Kreis informiert über seriöse Anbieter 

Wohlstandsmüll lockt gewerbliche Sammler an

Die Behörden können wenig gegen überquellende Altkleidercontainer wie hier bei „Zimmermann“ an der Ahlhorner Straße tun.

Wildeshausen - „Wir brauchen dringend Schuhe und Kochtöpfe“ ist auf Flyern zu lesen, die am Wochenende in vielen Wildeshauser Briefkästen landeten. Angekündigt wird eine „Große Schuh-, Kleidung- und Geschirrsammlung“ für morgen ab 8 Uhr.

Bis dahin könnte man noch glauben, es handele sich um eine wohltätige Aktion. Doch in kleinerer Schrift und der zweitletzten Zeile des Din-A-5- großen und dicht bedruckten Blatts wird informiert, dass es sich um eine gewerbliche Sammlung handelt. Das bestätigt die Firma auch auf Nachfrage. Sie habe schon öfter in Wildeshausen gesammelt, normalerweise mit Körben. Wer Zweifel an der Seriosität solcher Aktionen hat, kann sich beim Landkreis Oldenburg informieren.

Auf der Internetseite des Kreises ist eine Liste mit Stand vom Januar veröffentlicht, die die bei der Verwaltung angezeigten Sammlungen umfasst. Acht gemeinnützigen Akteuren vom DRK über die Malteser und die Katholische Junge Gemeinde bis hin zum Schützenverein Brettorf stehen 34 Unternehmen von Bremen bis Brandenburg gegenüber, die offenbar auf alte Klamotten, Schuhe und Metall aus sind.

Gesammelt wird entweder wie heute straßenweise mit einem Fahrzeug oder an festen Containerstandorten. Wie viele derartige Behälter in Wildeshausen stehen, kann weder die Kreis- noch die Stadtverwaltung sagen. Es finde ein steter Wechsel statt, informiert Thorsten Bruns von Abfallwirtschaftsamt des Landkreises. Heute stehe ein Container an der einen Stelle, „nächste Woche kann alles wieder anders sein“. Und wenn die Behälter auf privatem Grund stationiert sind, können die Behörden so oder so wenig unternehmen, auch wenn sich Anwohner wegen der Lärmbelästigung oder überquellender Container beschweren. Bruns rät in letzterem Fall dazu, sich an den Landkreis oder den Aufsteller zu wenden. Dabei hilft es, wenn die Organisation hinter der Sammlung vor Ort eine Telefonnummer angegeben hat, wozu der Kreis die Unternehmen animiert.

In legaler Konkurrenz

Auch wenn Sammlungen beim Landkreis angemeldet und damit legal sind, befinden sich in Konkurrenz zu wohltätige Aktionen. Beim DRK-Kreisverband Oldenburg-Land ist man über die private Konkurrenz eher mäßig begeistert. Wie die Rotkreuzler mitteilen, betreiben sie in Hude, Wardenburg, Wildeshausen, Ahlhorn und Harpstedt Kleiderkammern. Zusätzlich sind über den ganzen Landkreis verteilt etwa 20 Altkleidercontainer an stark frequentierten Punkten aufgestellt. „Im vergangenen Jahr hat unser Kreisverband so insgesamt rund 138 Tonnen Altkleider gesammelt.“

Ein Teil kommt Bedürftigen direkt in den Kleiderkammern zugute, aber da der Kreisverband deutlich mehr Klamottenspenden erhalte, als er austeilen oder lagern könne, „wird die überschüssige Kleidung an eine Verwertungsfirma verkauft“, so das Rote Kreuz. Der Erlös daraus fließe in ehrenamtliche Projekte und DRK-Einrichtungen. Aus der Sach- wird somit eine Geldspende. J bor

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