Anlage wird 2019 im Klärwerk installiert

Tuchfilter holt Mikroplastik aus Abwasser

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Matthias Schnieder.

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. Wildeshausen wird voraussichtlich Ende 2019 eine deutlich moderne Kläranlage haben. Der zweimonatige Testlauf einer Tuchfiltration lief so erfolgreich, dass die Apparatur nun im kommenden Jahr installiert werden soll. Im Haushalt sind dafür 300 000 Euro veranschlagt.

Die Kreisstadt hat dann eine der modernsten Abwasserreinigungen in vergleichbarer Größe in Deutschland. Die Bemessung orientiert sich am Einwohnerwert. Der liegt in Wildeshausen bei 35 000 und richtet sich nicht nur nach der Zahl der Bürger, deren Abwasser gereinigt wird. Geflügelverarbeitende Betriebe oder andere große Unternehmen treiben den Wert deutlich in die Höhe.

Auf Antrag der UWG hatte der Stadtrat im vergangenen Jahr einstimmig beschlossen, im Klärwerk eine Apparatur zu installieren, die unter anderem Mikroplastik filtert. Die Anlage, die mit Mikrofaserfilterstoffen arbeitet, holt auch Spurennährstoffe aus dem Wasser.

Mit einem Kran wurde die Filtration im Klärwerk eingesetzt und dann intensiv beprobt. - Foto: Schneider

„Die Anlage soll zudem um einen Aktivkohlefilter erweitert werden können“, sagt Klärwerksleiter Matthias Schnieder. Damit sei es noch effektiver möglich, Medikamentenrückstände und Reste von Schwermetallen aus dem Wasser zu holen. „Wir kriegen zwar jetzt schon das meiste heraus, aber Aktivkohlefilter sind eben noch effektiver“, so Schnieder. Bislang stehe dafür aber noch kein Geld zur Verfügung.

Das Abwasser gelangt aktuell über die Kanäle zunächst in den Rechen, der Toilettenpapier und Feuchttücher herauszieht. Anschließend fließt es in den Sandfang und dann in die Vorklärung, wo alle Feststoffe herausgelöst werden. In der Biologie sorgen Bakterien dafür, dass das Wasser gereinigt wird. In der Nachklärung trennt die Anlage den Belebtschlamm ab und führt ihn in die Biologie zurück. Das saubere Wasser fließt dann in die Hunte. Der neue Tuchfilter soll nach der Nachklärung eingesetzt werden, damit auch kleinste Teile zurückgehalten werden können.

„Wir hatten eine Versuchsanlage, die 15 Kubikmeter in der Stunde gereinigt hat“, berichtet Schnieder. Die Apparatur, die im kommenden Jahr installiert werden soll, schafft rund 400 Kubikmeter in der Stunde. „Das ist das Doppelte von dem, was wir gewöhnlich an Abwasser haben“, so der Klärwerksleiter. Auch bei Starkregenereignissen könnten noch bis zu 97 Prozent des Wassers durch den Filter geführt werden.

Mit dem Einbau der neuen Anlage ist das Klärwerk nach Schnieders Einschätzung erst einmal auf einem guten Stand. Die Anschaffung eines Aktivkohlefilters hält er nicht für so dringend. Diese seien noch in der Entwicklung und nicht ganz ausgereift, der Markt müsse sich noch ordnen.

Die Stadt hat jetzt auch noch eine weitere Baustelle in dem Klärbetrieb abgearbeitet: Der Treppenturm war mit asbesthaltigen Platten verkleidet gewesen. Diese wurden nun abmontiert, entsorgt und ersetzt.

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