Vermieter sucht interessanten Einzelhändler und möchte investieren

„Trödelhaus“ hat ausgedient

Die letzten Trödelartikel wurden am Dienstag von Gerd Warczek aus dem Laden transportiert. Foto: dr

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. Gebrauchte Waren zu Flohmarktpreisen kaufen – diese Gelegenheit nutzten in den vergangenen acht Jahren zahlreiche Kunden mit kleinem Geldbeutel im „Trödelhaus“ an der Ahlhorner Straße in Wildeshausen. Diese Möglichkeit besteht jetzt nicht mehr. Andrea und Gerd Warzcek haben die Tür zu ihrem Laden für immer geschlossen. „Es hat zwar Spaß gemacht, aber es hat sich nicht mehr gerechnet“, so Gerd Warzcek mit Blick auf hohe Nebenkosten, weil das Gebäude seinen Angaben zufolge schlecht isoliert ist und der Laden sich gerade im Winter wegen der hohen Heizungsrechnungen nicht rentierte.

Was in den rund 400 Quadratmeter großen Verkaufsräumen in Zukunft geschieht, ist noch nicht klar. Eine grundlegende Renovierung ist nach Einschätzung von Gerd Warzcek dringend erforderlich. Beispielsweise an der Ladenfront. „Wir wollten schon lange eine neue Tür haben, aber da ist leider nichts passiert“, kritisiert er.

Die Hausverwaltung verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass die weitere Nutzung der Immobilie unklar war und weiterhin ist. Eine Renovierung sei erst geplant, wenn ein neuer Mieter feststehe. „Wir suchen händeringend“, so Kathrin Rohlfs von der „Annette Kühling Bocklage Gesellschaft“. In das Gebäude mit rund 600 Quadratmetern Nutzfläche solle ein Geschäft einziehen, das die Innenstadt aufwerte, beispielsweise ein Modegeschäft mit Waren für jüngere Menschen. „Dann wird in das Gebäude investiert. Wir reißen auch die Garage sowie Anbauten ab, um neue Parkplätze zu schaffen“, so Rohlfs.

Bereits im Jahr 2011 hatte Warzceks Bruder Wilfried Knüppel den Laden eröffnet. Er bot auf zwei Etagen gebrauchte Möbel und viele kleinere Gegenstände an, wie sie normalerweise nur auf dem Flohmarkt zu finden sind.

Zu Beginn konnte der Laden nach Warzceks Angaben auf die Unterstützung des Sozialamtes setzen, das dort für Bedürftige Waren kaufte. „Aber das wurde immer weniger“, so der Inhaber. „Die Leute mit wenig Geld mussten dann selbst zu uns kommen. Das haben auch viele gemacht, aber sie haben es nur durch Mundpropaganda erfahren.“

Insbesondere auch Seniorenheime nutzten das Angebot für ihre Bewohner. „Es gab viele ältere Leute mit geringem Einkommen, die hier ihre Möbel gefunden haben“, erzählt Warzcek, der vor zwei Jahren den Laden von seinem Bruder übernommen hatte. „Wir haben dort vieles angeliefert und zum Teil sogar aufgebaut. Die Leute waren dafür sehr dankbar.“

Andrea Warzcek war in Vollzeit im Laden beschäftigt, ihr Mann hingegen kümmerte sich neben seinem Job als Lastwagenfahrer nach Feierabend um den Handel und lieferte mit dem Anhänger Waren aus. „Wo bekommt man schon einen Schrank für 15 Euro oder eine komplette Küche für 200 Euro?“, preist Warzcek den Trödel auch nach der Geschäftsschließung noch an. „Viele Leute sind traurig, dass wir hier jetzt schließen. Dass unser Laden nicht mehr da ist, reißt für manche bedürftige Wildeshauser ein großes Loch in den Geldbeutel“, ist er sich sicher, denn an Kunden hat es im Geschäft eigentlich nie gemangelt. Insbesondere in den Jahren nach 2015, als viele Geflüchtete nach Wildeshausen kamen, lief der Laden sehr gut, weil es einen großen Bedarf an gebrauchten Möbeln, Haushaltsutensilien sowie Elektrogeräten gab.

Jetzt sind die Flächen komplett geräumt. Viele Waren gingen in den vergangenen Tagen noch zu besonders günstigen Preisen weg. Manches stand sogar zum Verschenken vor der Tür. Mit ein wenig Wehmut wird sich das Ehepaar Warzcek nun um andere berufliche Aufgaben kümmern. Einen Vorteil hat die Schließung für Gerd Warzcek aber schon: Der 58-Jährige muss nicht mehr so viel schleppen. Das Geschäft war auch gesundheitlich ein harter Brocken für ihn.

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