Peter Kossen kritisiert in Wildeshausen die Fleischindustrie

„Totalerschöpfung ist fast alltäglich“

Harte Kritik an der Fleischindustrie: Der Vorsitzende des Kulturkreises, Werner Stommel (r.), begrüßte Priester Peter Kossen in Wildeshausen.
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Harte Kritik an der Fleischindustrie: Der Vorsitzende des Kulturkreises, Werner Stommel (r.), begrüßte Priester Peter Kossen in Wildeshausen.

Wildeshausen – „Manche Menschen werden benutzt, verschlissen und dann wie Maschinenschrott entsorgt. Es sind Wegwerfmenschen.“ Mit diesen deutlichen Worten prangert Pfarrer Peter Kossen die Zustände in der heimischen Fleischindustrie – aber auch in anderen Branchen – an.

Der in Wildeshausen geborene und in Rechterfeld aufgewachsene Theologe war am Freitag auf Einladung des Kulturkreises im Saal der Kreismusikschule zu Gast, und im Zuhörerraum war kein Platz freigeblieben.

Kossen setzt sich seit Jahren für menschenwürdige Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie ein und findet sehr klare Worte: „Eine Veranstaltung wie diese hätte in Visbek nicht stattgefunden“, betonte er die Abhängigkeit der Kommunen von den großen Arbeitgebern. Seinen Vortrag eröffnete der 52-Jährige mit einem Blick auf die Migrationsbewegung aus dem Oldenburger Land in die Niederlande. Die Arbeitsmigranten schufteten vor mehr als 300 Jahren vor ihrer Not und ihrem Hunger getrieben unter schwersten Bedingungen. „Heute gibt es die Migration unter anderen Vorzeichen“, sagte Kossen. Er verwies auf seinen Bruder Florian, der als Mediziner die Arbeitsmigranten aus den Großschlachthöfen in Wildeshausen, Ahlhorn und Lohne behandelt: „Die Totalerschöpfung der Patienten ist fast schon alltäglich.“

„Den Preis für billige Lebensmittel zahlen die Landwirte, die Rumänen und Bulgaren“

Die Corona-Pandemie habe aufgedeckt, wie schwerwiegend der Arbeitsschutz der Werks- und Leiharbeiter missachtet werde. „Der Fall Tönnies hat die Gesellschaft und die Politik wachgerüttelt und zum Handeln getrieben. Mit dem Verbot der Werksvertrags- und Leiharbeit im Kerngeschäft der Fleischindustrie ist ein Anfang gemacht“, sieht Kossen einen ersten Fortschritt. „Den Preis für billige Lebensmittel zahlen aber weiter die Landwirte mit ihrer Existenz, die Rumänen und Bulgaren mit ihrer Gesundheit und die Natur mit der Artenvielfalt.“

Kossen berichtete von „Löchern“, die mitten in Vechta als Wohnungen vermietet werden: „500 Euro für 17 Quadratmeter einer verschimmelten Bruchbude ohne ausreichend Elektrizität und mit undichtem Dach.“ Der Priester forderte: „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit am gleichen Ort, Unfallschutz und Krankenversicherung im Land der Arbeit, Rechtsberatung der betroffenen Arbeitsmigranten bis vor Gericht, eine durchsetzungsstarke Arbeitskontrollbehörde, Wohnungen für Arbeitsmigranten sowie die weitere Begrenzung der Werkvertrags- und Leiharbeit nicht nur in der Schlachtung und Zerlegung, sondern in weiteren Branchen.“

Arbeitnehmer haben Angst, Probleme offen anzusprechen

Die Diskussion im Plenum war weitreichend. Die Gäste zeigten sich empört über die Missstände, suchten nach Lösungen und riefen zu mehr Engagement auf, um dieses Zukunftsthema zu bewältigen. Auf die Frage, wie sein Engagement bei seinem Arbeitgeber angekommen ist, entgegnete Kossen: „In Vechta hat es nicht gepasst und war es auch nicht gewollt. Ich war der Versetzbare. Als Kirche sind wir mitunter denkfaul und auch feige.“

Annick Mabuleau-Pohl berichtete von ihren Erfahrungen aus Kursen, die über die Volkshochschule angeboten werden: „Die Sprache haben sie und dennoch können sie nicht sprechen.“

Die Kursleiterin aus Wildeshausen beschrieb damit die Angst ihrer Teilnehmer vor dem Verlust ihrer Tätigkeit, wenn sie die Probleme offen ansprechen.

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