Hitzige Diskussion

„Trick 17“ greift - Rat vertagt Entscheidung über Schultausch

Wildeshausen - Äußerst hitzig diskutierte der Wildeshauser Stadtrat am Donnerstagabend über den Immobilientausch zwischen der St.-Peter- und der Hunteschule – dann „grätschte“ Bürgermeister Jens Kuraschinski in die Debatte und beantragte eine Vertagung. Mit 16 zu 14 Stimmen entschied sich der Rat für den Vorschlag des Verwaltungschefs.

„Das ist doch ,Trick 17‘“, kritisierte Rainer Kolloge (UWG), der sich wie viele Ratsmitglieder gewünscht hatte, dass die Politik nach ihrem Beschluss vom Februar noch einmal über den Schultausch befindet. Doch nicht alle waren der Meinung, dass sich die Fakten grundlegend gewandelt haben.

Dass überhaupt erneut beraten wurde, geht auf die Initiative des parteilosen Ratsherren Karl Schulze Temming-Hanhoff zurück, der die Verwaltung beschuldigte, Falschinformationen (Fake-News) zu verbreiten. Anders als dargestellt, hätte sich Entscheidendes geändert. So sei nicht mehr mit einer Auflösung der Förderschulen zu rechnen, was dem erhofften Raumgewinn der Holbeinschule im Weg stehen würde. 

Auch würde die Stadt viel Geld investieren müssen, damit die Hunteschule am Standort St.-Peter angesiedelt werden kann. Überhaupt sei, anders als behauptet, genug Geld für den Neubau einer Grundschule vorhanden. Diese sei schließlich in der Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme „Vor Bargloy“ eingeplant gewesen.

Bürgermeister auf die Palme gebracht

Mit seiner Argumentation wusste Temming-Hanhoff die UWG und die CDW auf seiner Seite, brachte den Bürgermeister aber auf die redensartliche Palme. „Ich weise den Vorwurf der Fake-News zurück und bitte zu prüfen, ob bei einer Wiederholung solcher Vorwürfe ein Ausschluss vom Rat möglich ist“, so Kuraschinski in Richtung Temming-Hanhoff.

Tiefe Gräben also, die sich auch in der nachfolgenden Debatte zeigten. „Die ganze Sache wird immer absurder“, stellte Kolloge mit Blick auf steigende Kosten für einen geplanten Anbau für die Hunteschüler an die St.-Peter-Turnhalle fest. Gegenüber dem Neubau einer Grundschule „schmilzt der Kostenvorteil dahin“, folgerte der UWG-Ratsherr. Auch Stephan Rollié (CDW) appellierte an alle Tausch-Befürworter, sich die Sache noch einmal zu überlegen. Sein Fraktionskollege Jens-Peter Hennken sah gar eine „ideologisch geführte Kampagne, um die intakte Wildeshauser Schullandschaft zu zerstören“.

Tausch würde Kosten einsparen

Auf der anderen Seite wurde der finanzielle Aspekt betont. Der Tausch würde immer noch „ganz erhebliche Kosten, nämlich fünf bis sechs Millionen Euro, einsparen“, sagte Kreszentia Flauger (Linke). Eine neue, zweizügige Grundschule ohne Turnhalle koste acht Millionen Euro, so Manfred Rebensburg (Grüne). Dagegen schlage der Umzug nur mit drei, eventuell 3,5 Millionen Euro zu Buche. Evelyn Goosmann (SPD) sah das ähnlich. „Keiner der Befürworter macht sich bewusst, was es kostet, eine neue Schule zu bauen.“

Letztendlich beendete die Vertagung von Kuraschinski die Debatte. Mit seiner Stimme sowie den von SPD, CDU, Grünen und Linken wurde beschlossen, zu warten, bis der Landkreis Oldenburg als Träger der Hunteschule entscheidet, ob der Tausch sinnvoll ist. Das soll bis Ende des Jahres geschehen.

bor

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