Tierschützer fürchten um Katzen

Geplante Änderung des Jagdgesetzes: „Todesurteil für viele Freigänger“

Gefahr im Freien: Katzen, die durch die Natur streunen, könnten abgeschossen werden.
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Gefahr im Freien: Katzen, die durch die Natur streunen, könnten abgeschossen werden.

Wildeshausen – Mit Entsetzen, absolutem Unverständnis und Protest reagieren heimische Tierschützer auf die von der niedersächsischen Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Barbara Otte-Kinast (CDU), geplante neuerliche Änderung des niedersächsischen Jagdgesetzes. Ein wesentlicher Punkt bestehe darin, dass der Abschuss von Hauskatzen ohne weitere Voraussetzungen gestattet werde, sobald diese sich mehr als 300 Meter vom nächsten Wohnhaus aufhalten, kritisiert unter anderem der Landestierschutzverband mit 78 Mitgliedsvereinen in einer Pressemitteilung.

„Die geplante Änderung bedeutet ein Todesurteil für sehr viele Freigänger. Sie bringt zudem viel Leid in die Besitzerfamilien“, sagt Edith Kaminski, Pressesprecherin der Tierschutzgruppe Oldenburg Land. „Diese Regelung widerspricht zudem der Verhältnismäßigkeit. Sie entbehrt jeglichen vernünftigen Grundes. Außer dem, dass Katzen zum sogenannten Raubzeug gerechnet werden und bei vielen Jägern verhasst sind“, so Kaminski. Katzen werde zur Last gelegt, sowohl Vögel als auch sonstiges Niederwild zu jagen. „Der offensichtliche Artenrückgang wird aber von Tier- und Naturschützern sowie Umweltwissenschaftlern auf eine verfehlte Agrarpolitik und damit einen Wegfall des erforderlichen Lebensraumes und das Ausbringen von Giften zurückgeführt. Hinzu kommt der täglich steigende Flächenverbrauch für Bauland.“

Keine Zahlen über abgeschossene Katzen

Der Abstand von 300 Metern zum nächsten Wohnhaus belegt nach Ansicht der Tierschützer in keiner Weise, dass die dort angetroffene Katze gerade wildert. Diese Beurteilung nehme dann allein der entsprechende Jäger vor Ort vor.

Wie oft Katzen von Jägern abgeschossen werden, weiß niemand. Erika Walsemann vom Tierschutzverein Oldenburg ,Zweiggruppe Wildeshauser Geest, kennt keine aktuellen Fälle aus der Region. Vor Jahren, so erinnert sie sich, habe es allerdings Bereiche in Wildeshausen gegeben, in denen Jäger auf Katzen geschossen hätten. Das sei aber Vergangenheit.

Viele Katzen vermisst

Kaminski verfügt ebenfalls nicht über Zahlen. Sie verweist jedoch darauf, dass bei ihrem Verein aktuell 18 Katzen als vermisst gemeldet sind. Die Dunkelziffer der tatsächlich vermissten Tiere im Landkreis hält sie jedoch für erheblich. Sie glaubt, dass ein Teil der Tiere abgeschossen wurde. Ein Wiederauffinden hält sie für fast unmöglich, da die Tiere verbuddelt würden.

Kaminski bezeichnet die immer noch praktizierte Unterteilung von Tieren in „gut“ und „böse“ oder „schädlich“ ohnehin für rückwärtsgewandt und in heutiger Zeit nicht mehr vertretbar. „Außerdem ist es eine Tatsache, dass Tiere mit vielen Feinden überproportional viel Nachwuchs haben. Hier kommt der zweite gravierende Änderungspunkt ins Spiel, nämlich die Aufhebung des Elternschutzes. Es soll dann auch kein Verstoß gegen waidmännische Regeln mehr sein, Elterntiere, die Junge führen zu erschießen, wohl wissend, dass damit auch die Jungtiere sterben werden“, so Kaminski. Eine Tötung von Elterntieren solle allenfalls noch als Ordnungswidrigkeit eingestuft werden oder sogar straffrei bleiben. „Das Wort Tierschutz ist für Otte-Kinast scheinbar nur ein lästiger Begriff, der weg kann“, vermutet die Tierschützerin.

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