Wärme- und Stromerzeugung sein, erläutert der Harpstedter weiter: Das Schnittgut aus der Wallheckenpflege gehört zum „Landschaftspflegeholz“, das als Abfallprodukt zum Beispiel auch bei der Pflege von Straßenbegleithölzern oder der Entkusselung von Moorflächen anfällt. Als solches könnte es als Brennstoff zur dezentralen Produktion von Wärme und Strom und regionaler Abnahme genutzt werden.

„Ein Beispiel für eine Technologie, die Landschaftspflegeholz effektiv und nahezu treibhausgasneutral in Wärme und Strom umwandeln kann, sind Holzvergaser-Blockheizkraftwerke“, erläutert der Experte. Sie könnten als Energielieferant etwa für öffentliche Gebäude, Gewerbegebiete oder Wohnhäuser eingesetzt werden. Durch die energetische Nutzung ergäben sich synergetische Effekte zwischen Naturschutz (Biotoppflege) und Klimaschutz.

Vor allem die Erfindung des Stacheldrahtes habe die Wallhecken für die Landwirte überflüssig gemacht. In der Folge ist der ursprüngliche Wallheckenbestand aus dem 19. Jahrhundert bis heute auf etwa nur noch ein Viertel zusammengeschrumpft. Die noch bestehenden Gehölze werden zudem zum großen Teil nicht mehr gepflegt. Den heutigen Wallhecken fehle aufgrund der mangelnden Pflege häufig die dichte Strauchschicht, so Brand. Stattdessen haben sich strauchlose Baumreihen auf Wällen entwickelt. Verlust und Rückgang der Strauchschicht ist mit einem Verlust der Artenvielfalt sowie an wichtigen ökologischen Funktionen verbunden, so der Biologe. Um dem weiteren Rückgang der Wallhecken Einhalt zu gebieten, wurden Wallhecken als Landschaftsbestandteile gesetzlich geschützt. Die wichtige Pflege der Wallhecken sei nicht festgelegt worden.

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