Tränen in den Augen

Andrea und Fabian Reinke erinnern sich an die Schafferwahl vor einem Jahr

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Die Schafferkette wird bald abgegeben: Andrea und Fabian Reinke erinnern sich an ein erlebnisreiches Jahr in der Wildeshauser Schützengilde. 

Wildeshausen – Es war Pfingstdienstag, 22. Mai 2018. Mit 25 Grad herrschten um 22.30 Uhr noch ungewöhnlich hohe Temperaturen, als die Trommler der Wildeshauser Schützengilde vor dem Haus von Andrea und Fabian Reinke an der Heemstraße in Wildeshausen aufmarschierten und die Wache vor dem Eingang Stellung bezog.

„Entweder fängst du dann an zu kotzen oder zu heulen“, erinnert sich Fabian Reinke an den Moment, als er mit seiner Frau hinter der Tür stand und wusste, dass sie gleich Hauptmann der Wache, Detlev Hohn, fragen würde, ob sie das neue Schafferpaar der Wildeshauser Schützengilde werden wollen. „Ich hatte Tränen in den Augen“, erzählt der 35-Jährige. „Du wirst mit dieser Ernennung Teil einer langen Wildeshauser Tradition. Das ist eine große Ehre.“

Das Jahr des Schaffers ist am Pfingstdienstag vorüber, wenn er auf der Herrlichkeit zum Fähnrich ernannt wird. Bereits eine Woche vorher übernimmt Fabian Reinke das Inventar der Wildeshauser Schützengilde. Als jüngster Offizier wird er den neuen Schaffer durch das Jahr begleiten und ihn in die vielen Pflichten und Ehren des Amtes einweisen.

„Wenn du für Wildeshausen brennst, dann machst du das alles sehr gerne“, berichtet Fabian Reinke. Und seine Frau ergänzt: „Wir haben in der Gilde ganz neue Freunde gewonnen.“ Interessant sei für sie, dass sie dort mit Menschen ganz unterschiedlichen Alters und komplett verschiedenen beruflichen sowie gesellschaftlichen Hintergründen zusammentrifft und eine Gemeinschaft erlebt, die auf einen achtet. „Der Stammtisch der Offiziersfrauen ist immer total schön“, erzählt Andrea Reinke von einer der vielen guten Erfahrungen.

Ihr Mann hat im vergangenen Jahr ebenfalls viele neue zwischenmenschliche Begegnungen gehabt. Unter anderem bei den Einladungen zum Wacheball, die in traditioneller Form überbracht werden. „Es gibt Erlebnisse, die du sonst nie gehabt hättest“, so Reinke. „So habe ich beispielsweise einen tollen und unterhaltsamen Abend mit dem Wildeshauser Ehrenbürger Manfred Rollié erlebt.“

Das vergangene Jahr war für Fabian Reinke davon geprägt, erst einmal alles kennenzulernen. „Die Aufgaben werden nun mehr“, weiß er, dass es für den Offiziersnachwuchs einiges zu tun gibt. Seine Frau umschreibt die Schafferzeit sehr bildlich: „Es ist fast, wie ein Kind zu bekommen. Das fordert einen heraus, aber man gewinnt dabei sehr viel.“

In den zwölf Monaten hat das Paar große familiäre Unterstützung erfahren. So kümmerte sich Schwiegermutter Marianne Vaske schon in den Tagen vor der Schafferwahl intensiv um die damals zehn Monate alte Tochter Elisa. In den folgenden Wochen und Monaten waren auch Fabians Eltern, Beate und Manfred Reinke, immer da, wenn es darum ging, auf die Kleine aufzupassen, wenn die Eltern gesellschaftliche Verpflichtungen hatten.

Das Jahr war für die Reinkes auch deshalb noch sehr aufregend, weil sie am 26. August als junges Ehepaar am ZDF-Fernsehgottesdienst in der Alexanderkirche teilnahmen. „Das war ein wertvolles Erlebnis“, erinnert sich Andrea Reinke, findet aber auch: „Jetzt kann es bei uns ein wenig ruhiger werden.“

Das ist ein optimistischer Wunsch, der wohl kaum in Erfüllung gehen wird. Im Oktober erwartet das Paar sein zweites Kind. Ob es ein Mädchen oder Junge wird, wissen die Reinkes nicht. Denkbar wäre es aber, dass dann ein zukünftiger Schaffer der Wildeshauser Schützengilde das Licht der Welt erblickt – auch wenn die feierliche Ernennung erst 30 Jahre später erfolgen dürfte.

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